#81 Der Entwurf muss halten – Architekturlehre im Maßstab 1:1 an der Hochschule Darmstadt
Gemeinsames Bauen und Design for Democracy im Rahmen der World Design Capital 2026
04.08.2026 33 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge geht es auf den Campus der Hochschule Darmstadt. Eine Woche lang geriet dort der gewohnte Hochschulbetrieb im Fachbereich Architektur bewusst aus dem Takt. Statt Vorlesungen und Entwurfsbesprechungen standen Bauen, Experimentieren und Improvisieren auf dem Programm. Anlass war die World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 mit dem Motto „Design for Democracy“. Studierende und Lehrende arbeiteten gemeinsam an Pavillons, Projektionsflächen, Materialexperimenten und räumlichen Interventionen.
Bei einem Rundgang über den Campus besuche ich unter anderem eine immersive Projektionsfläche zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, einen sechs Meter hohen Hitzeschutzpavillon, einen Workshop mit natürlichen Farbpigmenten sowie den Ressourcengarten des Campus Baulabs. Beim Bauen im Maßstab 1:1 lernen Architekturstudierende, Konstruktionen und Materialien unter realen Bedingungen zu beurteilen, auf unerwartete Probleme zu reagieren und Entscheidungen im gebauten Maßstab zu treffen. Lehrende und Studierende suchen dabei Seite an Seite nach Lösungen.
Die Folge fragt außerdem, welche Rolle solche Erfahrungen künftig in der Architekturausbildung spielen. Wenn digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz Planung und Darstellung verändern, rücken Lernmomente stärker in den Fokus, die sich kaum simulieren lassen: Material beurteilen, auf Unvorhergesehenes reagieren, Wissen teilen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Noch vor Ort: Der Hitzeschutzpavillon steht bis zum 9. August 2026 im Metzlerpark in Frankfurt und kann dort besichtigt werden.
Gesprächspartner:innen in dieser Episode:
Bastian Wibranek – Professor am Fachbereich Architektur und Innenarchitektur der h_da. Leitet das Lehrgebiet „edt - emerging design technologies“ mit Fokus auf digitale Planung, Konstruktion, Fertigung und Entwurf.
David Weifenbach – Masterstudent Architektur
Jan Kliebe – Professor am Fachbereich Architektur der h_da. Lehrt er vor allem in den Bereichen Baukonstruktion, Entwerfen und Baubetrieb.
Maya und Bengi – Bachelorstudentinnen Architektur
Ingo Haerlin – Professor im Studiengang Innenarchitektur am Fachbereich Architektur der h_da. Zuständig für u.a. die Bereiche Material, Konstruieren und Entwerfen.
Céline Grieb – Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Architektur/Innenarchitektur an der h_da und Doktorandin.
Daniela – Bachelorstudentin Architektur
Anke Mensing – Professorin im Studiengang Architektur/Innenarchitektur der h_da. Lehrt dort v.a. in den Bereichen Grundlagen, Möbel- und Elementebau sowie Entwerfen.
Links zur Folge:
Hochschule Darmstadt
Fachbereich Architektur der Hochschule Darmstadt
World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026
Design for Democracy
Die Projekte der WDC h_da HandsOn Workshopwoche
Bei einem Rundgang über den Campus besuche ich unter anderem eine immersive Projektionsfläche zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, einen sechs Meter hohen Hitzeschutzpavillon, einen Workshop mit natürlichen Farbpigmenten sowie den Ressourcengarten des Campus Baulabs. Beim Bauen im Maßstab 1:1 lernen Architekturstudierende, Konstruktionen und Materialien unter realen Bedingungen zu beurteilen, auf unerwartete Probleme zu reagieren und Entscheidungen im gebauten Maßstab zu treffen. Lehrende und Studierende suchen dabei Seite an Seite nach Lösungen.
Die Folge fragt außerdem, welche Rolle solche Erfahrungen künftig in der Architekturausbildung spielen. Wenn digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz Planung und Darstellung verändern, rücken Lernmomente stärker in den Fokus, die sich kaum simulieren lassen: Material beurteilen, auf Unvorhergesehenes reagieren, Wissen teilen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Noch vor Ort: Der Hitzeschutzpavillon steht bis zum 9. August 2026 im Metzlerpark in Frankfurt und kann dort besichtigt werden.
Gesprächspartner:innen in dieser Episode:
Bastian Wibranek – Professor am Fachbereich Architektur und Innenarchitektur der h_da. Leitet das Lehrgebiet „edt - emerging design technologies“ mit Fokus auf digitale Planung, Konstruktion, Fertigung und Entwurf.
David Weifenbach – Masterstudent Architektur
Jan Kliebe – Professor am Fachbereich Architektur der h_da. Lehrt er vor allem in den Bereichen Baukonstruktion, Entwerfen und Baubetrieb.
Maya und Bengi – Bachelorstudentinnen Architektur
Ingo Haerlin – Professor im Studiengang Innenarchitektur am Fachbereich Architektur der h_da. Zuständig für u.a. die Bereiche Material, Konstruieren und Entwerfen.
Céline Grieb – Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Architektur/Innenarchitektur an der h_da und Doktorandin.
Daniela – Bachelorstudentin Architektur
Anke Mensing – Professorin im Studiengang Architektur/Innenarchitektur der h_da. Lehrt dort v.a. in den Bereichen Grundlagen, Möbel- und Elementebau sowie Entwerfen.
