#86 Bauwerk.Stimme – Stein, Saar und Selbstbewusstsein
Weinmanufaktur Van Volxem in Wiltingen an der Saar
16.10.2026 18 min
Zusammenfassung & Show Notes
Die Saar zieht unten im Tal ihre Schleife, die Hänge steigen steil auf, Reben zeichnen Linien in die Landschaft. Hoch darüber steht auf dem Wiltinger Schlossberg die Weinmanufaktur Van Volxem. Heller Naturstein, klare Baukörper, ein Turm an der Hangkante, große Fenster mit weitem Blick über die Weinberge. Darunter liegen Räume für Produktion, Reifung, Arbeit und Gastlichkeit.
Für diese Bauwerk.Stimme bin ich zurück an die Saar gereist, zumindest gedanklich. Nach einem Besuch im Sommer bei Van Volxem wollte ich genauer verstehen, wie dieser Ort entstanden ist. Warum baut ein Weingut eine solche Manufaktur? Welche Rolle spielen Landschaft, Material, Logistik und Geschichte? Wie entsteht Architektur, die präzise wirkt und zugleich Menschen willkommen heißt?
Darüber habe ich mit Roman Niewodniczanski gesprochen. Er hat Van Volxem im Jahr 2000 übernommen, das historische Gut im Ortskern von Wiltingen restauriert und viele Jahre nach dem richtigen Standort für eine neue Manufaktur gesucht. Im Gespräch erzählt er von Vorbildern in der internationalen Weinwelt, von der langen Suche nach dem passenden Ort, vom Modell des gesamten Saar-Tals, vom Turm als Landmarke und von Details, für die er mit großer Konsequenz gekämpft hat.
Gesprächspartner in dieser Episode:
Roman Niewodniczanski, Eigentümer des Weinguts Van Volxem in Wiltingen an der Saar
Baubeteiligte:
Architektur und künstlerische Oberleitung: arch.tv Trojer Vonmetz Architekten, Terlan
Detailentwicklung und Bauleitung: roth-architektur, Trier
Innenarchitektur: KnallGrau, Bad Soden
Landschaftsarchitektur: ernst + partner, Trier
Bauherr: Roman Niewodniczanski, Weingut Van Volxem
Weitere Links zur Folge:
Weinmanufaktur Van Volxem beim Architekturpreis Wein 2022
#50 Bauwerk.Stimme: Weingut Cantzheim in Kanzem an der Saar
Coverbild: KI-generiert mit ChatGPT
Für diese Bauwerk.Stimme bin ich zurück an die Saar gereist, zumindest gedanklich. Nach einem Besuch im Sommer bei Van Volxem wollte ich genauer verstehen, wie dieser Ort entstanden ist. Warum baut ein Weingut eine solche Manufaktur? Welche Rolle spielen Landschaft, Material, Logistik und Geschichte? Wie entsteht Architektur, die präzise wirkt und zugleich Menschen willkommen heißt?
Darüber habe ich mit Roman Niewodniczanski gesprochen. Er hat Van Volxem im Jahr 2000 übernommen, das historische Gut im Ortskern von Wiltingen restauriert und viele Jahre nach dem richtigen Standort für eine neue Manufaktur gesucht. Im Gespräch erzählt er von Vorbildern in der internationalen Weinwelt, von der langen Suche nach dem passenden Ort, vom Modell des gesamten Saar-Tals, vom Turm als Landmarke und von Details, für die er mit großer Konsequenz gekämpft hat.
Gesprächspartner in dieser Episode:
Roman Niewodniczanski, Eigentümer des Weinguts Van Volxem in Wiltingen an der Saar
Baubeteiligte:
Architektur und künstlerische Oberleitung: arch.tv Trojer Vonmetz Architekten, Terlan
Detailentwicklung und Bauleitung: roth-architektur, Trier
Innenarchitektur: KnallGrau, Bad Soden
Landschaftsarchitektur: ernst + partner, Trier
Bauherr: Roman Niewodniczanski, Weingut Van Volxem
Weitere Links zur Folge:
Weinmanufaktur Van Volxem beim Architekturpreis Wein 2022
#50 Bauwerk.Stimme: Weingut Cantzheim in Kanzem an der Saar
Coverbild: KI-generiert mit ChatGPT
Der Podcast:
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.
