#77 Bauwerk.Stimme – Ein Haus wie ein Waldrand
Die Geschichte einer begrünten Fassade in Karlsruhe
26.05.2026 17 min
Zusammenfassung & Show Notes
In Karlsruhe steht ein Haus, das wirkt, als hätte sich ein Stück Waldrand an die Fassade gelegt. Rund 3.000 Pflanzen wachsen hier an einer privaten Hauswand: Farne, Gräser, Kräuter, Blütenstauden, Walderdbeeren. Was von außen wie ein üppiges grünes Bild erscheint, ist in Wahrheit ein sorgfältig geplantes Zusammenspiel aus Architektur, Technik, Wasser und Pflege.
In dieser Folge von Bauwerk.Stimme erzähle ich von Volker Lücks begrüntem Wohn- und Werkstatthaus. Der Kunstschreiner hatte schon lange den Wunsch, das Grün in die Stadt zu holen. Inspiriert von den vertikalen Gärten Patrick Blancs entwickelte er seine Fassade wie einen lebendigen Waldrand: mit hellen und dunklen Blättern, hängenden Gräsern, Blüten und Pflanzen, die sich über die Jahre weiter verändern. Die Folge ergänzt meine Bau.Pause #76 zur Gebäudebegrünung um die sinnliche Seite des Themas. Es geht um einen Hof, der kühler wird, um Schwalben im Hausdurchgang, Regenwasser aus einem alten Heizöltank und automatische Bewässerung. Daraus entsteht die Geschichte eines Ortes, an dem Technik, Pflege und Begeisterung zusammenwachsen.
Weitere Links:
Bundesverband GebäudeGrün e.V.
BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres 2025
Helix Pflanzensysteme GmbH
Weltkongress Gebäudegrün 2026
Volker Lück Kunsttischlerei
Vertical Garden Patrick Blanc
Bau.Pause #76 – Gebäudebegrünung muss mehr sein als ein nettes Extra
Coverbild: KI-generiert mit ChatGPT
In dieser Folge von Bauwerk.Stimme erzähle ich von Volker Lücks begrüntem Wohn- und Werkstatthaus. Der Kunstschreiner hatte schon lange den Wunsch, das Grün in die Stadt zu holen. Inspiriert von den vertikalen Gärten Patrick Blancs entwickelte er seine Fassade wie einen lebendigen Waldrand: mit hellen und dunklen Blättern, hängenden Gräsern, Blüten und Pflanzen, die sich über die Jahre weiter verändern. Die Folge ergänzt meine Bau.Pause #76 zur Gebäudebegrünung um die sinnliche Seite des Themas. Es geht um einen Hof, der kühler wird, um Schwalben im Hausdurchgang, Regenwasser aus einem alten Heizöltank und automatische Bewässerung. Daraus entsteht die Geschichte eines Ortes, an dem Technik, Pflege und Begeisterung zusammenwachsen.
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Volker Lück Kunsttischlerei
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Bau.Pause #76 – Gebäudebegrünung muss mehr sein als ein nettes Extra
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Der Podcast:
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.
Seid bei der nächsten Folge wieder dabei, wenn wir weitere spannende Projekte und Persönlichkeiten aus der Welt des Bauens vorstellen. Wenn Euch die Episode gefallen hat, abonniert Architektourist bei Eurem bevorzugten Podcast-Anbieter.
Ihr habt Fragen oder Vorschläge? Wir freuen uns auf Eure Nachrichten unter kontakt@architektourist.de.
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Transkript
Du hörst Bauwerkstimme, ein Format von Architektourist.
Ein Haus wie ein Waldrand, die Geschichte einer begrünten Fassade in Karlsruhe.
Vor kurzem ging es in meiner Baupause um Gebäudebegrünung, um Kosten,
Pflege, Betrieb und die Frage, warum Grün am Gebäude in vielen Projekten noch
immer zu spät mitgedacht wird.
Heute schaue ich auf die andere Seite des Themas, auf das, was man spürt,
wenn eine Fassade wirklich lebt.
Wie fühlt sich ein Haus an, das mit Pflanzen verbunden ist?
Was passiert mit einem Hof, wenn eine Wand Blätter trägt, Blüten,
Kräuter, Insekten, Vögel, Walderdbeeren?
Wie verändert sich ein Ort, wenn Grün nicht bloß Kulisse bleibt,
wenn es Schatten wirft, mitwächst und dem Haus eine eigene Lebendigkeit gibt?
Für diese Frage fahre ich gedanklich nach Karlsruhe. Dort steht ein privates
Wohnhaus mit Werkstatt und Innenhof.