Links zur Folge:
Hochschule Darmstadt
Fachbereich Architektur der Hochschule Darmstadt
World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026
Design for Democracy
Die Projekte der WDC h_da HandsOn Workshopwoche
Museum Angewandte Kunst Frankfurt
17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen
Coverbild: Hochschule Darmstadt (h_da)
17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen
Coverbild: Hochschule Darmstadt (h_da)
Der Podcast:
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.
Seid bei der nächsten Folge wieder dabei, wenn wir weitere spannende Projekte und Persönlichkeiten aus der Welt des Bauens vorstellen. Wenn Euch die Episode gefallen hat, abonniert Architektourist bei Eurem bevorzugten Podcast-Anbieter.
Ihr habt Fragen oder Vorschläge? Wir freuen uns auf Eure Nachrichten unter kontakt@architektourist.de.
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Transkript
Willkommen bei Architektourist, dem Podcast für Architektur, Bautechnik und Baukultur.
In dieser Folge nehme ich Dich mit auf den Campus der Hochschule Darmstadt.
Dort hat der Fachbereich Architektur
im Juni 2026 für eine Woche seinen gewohnten Rhythmus verlassen.
Vorlesungen und Entwurfsbesprechungen rückten in den Hintergrund.
Stattdessen wurde gebaut, experimentiert und gemeinsam nach Lösungen gesucht.
Vielen Dank.
An der Hochschule Darmstadt klingt Architektur an diesem Nachmittag anders als
sonst. Aus den Werkstätten dringt das Surren der Maschinen.
Im Atrium liegen Pappröhren, Holzbauteile und Verbindungselemente bereit.
Draußen wird geschraubt, gemessen und ausprobiert.
Zwischendurch verschwinden Studierende noch einmal Richtung Baumarkt,
weil Teile fehlen oder doch nicht so passen wie gedacht.
Einige Projekte wurden über Monate vorbereitet. Andere mussten innerhalb weniger
Stunden überarbeitet werden, weil sich Räume, Anforderungen oder Materialien verändert hatten.
Es geht um Windlasten, Transportwege, Werkplanung und ob ein Bauteil am Ende wirklich hält.
Die Projektwoche gehört zum Programm der World Design Capital Frankfurt Rhein-Main 2026.
Unter dem Leitmotiv Design for Democracy – Atmospheres for Better Life beteiligt
sich die Hochschule Darmstadt mit mehr als 40 Projekten.
Viele davon richten sich bewusst an die Öffentlichkeit. Mitdenken,
mitdiskutieren und mitbauen gehören zum Programm.
Ich kann an diesem Nachmittag natürlich nur einen kleinen Ausschnitt davon kennenlernen.
Mein Rundgang führt mich vor allem zu Projekten des Fachbereichs Architektur.
Für diese Woche wurde der normale Hochschulbetrieb bewusst aufgebrochen.
Ein erheblicher organisatorischer Aufwand, der zugleich Raum für Erfahrungen
schafft, die im eng getakteten Semester schnell zu kurz kommen.
Und genau das fällt mir auch sofort auf. Die Art, wie hier gelehrt und gelernt wird.
Die Lehrenden stehen nicht am Rand und kommentieren fertige Ergebnisse.
Sie sind mittendrin. Sie tragen Material, suchen gemeinsam nach Lösungen,
diskutieren Details und erleben dieselben kleinen Katastrophen wie ihre Studierenden.
Schrauben fehlen, Bauteile passen nicht, Ein Entwurf muss angepasst werden.
Diese Nähe zwischen Lehrenden und Studierenden begeistert mich sofort.
Architektur wird hier körperlich.
Planung trifft auf Gewicht, Widerstand und Zeitdruck.
Auch der demokratische Gedanke des WDC bekommt dabei Kontur.
Gemeinsames Bauen heißt, Wissen zu teilen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen
miteinander auszuhandeln.
Wie diese Form des Lernens konkret aussieht, zeigt sich schon an meiner ersten Station.
Das Projekt heißt 360 Global Goals und bringt Studierende und Lehrende aus Architektur,
Media und Informatik zusammen.
Jeder Fachbereich steuert einen anderen Teil bei.
Im Fachbereich Architektur entsteht die räumliche Konstruktion,
die später transportiert, aufgebaut und dauerhaft weitergenutzt werden soll.
Als ich den Arbeitsraum betrete, laufen im Hintergrund mehrere 3D-Drucker.
Auf den Tischen liegen Modelle, Holzbauteile und frisch produzierte Verbindungselemente.
Mittendrin treffe ich Bastian Wibranek, der das Architekturteam des Projekts
leitet und ich frage ihn, woran hier gerade gearbeitet wird.
Mein Name ist Bastian Wibranek, Professor für digitale Planung,
Konstruktion, Entwurf und Fabrikation hier am Fachbereich Architektur.
Und zwar wollen wir für das WDC, für das World Design Capital im Museum für
Angewandte Kunst eine immersive Projektionsfläche erstellen.
Da sollen Filme, die am Media Campus entstanden sind, 360 Grad Filme,
wo man in der Projektion im Grunde drin steht, Die sollen da gezeigt werden
und dafür bauen wir gerade die großen Projektionsflächen.
Und das sind Filme, die sich mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten
Nationen beschäftigen. Und damit ja auch, also Demokratie können wir nur haben,
wenn wir einen nachhaltigen Planeten haben.
Und da ist eben gerade die Schnittmenge zum WDC im Grunde.
Ich glaube Ende 2024 gab es erste Ideen, dass wir was zu den Nachhaltigkeitszielen
machen wollten und dass wir auch zum WDC damit gehen wollten.
Damals war das noch ein großer Pavillon, der irgendwie ein Dach gebraucht hätte
und irgendwie draußen stehen sollte.