Seid bei der nächsten Folge wieder dabei, wenn wir weitere spannende Projekte und Persönlichkeiten aus der Welt des Bauens vorstellen. Wenn Euch die Episode gefallen hat, abonniert Architektourist bei Eurem bevorzugten Podcast-Anbieter.
Ihr habt Fragen oder Vorschläge? Wir freuen uns auf Eure Nachrichten unter kontakt@architektourist.de.
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Transkript
Du hörst Bauwerkstimme, ein Format von Architektourist.
Stein, Saar und Selbstbewusstsein. Die Weinmanufaktur Van Volxem in Wiltingen an der Saar.
Manchmal liegt ein Gebäude so in der Landschaft, als hätte es lange gewartet,
bis jemand ihm seine Form gibt.
Hoch über der Saar, auf dem Wiltinger Schlossberg, steht die Weinmanufaktur Van Volxem.
Ein heller Baukörper aus Naturstein. Ein Turm an der Hangkante.
Große Fenster, die den Blick weit öffnen.
Darunter Keller, Wege, Arbeitsräume, Reifung.
Von hier oben schaut man auf eine Landschaft, die wild und kultiviert zugleich wirkt.
Die Saar zieht ihre Schleife durch das Tal. Die Hänge steigen steil an.
Reben zeichnen Linien in den Boden.
Wald, Wasser, Wolken, Licht. Alles ist da.
Natur, Arbeit, Geschichte, Anspruch.
Van Volxem ist ein traditionsreiches Weingut. Seine Wurzeln reichen weit zurück.
Römische Spuren, klösterliche Vergangenheit, Saarwein um 1900,
internationale Anerkennung.
Doch diese Episode ist keine Weinprobe, sie ist ein Besuch bei einem Bauwerk.
Bei einer Manufaktur, die Weinproduktion, Landschaft, Gastlichkeit und Markenbewusstsein,
in Architektur übersetzt.
Entworfen wurde die Weinmanufaktur von ArchTV Trojer Vonmetz aus Südtirol.
Die weiteren Planungspartner, von der Detailentwicklung und Bauleitung bis zur
Innen- und Landschaftsarchitektur, nenne ich in den Shownotes.
Im Mittelpunkt dieser Folge steht aber vor allem ein Gespräch mit dem Bauherren,
Roman Niewodniczanski.
Er hat von Volxem im Jahr 2000 übernommen. Er hat das historische Gut im Ortskern
von Wiltingen restauriert.
Und er hat über viele Jahre nach dem richtigen Ort eine neue Manufaktur gesucht.
Für einen Ort, der Arbeit erleichtert, Herkunft sichtbar macht und Menschen anzieht.
Ich bin ja sehr viel durch die Weinwelt gereist. Ich war viel in Kalifornien,
in Oregon, Napa, Südafrika, Neuseeland, Argentinien, Chile, egal ob die ganze
Welt. Und überhaupt dieser Welt hat man ein Vorbild gehabt. Das sind natürlich
die großen Chateaux in Bordeaux und das sind auch die großen Winzervillen in Wiltingen.
Aber auch die Chateaux in Bordeaux sind auch noch nicht so alt.
Die meisten Weingüter dort sind gebaut worden um 1900.
Und die Winzerwillen an der Mose sind oft noch etwas älter.
Wir haben hier in der Region einen Weinbau, der eine sehr lange Geschichte hat.
Und Weinbau ist international seit 160, 180 Jahren, manifestiert sich auch immer gut Architektur.
Und diese Architektur sollte die Wertschätzung der Produkte widerspiegeln,
aber eben auch regional Eigenheiten transportieren,
und letztlich auch Menschen an die Marke und an das Unternehmen,
an das Weingut, an den Weingutsnamen binden.