Wir haben es dann immer wieder in Stehgreifen oder Projekten bearbeitet.
Und irgendwie hat sich dann, also gerade Thema Nachhaltigkeit,
da hat man sich immer mehr die Frage gestellt, warum wollen wir da überhaupt
ein Pavillon bauen oder irgendwas, der dann.
Selbst wenn er dann irgendwie zwei, drei Jahre irgendwo steht,
irgendwie war es uns nicht nachhaltig genug.
Es war immer schon geplant, so einen 360-Grad-Projektionsraum zu erstellen.
Und dann haben wir eben Kontakt zum Professor Georg Struck am Campus Media.
Der ist da für immersive Storytelling-Professor und zu denen haben wir Kontakt
gesucht, damit die eben die Inhalte für diesen Raum schaffen,
und dabei kam heraus, dass die im Moment einen wenig optimalen Projektionsraum
da haben und sich sehr darüber freuen würden, wenn sie...
Dauerhaft eben große Projektionsflächen hätten. Und da haben wir gesagt,
dann brauchen wir halt keinen Raum mehr, sondern eher diese Projektionsflächen.
Spart mal ein bisschen Material, ist deutlich weniger aufwendig,
als wenn man ein Dach irgendwo draufbauen muss. Und dann kommt es eher Innenräume rein.
Das heißt, im Moment ist es so konzipiert, dass wir das einmal im Museum für
Angewandte Kunst in Frankfurt aufbauen. Am 26. August, 17 Uhr ist dann die Weltpremiere
im Grunde für diese 360-Grad-Film.
Die die Studierenden auch schon jetzt im zweiten Jahr produzieren.
Und wenn dann der Event im Museum für angewandte Kunst vorbei ist,
dann gehen die Projektionsflächen eben an den Campus Media und werden dann da
hoffentlich ein langes Leben haben.
Rund zehn Architekturstudierende arbeiten in dieser Woche an den verschiedenen Konstruktionen.
Sie bauen Prototypen aus Holz und Pappröhren, testen 3D-gedruckte Steckverbindungen
und prüfen, wie sich die großen Flächen später transportieren,
aufstellen und weiterverwenden lassen.
Mich interessiert, wie aus der Idee unter diesen Bedingungen tatsächlich eine
baubare Konstruktion wird.
Deshalb spreche ich David an, einen der Studenten, der gerade mitten im Aufbau steckt.
David Weifenbach und wir haben die technische Zeichnung dafür gemacht,
also den Entwurf, um zu gucken, was wir alles brauchen, die Einkaufsliste und
sind jetzt hier seit drei Tagen am Zusammenbauen.
Und du studierst Architektur? Genau, zweites Semester Master.
Da sieht man auch das Modell, das war der ursprüngliche Entwurf.
Das war ein ganzer Pavillon, der draußen stehen sollte.
Jetzt haben wir aber einen kleinen Raum im Museum für angewandte Kunst bekommen.
Da hat das Ganze dann nicht mehr reingepasst. Deswegen mussten wir uns dann
Montagnachmittag spontan nochmal neue Entwürfe einfallen lassen.
Das hat aber, glaube ich, ganz gut geklappt bisher.
Von den suchenden 3D-Druckern im Hauptgebäude gehe ich hinaus auf den Campus.
Dort hat sich zwischen den Gebäuden eine Freiluftwerkstatt ausgebreitet.
Holzbauteile liegen auf dem Boden, Rohre warten auf ihre Montage,
überall wird gemessen, geschraubt und nachjustiert.
Hier entsteht der Hitzeschutzpavillon.
Das interdisziplinäre Projekt aus Architektur- und Bauingenieurwesen reagiert
auf die zunehmende sommerliche Hitze in unseren Städten.
Geplant ist ein öffentlich zugänglicher Ort, der Schatten und Abkühlung bietet,
und Klimaanpassung unmittelbar erlebbar macht.
Ein feiner Wassernebel soll später für kühlere Luft und eine besondere Atmosphäre sorgen.
Als ich vorbeikomme, steckt das Team gerade in der Umsetzung.
Dort treffe ich Jan Kliebe, der das Projekt gemeinsam mit Matthias Mayer betreut
und vor allem die bauliche Realisierung begleitet.
Mein Name ist Jan Kliebe und ich bin im Fachbereich Architektur für Baukonstruktion
und Baubetrieb. und entwerfen.
Von einem Jahr etwa gab es einen Stegreifentwurf für ein Hitzeschutzpavillon.
Und da haben einige Studierende eben Entwürfe eingereicht.
Und dann gab es eine interne Jury-Sitzung mit dem Kollegen Professor Mayer,
der das alles initiiert hat von einem Jahr bereits.
Und dann wurde sich auf einen Entwurf festgelegt für einen solchen Hitzeschutzpavillon.
Und das ist das, was wir jetzt hier realisieren. Also das hat schon eine sehr
lange Vorlaufzeit, dieser Pavillon hier, der dann jetzt auch für die WDC-Woche
gut passt, weil wir hier mit vielen Studierenden jetzt dieses Ding eins zu eins bauen.
Wir haben die Planerinnen, die jetzt die Zahlen und Daten liefern müssen und
wir haben jetzt ganz viele, die das dann in eins zu eins umsetzen.
Noch eine Besonderheit ist bei dem Projekt, der ist sechs Meter hoch am Ende
und muss auch das natürlich dann statische Anforderungen.
Und wir haben hier den Paul, der ist von der Fakultät der Bauingenieure und
der macht seine Masterthesis und hat das Ganze berechnet, dass das auch hält.
Wind und Druck und Sog aushält. Darum wurden die Schrauben bemessen, die Tragglieder.