Das ist die Idee. Und ich hatte hier sehr früh die Idee, dass ich ein Weingut
baue, das sowohl auf der einen Seite sehr, sehr modern ist, also wirklich im
Grunde genommen auch eine Zeitlosigkeit an Gestaltung transportiert,
auf der anderen Seite perfekte Logistik bietet.
Kapitel 1. Ein Weingut sucht seinen Ort.
Van Volxem war lange im Ortskern von Wiltingen zu Hause. Ein historisches Gut.
Enger Maßstab, gewachsene Struktur, schöne Räume, aber begrenzte Möglichkeiten.
Mit den Jahren wuchs das Weingut. Mehr Lagen, mehr Flaschen,
mehr Besucherinnen und Besucher, mehr internationale Aufmerksamkeit.
Irgendwann reichte der alte Ort für die neuen Abläufe kaum noch aus.
Weinbau klingt romantisch.
Nach Reben, Fässern, Gläsern im Abendlicht.
Doch ein großes Weingut ist auch Logistik. Trauben kommen an.
Sie werden sortiert, gepresst, vergoren, ausgebaut, gelagert, verpackt, verschickt.
Menschen arbeiten dort unter hohem Zeitdruck, vor allem während der Lese.
Dann zählen Wege, Temperaturen, Blickbeziehungen und Ruhe. Ein falscher Ablauf kostet Kraft.
Ein kluger Raum schenkt Zeit.
Roman Niewodniczanski wollte einen Ort schaffen, der beides kann.
Präzise Produktion und starke Wirkung.
Ein Bau, der dem Team gute Arbeitsbedingungen bietet.
Ein Ort, an dem Besucherinnen und Besucher verstehen, dass Wein hier mit Handwerk,
Geduld und Sorgfalt entsteht.
Und eine Architektur, die die Wertigkeit des Saarweins ernst nimmt.
Der Weg dorthin war lang. Fast 20 Jahre suchte Roman Niewodniczanski nach
dem passenden Standort.
Sieben oder acht Orte wurden geprüft. Eine frühe Idee war radikal.
Das ganze Weingut sollte in einem Berg verschwinden.
Ein unterirdisches Weingut, eingelassen in die Landschaft. Fast unsichtbar.
Kühl, effizient, spektakulär.
Doch die Kosten liefen davon. Am Ende wurde es der Wiltinger Schlossberg,
ein Ort oberhalb der Saar, im geografischen Zentrum vieler Weinberge.
Mit Blick auf große Lagen, mit vorhandenen Kellerräumen einer früheren Kellerei,
mit genug Raum für Produktion, Besucher und Landschaft.
Aus der Suche wurde ein Setzen. Die neue Manufaktur steht heute frei,
aber sie steht nicht beliebig.
Sie ist Landmarke und Arbeitsort. Sie zeigt sich, ohne die Landschaft zu übertönen.
Das ist ein feiner Grat. Wer in einer solchen Lage baut, braucht Mut und Zurückhaltung,
denn jeder Baukörper verändert den Horizont.
Bei Van Volxem ging es deshalb früh um Maßstab, Proportion und Wirkung.
Kapitel 2 Stein, Hang und Turm.
Für den Entwurf wurde das Tal nicht nur gezeichnet, es wurde gebaut.
Als Modell mit Hang, Bäumen, Flussraum und Gegenüber.
Das klingt fast altmodisch in Zeiten von Renderings, Simulationen und schnellen Bildern.
Doch genau darin liegt eine wichtige Qualität.
Ein Modell zwingt zum Schauen. Man geht darum herum, man prüft Höhen, Kanten, Schatten.
Man spürt, ob ein Baukörper zu laut wird oder zu schwach bleibt.
Gutarchitekten ordnen sich eigentlich der Landschaft unter und suchen einen
Weg, wie sie ein Gebäude in einer Landschaft platzieren, ohne sie zu beleidigen, zu belasten.
Deswegen haben wir auch hier von einem Rentner, ein sehr älterer Herr,
der war Eisenbahner, ehemaliger Eisenbahner, der hat Eisenbahnlandschaften gebaut im Iran.
Und dem habe ich eine Auftrag gegeben, die gesamte Landschaft,
das gesamte Tal haben wir nachgebaut mit jedem einzelnen Baum.