Also das ist sozusagen bestätigt, dass uns das auch nicht um die Ohren fliegt,
weil es steht natürlich auf halböffentlichem Raum hier auf dem Campusgelände,
aber es ist trotzdem natürlich, darf das niemanden erschlagen.
Und das Besondere ist, dass dieser Holzsockel dann Stahlstäbe trägt.
Stahlstäbe sind konventionelle Wasserleitungsrohre, die in zwei Meter Stücken
aneinandergesetzt werden, zu sechs Meter Stücken.
Und die sechs Meter Stücke werden jetzt in diesem Holzsockel in entsprechende,
Aufnahmeflächen eingeschraubt und stehen halt sechs Meter in die Höhe.
Und deswegen ist es wichtig, dass das eben dann nicht wackelt und umfällt, auch bei Wind.
Deswegen durften wir diese große Konstruktion nicht vollflächig mit einer Plane
umhüllen, wie es ursprünglich geplant war, sondern es ist nur ein Gerüstnetz,
was entsprechende Durchlässigkeit hat, um den Winddruck zu minimieren an der ganzen Konstruktion.
Das ist Paul, hat hier das Tragwerk eben berechnet und hat dann gesagt,
wir dürften Drittel des Pavillons umhüllen mit einer geschlossenen Plane oder irgendwas.
Aber das andere muss frei bleiben, weil sonst müssten wir zu viel Gewicht in
den Sockel reinlegen. oder wir müssten ihn sogar mit dem Erdboden verschrauben,
damit dann, klar, wie beim Surfen oder Segeln, weiß man, was so 10 Quadratmeter
Segel, was die für eine Kraft entwickeln.
Gut, und das ist jetzt alles, jetzt haben wir hier vier Tage an diesem Sockel experimentiert.
Die nächste Besonderheit ist hier, dass der mobil sein soll.
Der soll in zwei bis drei Wochen, soll der im MAK, Museum für Angewandte Kunst
in Frankfurt, im Garten aufgebaut werden.
Deswegen muss es modular sein und muss sozusagen auch auf variablen Untergründen
stehen können. Deswegen diese Gerüstfüße, Variabilität, dass man das Planum
herstellen kann, dass es auch gerade steht.
Also es sind alles solche Dinge, die im Laufe des Planungsprozesses dazukamen.
Und in vier dieser Stäbe sind Wasserdüsen eingeschraubt, die einen Nebel erzeugen.
Also sowohl in der vertikalen, als auch dann in einem Ring.
Natürlich muss das ganze Ding mit drei Druckringen befestigt werden, diese losen Stäbe.
Und der oberste Ring hat auch nochmal diesen Sprühnebel. Und dadurch entsteht dann so ein Schleier.
Also es geht um Verdunstungskälte, adiabate Kühlung, um dann da eine Erfrischung
zu ermöglichen in der Mitte des Turms oder drumrum sitzend.
Je länger ich an dieser Baustelle stehe, desto deutlicher wird,
wie viele Gewerke in diesem scheinbar leichten Pavillon zusammenkommen.
Holz, Stahl, Wassertechnik und Tragwerk.
Mehrere Gruppen arbeiten gleichzeitig an unterschiedlichen Teilen,
betreut von Lehrenden aus verschiedenen Fachgebieten.
Den größten Teil der Baustelle stemmen dabei die Studierenden selbst.
Zwei von ihnen sind Maja und Bengi.
Ich möchte gerne von Ihnen wissen, wie Sie zu dem Projekt gekommen sind und
wie es sich anfühlt, nach langer Planung nun tatsächlich daran mitzubauen.
Also ich bin Maya, ich bin im sechsten Semester für meinen Bachelor in Architektur.
Ich bin Bengi und ich bin auch im sechsten Semester Bachelor in Architektur.
Ich hatte das Projekt P4 bei Maya gewählt, weil ich das Thema allgemein interessant
fand, Weil wirklich hier im Campus hatten wir wirklich keinen Ort,
wo wir uns mal hinsetzen konnten im Sommer, wo es mal kühl war.
Und dann hat mich das richtig interessiert. Und dann dachte ich mir so,
warum nicht? Ich entwerfe auch ein Pavillon, wo sich Studenten auch mal hinsetzen
können und auskühlen können.
Und recycelbare Materialien, vor allem einfache Materialien sollten wir benutzen,
die wir auch schnell aufbauen können.
Interessante Pavillons sollten wir, also nicht einfach langweilige Pavillons.
Also wir sollten so entwerfen, dass die Studenten auch wirklich Interesse haben,
dort reinzugehen und dort zu sitzen.
So haben wir am Anfang angefangen mit den Entwürfen und dann hat sich das halt
so weiterentwickelt. Was für Materialien, wie wird das aufgebaut.
Habt ihr an einem Entwurf gearbeitet oder waren es mehrere? Jeder hat mit seinem
eigenen Entwurf gestartet und dann hat sich Richtung Ende rauskristallisiert.
Okay, welcher ist am simpelsten und am schönsten umsetzbar?
Dann habt ihr euch für den entschieden und dann wird der durchgeplant.
Also dann nochmal die Detailplanung, damit hier alles so stehen kann am Ende.
Und du bist aber jetzt dazu gekommen. Genau, ich bin jetzt dazu gekommen.
Wir hatten vor einem Jahr schon ein Projekt mit dem Herrn Mayer gemacht.
Die Ladbar, die steht jetzt in Dieburg und weil das so viel Spaß gemacht hatte,
sind wir jetzt wieder hier und helfen mit.
Darüben steht die Radbar, das ist sozusagen der erste Gänger.
Dann haben wir eine zweite Runde die Ladbar gemacht nach Dieburg.
Die hat ein Modul sozusagen mehr, eine Breite.
Und das ist jetzt Projekt 3, das ich probiere mitzurealisieren.
Wie cool und wie fühlt sich das an, wenn man dann auch sieht,
wie das entsteht? Wie sein eigenes Baby, ja. Also man arbeitet ja mit und auch
wenn es mal schief läuft, da ist so viel Schweiß und Blut mit drin.
Das ist schon wichtig, dass man da dann dahinter steht. Also ich glaube,
die Planung geht schon seit über einem Jahr.
Und seit einer Woche bauen wir das jetzt fast eine Woche.
Gestern ging es ein bisschen rückwärts, aber heute läuft alles super. Was war es denn?
Wir haben ein paar Löcher falsch gebaut, es hat viel Zeit gefressen.
Aber das haben wir wieder gut gemacht. Jetzt ist es schön, dass wir so stehen zu sehen.
Also zwei Wochen, dann soll es nach Frankfurt kommen. Dann muss es einmal komplett
wieder abgebaut werden.
Aber so wurde es geplant, dass man es abbauen kann. und egal wo man möchte, wieder aufbauen kann.
Dann hoffen wir, dass es da auch gut ankommt. Und beim Abbau seid ihr aber auch
dabei, weil ihr ja auch wisst, wie ihr es kontrolliert habt.
Am Ende ist es ja eigentlich nur noch ein Puzzeln.
Das war ja auch Sinn des Entwurfs im P4, dass wir das einfach wie möglich wieder
abbauen und aufbauen können.
Vom Hitzeschutz-Pavillon gehe ich weiter zum Campus Baulab.
Dieser Bereich ist weniger ein einzelnes Projekt als eine offene Versuchsanordnung.
Pavillon, Werkstatt, Forum, Ressourcengarten und Materialexperimente greifen ineinander.
Hier werden Materialien getestet,
Bauteile entwickelt, Ideen diskutiert und direkt vor Ort erprobt.
Im sogenannten Ressourcengarten des Baulabs stoße ich auf farbige Holztafeln,
Materialproben und frisch angelegte Beete.
Das Projekt trägt den Titel »Demokratie ist bunt« und beschäftigt sich mit der
Frage, wie natürliche Farbstoffe für architektonische Oberflächen genutzt werden können.
Dort treffe ich Prof. Ingo Haerlin.
Ingo Haerlin ist mein Name. Ich bin hier am Fachbereich Architekturstudiengang Innenarchitektur.
Also ich habe jetzt drei Tage einen Workshop betreut, natürlich mit einem plakativen
Titel, weil man versucht natürlich auch Teilnehmer, Teilnehmerinnen zu gewinnen.
Demokratie ist bunt, hatten wir es genannt und wir haben mit Farbpigmenten aus
natürlichen Rohstoffen gearbeitet.
Der Gedanke ist eigentlich hier, das ist unser Ressourcengarten,
den wir jetzt die letzten Tage angelegt haben. Also hier im Ressourcengarten.
Es sind unterschiedliche Pflanzen, also ein bisschen thematisch geordnet.
Also das eine ist, dass wir hier ein Färberbeet haben.
Also das sind wirklich Pflanzen, wo entweder über die Blüten,
die Blätter oder eben auch über die Stauden und Gehölze eben Farbpigmente gewonnen werden können.
Und das, was wir Montag, Dienstag gearbeitet hatten, ist, was färbt,
war so die erste Aufgabe.
Und wir hatten wirklich einfach auch Lust, mit den Teilnehmerinnen zu experimentieren.
Also es war erstmal die Aufgabe, wie kann man überhaupt eine Holzlasur Farbe
bringen. Wir hatten jetzt einfach gesagt, für uns, für die Architektur,
Innenarchitektur sind Lasuren und Putze einfach naheliegender.
Deswegen haben wir mit der Holzlasur angefangen. Also ich komme aus dem Holzbereich,
deswegen war erstmal so das Holzthema mir am naheliegendsten.
Und dann haben wir geschaut, der eigentliche Gedanke war, dass wir hier Dinge ernten können.
Soweit sind wir natürlich noch nicht. Also da waren die Anpflanzungen einfach
jetzt zu spät. Aber das Schöne war, dass parallel von den Teilnehmerinnen die
Pflanzen eingepflanzt wurden und mit diesem Pigment gearbeitet.
Ziel war eigentlich, einen kompletten Farbkreis zu schaffen,
weil es ging wirklich um eine Vielfalt. Da haben wir dann mit der Beschäftigung,
mit der Thematik festgestellt, dass jetzt nicht alles über Pflanzen möglich
ist. Also was jetzt gerade die Blautöne angeht, wird es dann so ein bisschen schwieriger.
Da ist dann teilweise mit Erden und auch mit metallischen Pigmenten gearbeitet
worden. Aber es sind alles eben natürliche Pigmente, mit denen wir da gearbeitet
haben. Und dann haben wir so ein bisschen überlegt, was ist eine Lasure.
Eine Lasure ist natürlich auch ein Oberflächenschutz für ein Holz.
Da haben wir mit Leinölen experimentiert, das zeige ich gleich oben noch in
der Materialbib. Da stehen quasi noch die Behälter und auch die Materialien,
mit denen wir gearbeitet haben. Dann können wir gerne hoch in die Materialbib
gehen, dann zeige ich, was wir gestern gemacht haben.
Während wir vom Ressourcengarten zurück ins Gebäude gehen, erzählt mir Ingo
Haerlin, warum ihn solche Experimente überhaupt interessieren.