Das war ein Projekt von anderthalb Jahren. Man hat das alles nachgebaut und
dann haben wir diesen Baukörper reingesetzt.
Ich weiß, man kann heute über Renderings, auch damals schon konnte man mit Renderings
sehr viel, heute noch mehr gestalten, aber ein Gefühl dafür zu bekommen,
wie ein Baukörper im Verhältnis zu einer Landschaft steht.
Nach diesem Modellieren im Kleinen steht Van Volxem heute als präzise Setzung im Großen.
Die Anlage besteht aus zwei Baukörpern, die unterirdisch miteinander verbunden sind.
Der langgezogene Hauptbaukörper nimmt die Produktion auf.
Der Turm an der Hangkante fasst Besucherbereiche, Verkostung und Blick.
Alles wirkt hell, klar, geordnet.
Die Fassade ist mit Travertin bekleidet, einem hellen Naturstein,
der je nach Licht mal cremig, mal warm, mal fast silbern wirkt.
Im Keller spielt Naturstein ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Materialität
verweist auf geologische Schichten, auf Weinbergsmauern, auf die mineralische Welt der Saar.
Stein ist hier keine Bekleidung für den schnellen Eindruck.
Er ist Haltung, er altert, er trägt Spuren, er hat Tiefe.
Und er gibt dem Bau eine Ruhe, die gut zu dieser Landschaft passt.
Mich hat bei diesem Besuch genau das beeindruckt, die Klarheit der Baukörper.
Die Genauigkeit der Details, die Schrägen in den Fensterlaibungen,
die Art, wie Licht in die Räume fällt.
Die Architektur wirkt sorgfältig, aber nie glatt. Sie hat Gewicht,
ohne schwerfällig zu werden.
Der Turm ist dabei die stärkste Geste. Es steht an der Hangkante und nimmt Bezug
auf den Bismarck-Turm auf der gegenüberliegenden Seite des Tals.
Solche Türme waren um 1900 Zeichen einer Zeit, in der der Saar war ein internationales Ansehen genoss.
Sie standen für Stolz, Aussicht, Erinnerung und Selbstbewusstsein.
Van Volxem übersetzt diese Idee in die Gegenwart. Der Turm ist Aussichtspunkt,
Verkostungsraum und Zeichen in der Landschaft.
Oben öffnet sich der Raum mit großen Fensterflächen. Der Blick geht zu den Weinbergen,
zum Scharzhofberg, zur Saar, in den Himmel.
Man steht dort nicht vor einem Bild, man steht mitten in einer Landschaftserzählung.
Mir ist es sehr wichtig, dass der Kunde die Landschaft erlebt.
Deswegen ist der Probenraum oben auch so offen.
Man sieht in alle Himmelsrichtungen und man nimmt die Natur als stark wahr.
Man sieht die Weinberge, die Steinlagen, all das, was den Wein prägt.
Die Natur, die Wolken, das Wetter, all das erlebe ich da oben im Turm sehr stark.
Wir sind den ganzen Tag von Mauerseglern umschwärmen. Den ganzen Tag haben wir Turmfalken.
Das ist genauso. Die Turmfalken nehmen uns als Steinbrocken wahr und fliegen
den ganzen Tag um den Bau herum.
Es ist interessant zu sehen, wie auch die Natur, wie auch Tiere diesen Baukörper
eben als Marke wahrnehmen. Übrigens, die Idee dieses Turms geht auf den Bismarck-Türm
zurück. Auf der anderen Saarseite ist ein Turm gebaut worden als Andenken an
den Besuch von Kaiser Wilhelm.
Vielleicht ist das die eigentliche Stärke dieses Ortes. Er trennt Wein,
Landschaft und Architektur nicht voneinander.
Er legt sie übereinander wie transparente Schichten.
Der Blick gehört zum Raum. Der Hang gehört zum Grundriss.
Der Stein gehört zur Erzählung. Der Turm gehört zur Geschichte.
Und darunter arbeitet die Manufaktur.
Kapitel 3 Architektur für Menschen.
So eindrucksvoll, Van Volxem von außen wirkt, so wichtig ist im Inneren die Organisation.
Roman Niewodniczanski spricht oft über Logistik, über kurze Wege,
über Schwerkraft, über gute Arbeitsbedingungen, über Mitarbeitende,
die sich in einem Gebäude wohlfühlen sollen.
Darin steckt eine große architektonische Frage. Wie baut man einen Ort,
der nicht nur schön aussieht, sondern den Alltag besser macht?
Bei Van Volxem werden Besucherinnen, Besucher und Produktion bewusst miteinander in Beziehung gesetzt.
Die Gäste sollen die Arbeit sehen können. Traubenannahme, Keller, Fässer, Abläufe.
Das Gebäude ist so gebaut worden, dass wir die Besucher jeden Tag,
die kommen, an den Weinbergrand führen können, an die Traubenannahme anführen können.
Und im Herbst werden alle Besucher jeden Tag zu den Trauben geführt,
können auch die Trauben probieren und werden in den gesamten Produktionsprozess integriert.
Das kennen Sie vielleicht von Restaurants, moderne Restaurants in New York,
Skandinavien, Norwegen, Schweden, Finnland, sind so, dass wenn sie reinkommen,
dann sehen sie den Koch beim Arbeiten. Das ist eine große Glasfront.
Und ich finde es extrem wichtig, dass nicht im Geheimen, im Hinterstübchen gewerkelt
wird, sondern dass der Kunde ein sehr, sehr hohes Maß in Transparenz erlebt,
in dem er quasi dem Kellermeister und dem Team über die Schultern schauen kann.
Diese Transparenz verändert die Atmosphäre. Das Gebäude wirkt hochwertig, aber nicht unnahbar.
Die Räume sind präzise gestaltet, aber sie bleiben offen für Menschen.
Man merkt, hier soll nicht nur präsentiert werden, hier soll Begegnung entstehen.
Auch mein eigener Besuch war genau davon geprägt. Wir kamen im Rahmen einer
kleinen privaten Tour zu architektonisch interessanten Weingütern an der Saar nach Van Volxem.
Ein kurzer Blick in den vorderen Bereich des Weinkellers. Ein Wein im Glas,
ein freundlicher Empfang.
Dann plötzlich Roman selbst, der sich vorstellt, die Hand gibt und erlaubt,
kurz nach oben in den Saar mit Panoramablick zu gehen.
Dort wurde gerade für ein Event eingedeckt.
Also nur ein kurzer Moment, aber manchmal reicht ein kurzer Moment,
um ein Gebäude zu verstehen.
Tische im Raum, Licht vor den Fenstern, draußen die Hänge, drinnen diese Mischung
aus Präzision und Gastlichkeit.
Ein Gebäude wird dann stark, wenn es im Gebrauch nicht schwächer wird.
Wenn Kabel, Gläser, Menschen, Stimmen und Bewegung ihm nichts nehmen.
Wenn der Alltag nicht stört, sondern die Architektur erst lebendig macht.
Roman Niewodniczanski formuliert das im Gespräch sehr deutlich.
Gute Architektur ist für mich immer lebensbejahend.
Gute Architektur, das vergessen sehr viele Architekten. Gute Architektur dient
nicht dazu dar, den Menschen zu beeindrucken. Eine gute Architektur dient immer
der Kommunikation, dem Austausch, ist immer ein Ort des Treffens.
Eine gute Architektur ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlt und nicht ein Ort,
an dem eine Macht demonstriert wird.
Diese Haltung zeigt sich im Großen und im Kleinen, vielleicht sogar am stärksten im Kleinen.
Roman erzählt von Details, für die er gekämpft hat. Von Attiken,
die von außen nicht sichtbar sein sollten.
Von Fensterlaibungen, die das Licht anders in den Raum führen.
Von Travertinsteinen, deren Farbton nicht stimmte und die wieder entfernt wurden.
Von Messing, das an Gründerzeit und Portale erinnert.
Von einem Gebäude, das von allen Seiten schön sein sollte. Auch dort,
wo die Arbeit stattfindet.