Er ist Schreiner und Innenarchitekt und beschäftigt sich seit Jahren mit der
Frage, wie Materialien in der Lehre wirklich verständlich werden.
Für ihn reicht es nicht, Oberflächen auf Bildern oder Präsentationsfolien zu zeigen.
Materialien müssen angefasst, ausprobiert und im Wortsinn begriffen werden.
Dafür hat er am Fachbereich eine eigene Materialbibliothek aufgebaut.
Dort geht unser Gespräch weiter.
Also das hier ist quasi mein Reich.
Das, was wir jetzt hier auf dem Tisch liegen haben, ist das,
was eben entstanden ist.
Also es haben quasi alle diese Stäbchen gehabt. Es gab Pigmente,
es gab Pflanzen, es gab eben Erden, metallische, also diese Spinell-Pigmente.
Und dann haben wir eigentlich alles auf Leinöl-Basis, als Lasuren-Basisstoff.
Und es hätte auch die Möglichkeit geben, hier nochmal über unterschiedliche,
also das ist hier ein Shellac, mit dem man hätte auch nochmal experimentieren können.
So weit sind wir dann gar nicht gekommen, weil die Zeit dann unheimlich schnell
rumgeht. Aber da sind Mischverhältnisse dann beschrieben und wir haben uns dann
auf 16 Farben geeinigt, die wir dann quasi auf diese Stäbe aufbringen.
Und das ist das, was quasi mit diesen Holzlasuren entstanden ist.
Und das zweite Thema gestern war, wir haben mit einem Kalkputz gearbeitet.
Also das ist das, was man hier auf dieser Weichfaserplatte sieht.
Also hat natürlich den Vorteil, dass es farbneutral ist oder relativ hell.
Also dementsprechend hat man die Veränderung der Pigmente schnell gesehen oder
sieht sie sehr deutlich.
Jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer konnte quasi seine eigene Platte bearbeiten.
Also dass man wirklich jeder mit dem Material zu tun hat, dass es jetzt nicht
in Gruppen erarbeitet wird.
Und dann sind Dinge entstanden, also jetzt gerade hier drüben,
finde ich, gibt es schon auch so Beispiele, wo man merkt, da ist sehr,
sehr sensibel gearbeitet worden.
Also wie kann man mit einer Zahnspachtel dann eben einfach auch eine Struktur
reinbringen, wenn es eben mit einem gewissen Besenstrich oder auch das,
was natürlich Standard, Standard ist, ein gefilster Putz.
Ich glaube, das war für viele eindrücklich, weil das so, glaube ich,
jetzt selten in der Vorlesung oder in einem Entwurfsprojekt vermittelt wird.
Nach dem Besuch in der Materialbibliothek gehe ich mit Ingo Haerlin wieder hinunter ins Campus Baulab.
Das Färberbeet, mit dem sein Workshop arbeitet, ist nur ein Teil des Ressourcengartens.
Der Garten selbst ist breiter angelegt und gehört zum experimentellen Kern des Baulabs.
Hier wird untersucht, welche nachwachsenden Rohstoffe sich für Architektur,
Innenarchitektur und Gestaltung nutzen lassen.
Betreut wird das Projekt von Celine Grieb. Ich frage sie, was in diesem Garten
wächst und welche Rolle er für die Lehre spielen soll.
Ich bin die Céline Grieb am Fachbereich Architektur, wissenschaftliche Mitarbeiterin
und Doktorantin am Promotionszentrum Nachhaltigkeitswissenschaften.
Das ist das Ressourcengartenprojekt und der Ressourcengarten beinhaltet das
Färberbeet, aber eben auch noch andere Pflanzen.
Es geht darum, sich damit auseinanderzusetzen, wie wachsen natürliche Ressourcen,
die wir für Architektur, für Gestaltung einsetzen können.
Da geht es natürlich nicht nur um Farbe, sondern auch um Pflanzenfasern,
um Bioplastik, um Hölzer, aber auch um sowas wie Kräuter und Ernährung und essbare
Pflanzen. Und es gibt viele Pflanzen, die beides können oder mehrere Dinge können.
Man kann auch aus manchen aus der Wurzel Seife herstellen, mit denen man Holz seifen kann.
Oder Leinöl ist ja auch eine Pflanze, mit der man Holz pflegt und versiegelt.
Also die Idee vom Ressourcengarten ist wirklich zu zeigen, was wächst alles, was man verwenden kann.
Aber auch in der Zeit, die es wächst, ist es ein Lebensraum für Insekten,
für alle möglichen anderen Tierarten.
Wir setzen uns sowohl auch mit den Erdsubstraten auseinander und die Erde ist
natürlich auch was, was uns Pigmente liefert.
Also der Färber-Workshop, der parallel jetzt lief mit Ingo, Haerlin und Jule
Bierlein, waren nicht nur Pigmente aus Pflanzenstoffen, sondern natürlich auch
mineralische Pigmente oder metallische Pigmente.
Und so kriegen die Studierenden halt einfach ein Gefühl dafür,
wie kann man Dinge selber herstellen, einfach experimentieren.
Da wachsen dann eben die Pflanzen, mit denen man super Zuschlagstoffe für Lehmbauprojekte
machen kann, wie zum Beispiel Hanf oder andere Gräserflachs.
Und dann haben wir auch ein Modellbaubeet, zum Beispiel die fette Henne,
wo dann die Blüten so trocknen, dass die Studierenden sich die Bäume für ihre
Modelle daraus direkt pflücken können oder auch andere, die tolle Formen ergeben.
Und bis sie vertrocknet sind, sind sie halt ein super biodiverses Feld.
Und das war so ein bisschen die Idee, dass dieser Ressourcengarten.
Nicht nur dafür da ist, die Ressourcen zu ernten und dann ist wieder alles weg,
sondern es ist halt was Lebendes. Es ist in einem Prozess, man muss es pflegen,
man muss sich damit auseinandersetzen.
Ganz viele verschiedene Spezies teilen sich demokratisch diesen Raum.
Der Ressourcengarten endet nicht an der Beetkante. Er ist Teil des Campus Baulabs,
einer temporären Außenwerkstatt, in der Studierende gemeinsam bauen,
pflanzen, testen und den Campus selbst weiterentwickeln.
Dazu gehören auch kleine räumliche Eingriffe, ein Steg aus Europaletten,
Sitzmöglichkeiten, eine Pflanzen-Kläranlage und Orte zum Arbeiten oder Ausruhen.
Während ich mich umschaue, treffe ich die Studentin Daniela.
Sie hat in dieser Woche sowohl Pflanzen gesetzt, als auch an dem neuen Steg mitgearbeitet.
Ich frage sie, warum sie sich ausgerechnet für den Ressourcengarten entschieden hat.
Daniela, wenn nicht. Ich bin jetzt im vierten Semester. Genau,
vierten Semester von Architektur.
Ja, also ich finde es wirklich schön, weil es auch einfach mal was ganz anderes ist, finde ich.
Wir sind jetzt im Fachbereich Architektur und ich weiß nicht,
da darf man vielleicht irgendwie an so Gartenarbeit gar nicht denken.
Und dann habe ich das halt, wie gesagt, gesehen mit dem Ressourcegarten und
dachte mir so, boah, was kann ich mir denn darunter vorstellen?
Und da war, wie gesagt, ganz viel in der Beschreibung mit Pigmenten,
mit verschiedenen Baustoffen und ich dachte so, wieso nicht?
Dann bin ich direkt hier angekommen und habe gesagt, hey, wir machen heute aus
dem Europaletten und den unseren Steg halt fertig oder wollen den fertig machen.
Und dann hat man geguckt, wie kann man das denn am besten umsetzen?
Was mir gut gefallen hat. Tatsächlich arbeitet mein Vater auch mit Paletten.
Da weiß ich schon ein bisschen was drüber. Das ist schon mal ein Stützpunkt für mich.
Das ist natürlich immer zum Vorteil. Ansonsten haben wir gestern noch ein paar
Pflänzchen zusätzlich eingepflanzt, zu denen die bestehen waren,
um diese Farbpalette zu erweitern.
Was ich auch super spannend finde. Die Blumen, die wir hier gerade haben,
ich weiß leider nicht, wie sie heißen, aber werden auch sehr oft getrocknet
zum Modellbau verwendet, wo auch man wieder sieht, woher kommt das denn eigentlich?
Und wozu man natürlich auch sagen muss, bei uns zum Beispiel im Format,
wenn die für viel Geld verkauft, also wenn man jetzt pro Blume rechnet,
was ich auch nachvollziehen kann.
Aber wenn man diese Ressourcen halt eben vor Ort hat und sagt,
hey, wir lassen die jetzt einfach mit Pata geliegen und dann kann man sogar
noch was Eigenes halt auf das Modell klatschen, dann finde ich das einfach richtig, richtig toll.
Und ich finde das auch super rewarding, einfach, wenn man dann sagt,
Und das habe ich sogar selber angepflanzt, getrocknet und jetzt auf mein Modell
drauf gemacht. Und ich denke, das ist wirklich halt einfach,
da kann man auch stolz drauf sein.
Nach all den einzelnen Stationen möchte ich zum Schluss noch einmal einen Schritt zurücktreten.
Wie kam es überhaupt dazu, dass der Fachbereich seinen üblichen Takt für eine
ganze Woche verlässt und so viele Projekte gleichzeitig in die Umsetzung bringt?
Einer der treibenden Kräfte dahinter ist Anke Mensing.
Sie ist Professorin für Architektur an der Hochschule Darmstadt und hat den
Fachbereich früh als aktiven Gestaltungspartner in die World Design Capital 2026 eingebunden.
Gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen hat sie Projekte angestoßen,
Verbindungen zur Stadtgesellschaft geknüpft und dafür gesorgt,
dass aus vielen einzelnen Ideen eine gemeinsame Projektwoche entstehen konnte.
Sie gilt als jemand, der gerne Bewegung in Strukturen bringt und den Austausch
über die Hochschule hinaus sucht.
Nach meinem Rundgang treffe ich Anke Mensing mitten im laufenden Betrieb.
Ich möchte von ihr wissen, warum dieser Ausnahmezustand auf dem Campus bewusst
geschaffen wurde, und was davon über diese eine Woche hinaus bleiben könnte.
Also mein Name ist Anke Mensing und ich bin vom Fachbereich Architektur hier
und bin für den Studiengang Innenarchitektur und Architektur in verschiedenen Themen tätig.
Es war eine Entscheidung, die wir schon...
Letztes Jahr gemacht haben. Also es hat schon einen großen Vorlauf gehabt,
aber das WDC hatte ja auch schon einen größeren Vorlauf.
Also da sind wir ja auch schon zwei Jahre mit involviert und wir haben mit den
Professoren aus dem Rhein-Main-Gebiet hatten wir darüber diskutiert, wie man das Thema.
Workshop-Woche machen kann, also Summer School und haben uns dann gemeinsam
irgendwie dagegen entschieden.
So habe ich das in Erinnerung.