Und dann erzählt er von einer Treppe. Wir haben eine Treppe.
Diese Treppe ist frei, hängend. Die hat keine Säule.
Hätte ich diese Säule eingebaut, die die Treppe absichert, hätte ich 150.000
Euro gespart im Bauprozess. Ja, die hätte ich gerne gespart.
Aber wissen Sie, ich bin dann durch den Baukörper durch, im Gedanken und im Rendering.
Dann habe ich gesehen, das kann nicht sein. Weil da wird der Gast stehen.
Der will dann diesen Keller sich anschauen. Der will das leben und sehen.
Da darf keine Säule hin. Dann habe ich gesagt, entschuldigt Männer,
da darf keine Säule sein. Da sagt er nicht mehr, Herr Niewodniczanski,
es tut uns sehr leid, dann können wir nicht mit Fertigbetonelementen bauen,
dann müssen wir mit Ortbeton, weil dann müsste die nämlich eingehängt werden.
Eine Treppe, die nicht über eine Säule verfügt, muss gehängt werden wie ein
kleines Stück, das muss in einen Rahmen reingehängt werden.
Und dann sage ich, ja, ich kann es nicht ändern. Er sagt, das kostet 150.000 Euro mehr.
Ich kann es nicht ändern, es muss so gebaut, es muss passen, es muss schön sein.
Wir müssen in anderen Bereichen sparen, aber in dem Bereich dürfen wir nicht
sparen, weil es würde das Erlebnis des Raumes zerstören.
Solche Details erzählen viel über ein Bauwerk. Nicht jede Entscheidung muss perfekt sein.
Auch Roman sagt offen, dass er heute manche Flächen größer planen würde.
Küchen, Sanitärräume, Kellerräume, Besucherbereiche.
Der Erfolg hat das Gebäude schneller gefüllt als gedacht. Doch der Anspruch bleibt spürbar.
Ein Bauwerk soll lange tragen. Es soll altern können. Es soll Menschen aufnehmen.
Es soll im Alltag bestehen.
Nachhaltigkeit ist dann mehr als Technik Natürlich geht es bei Van Volxem auch
um Energie um unterirdische Produktionsflächen, um Photovoltaik,
um ressourcenschonende Abläufe,
Aber in Romans Erzählung klingt noch etwas anderes mit Nachhaltig ist auch,
was geliebt wird was gepflegt wird was nicht nach wenigen Jahrzehnten ersetzt werden soll,
Architektur, die ernst genommen wird, erzeugt Verantwortung für Material,
Arbeit, Landschaft und Menschen.
Und vielleicht ist das der Grund, warum Van Volxem so stark wirkt,
weil dieser Ort aus vielen Schichten besteht.
Aus der Geschichte des Saarweins, aus der Topografie des Schlossbergs,
aus hellem Stein, aus logistischen Abläufen, aus Blicken, Wegen und Details.
Aus dem Wunsch, einen schönen Arbeitsort zu schaffen und aus einer fast altmodischen
Überzeugung, dass Bauen eine kulturelle Aufgabe ist.
Am Ende unseres Gesprächs sagt Roman Niewodniczanski einen Satz,
der lange bei mir geblieben ist.
Die große Kunst besteht darin, mit dem Herzen und dem Verstand zu bauen.
Viele machen es nur mit dem Herzen, andere machen es nur mit dem Verstand.
Die Kombination von beiden ist sehr wichtig.
Dieser Satz beschreibt Van Volxem sehr genau. Der Verstand steckt in den Abläufen,
der Logistik, den Ebenen, in der Energie und der Präzision.
Das Herz steckt im Stein, im Licht, im Blick über die Saar, in der Freude am
Detail, in der Idee, dass Menschen sich an einem Ort willkommen fühlen.
Es ist ein Ort, der weiterarbeitet, lange nachdem man gegangen ist.
Das war eine weitere Folge von Bauwerkstimme, dem erzählten Kurzformat von Architektourist.
Wenn Dir diese Folge gefallen hat, empfiehlt sie gern weiter oder lass eine
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Ich bin Alexandra Busch, danke Dir fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge von Architektourist.
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