Dass wir nicht wollen, dass so eine kleine Elitegruppe nach Hessen kommt und
ein Workshop oder eine Summer School macht.
Sondern wir haben gesagt, wenn, dann müsste es eigentlich so Summer Semester
School für alle Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet sein. Und das war irgendwie
so ein Thema und da haben wir auch darüber diskutiert.
Und dann haben wir für uns überlegt, okay, dann wollen wir unsere 1 zu 1 Projekte,
die wir eigentlich alle so vorhaben oder die schon in der Planung liegen,
würden wir gerne dann mal konzentriert in eine Woche bauen,
weil wir ja immer während dem normalen Betrieb keine Zeit dazu haben.
Und so haben wir die Open ausgesucht, die dann jetzt hier im Rhein-Main-Gebiet
ist und für uns die Woche da dann freigemacht.
Ja, und so bauen wir jetzt hier alle an verschiedene Projekte,
die teilweise fertig werden oder teilweise erst angefangen haben diese Woche,
und weiter bearbeitet werden oder teilweise experimentell untersucht werden,
ob man sie weiter bearbeiten kann.
Und so findet das hier eigentlich statt. Und wir versuchen, sowohl Studierenden, die...
Schon in die Projekte drinsteckten, haben wir drin, als auch Leute,
die gar nicht beteiligt waren, die in dieser Woche extra überall gucken können,
was machen die eigentlich so für Projekte.
Vor allem die jüngeren Studierenden, so aus dem zweiten Semester,
die haben jetzt die Möglichkeit, in viele verschiedene Formate reinzuschnuppern.
Das ist eigentlich so das Thema. Und natürlich ist es viel Vorbereitung gewesen,
um irgendwie auch Aufmerksamkeit zu
bekommen bei den Studierenden und auch hoffentlich bei Leuten von außen.
Ich denke, wir müssen jetzt erstmal das Ganze bis ein schönes Ende bringen diese Woche.
Und dann mal alle Kolleginnen und Kollegen zu hören, wie ihre Erfahrungen waren
und auch Studierenden zu hören, wie es für die so herausgekommen ist und,
auf welche Aspekte sie sich eher fokussiert haben oder ob sie wirklich das ausgenutzt
haben, dass man ungefähr jeden halben Tag etwas anderes machen kann.
Und auch die Projektbeteiligten, wie die damit zurechtgekommen sind.
Und dann denke ich, dann werden wir darüber nachdenken, wie wir so ein Format
oder wie wir mit solche Formate umgehen.
Und auch vielleicht nochmal stärker ein Lobby suchen bei der Hochschule,
was das für eine Bedeutung hat, diese 1 zu 1 Projekte zu machen.
Was bleibt von so einer Projektwoche? Natürlich die Pavillons,
die Materialproben und die gebauten Konstruktionen.
Vor allem bleiben aber die Erfahrungen auf dem Weg dorthin. Gemeinsam entscheiden, Fehler entdecken,
Lösungen verwerfen, noch einmal anfangen und erleben, dass ein gebauter Entwurf
sehr viel mehr verlangt als eine gute Idee.
Ich war vor allem von der Selbstverständlichkeit beeindruckt,
mit der Lehrende und Studierende zusammenarbeiteten, Wissen wanderte in beide Richtungen.
Niemand hatte für jede Frage sofort die perfekte Antwort.
So entstand Raum, gemeinsam nach ihr zu suchen.
Ich finde, damit bekommt auch das Leitmotiv Design for Democracy hier seine überzeugendste Form.
Demokratie zeigt sich dann, wenn Menschen einander zuhören, unterschiedliche
Kenntnisse ernst nehmen und gemeinsam etwas entwickeln, das keiner allein hätte schaffen können.
Eine solche Woche braucht allerdings Raum, im wörtlichen und im übertragenen Sinne.
Sie kostet Zeit, Geld und viel
Vorbereitung. Sie bringt den gewohnten Hochschulbetrieb durcheinander.
Aber nach diesem Nachmittag hatte ich den Eindruck, genau diese Unruhe setzt etwas in Bewegung.
Das ist gerade heute besonders wichtig.
Digitale Werkzeuge und künstliche Intelligenz verändern, wie wir recherchieren,
entwerfen und darstellen.
So wichtig werden daher Erfahrungen, die sich nicht am Bildschirm simulieren
lassen, ein Material in die Hand nehmen, im Team entscheiden,
auf eine Panne reagieren und am Ende gemeinsam dafür einstehen,
damit etwas tatsächlich funktioniert.
Darum sollten wir nicht nur fragen, was am Ende einer Projektwoche fertig geworden ist.
Die spannendere Frage lautet, wer schaut danach anders auf Architektur?
Auf dem Campus der Hochschule Darmstadt dürften das nach dieser Woche ziemlich viele sein.
Das war meine Architektourist-Folge über die WDC-Projektwoche an der Hochschule
Darmstadt im Fachbereich Architektur.
Ich danke allen Studierenden und Lehrenden, die mich auf dem Campus mitgenommen,
ihre Projekte erklärt und so offen von ihrer Arbeit erzählt haben.
Besonders danke ich Hanna Marenbach für die Einladung und die Organisation meines Rundgangs.
Weitere Informationen zur Projektwoche, zu den vorgestellten Arbeiten und zu
den Beteiligten findest Du wie immer in den Shownotes.
Wenn Dir die Folge gefallen hat, erzähle gern anderen davon und teile sie mit
Menschen, für die sie spannend sein könnte.
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Ich bin Alexandra Busch, danke,
dass Du zugehört hast und bis zur nächsten Folge von Architektourist.
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