Kein öffentliches Vorzeigeprojekt, keine Firmenzentrale mit Nachhaltigkeitsbroschüre,
kein spektakuläres Großgebäude, ein Haus, ein Hof, eine Wand und rund 3000 Pflanzen.
Wer durch das Tor tritt, landet in einem grünen Mikrokosmos.
Die Stadt bleibt nicht verschwunden, aber sie tritt einen Schritt zurück.
Das Pflaster unter den Füßen, die Wand vor Augen, Blätter in vielen Grüntönen,
weiße, violette und rosa Blüten, Farne, Kräuter, Gräser.
Dazwischen Bewegung, Summen, Schatten, Luft, die anders riecht.
Volker Lück, Kunstschreiner und Bauherr dieses Hauses, wollte nicht einfach
eine begrünte Fassade haben.
Er wollte ein Haus, das immer grün ist. Hier beginnt unsere heutige Geschichte.
Kapitel 1 Die Lichtung in der Stadt Die Idee zu dieser Fassade beginnt nicht in Karlsruhe.
Sie beginnt in Frankfurt am Main im Palmengarten.
Volker Lück besucht dort ein Symposium und hört einen Vortrag von Patrick Blanc.
Blanc gilt als einer der bekanntesten Pioniere vertikaler Gärten.
Seine Pflanzenwände wachsen an Museen, Hotels, öffentlichen Gebäuden und Stadtfassaden.
Üppig, wild, botanisch gedacht.
Nach dem Vortrag spricht Volker Lück mit ihm, auf Französisch.
Und danach bleibt etwas hängen. Ein Herzenswunsch.
Irgendwann, denkt er, möchte ich auch so eine Fassade realisieren.
Weil es eine grandiose Idee sei, das Grün in die Stadt zu holen,
sagt er später im Gespräch mit mir.
Man könne entweder ein Haus auf einer Lichtung finden oder man müsse das Grün eben zu sich holen.
Dieser Satz könnte fast über dem ganzen Projekt stehen. Denn Lücks Fassade ist
keine glatte Wand mit ein paar Pflanzen davor.
Sie ist der Versuch, ein Stück Waldrand an ein Wohnhaus zu holen.
Er wollte keine diagonalen Streifen, keine sauber sortierte Ornamentik aus Grün,
keine Fassade, die aussieht wie ein Muster aus dem Katalog.
Stattdessen stellte er sich vor, auf einer Lichtung zu stehen.
Und auf einen Waldrand zu schauen.
Vielschichtig, unregelmäßig, mit großen und kleinen Blättern,
mit Pflanzen, die sich vordrängen, andere überlagern und je nach Jahreszeit ihr Gesicht verändern.
Das ist ein erstaunlicher Entwurfsansatz, weil er aus Beobachtung kommt.
Volker Lück ist Kunstschreiner. Er denkt mit den Händen, erkennt Oberflächen,
Maserungen, Übergänge, Präzision.
Vielleicht erklärt das auch, warum diese Fassade für ihn nie bloß Begrünung war.
Sie ist ein gestaltetes Bild, aber eines, das sich ständig verändert.
Für eine Wand entwickelt er sogar die Vorstellung eines Wasserfalls.
Hellgrünes Blattwerk umspielt dunkelgrünen Hirschzungenfarn.
Der Farn wird zum Felsen, die Pflanzen zum fließenden Grün.
So entwirft er seine Fassade zunächst selbst. Mit Literatur,
mit dem großen Buch von Patrick Blanc.
Mit Blick auf Sonne, Schatten, Jahreszeiten. Und mit einer ziemlich klaren Vorstellung
davon, welche Pflanze wohin gehört.
Er zeichnet, plant, sortiert, kombiniert.
Dann kommt Helix Pflanzensysteme ins Spiel. Ein Fachbetrieb für Fassadenbegrünung.
Jonathan Müller, Architekt und Projektleiter, erzählt mir, dass Volker Lück
mit einem Pflanzplan kam, wie ihn Kundinnen und Kunden sonst kaum mitbringen.
Einer, der sehr genau wusste, was er wollte.
Aus der persönlichen Vision wird ein bandgebundenes Pflanzsystem.
Und damit beginnt die fachliche Ebene dieser Geschichte.
Fassadenbegrünung kann sehr unterschiedlich funktionieren. Bei einer bodengebundenen
Begrünung wächst die Pflanze aus dem Boden nach oben.
Wilder Wein, Efeu, Kletterrose, Clematis.
Eine Pflanze, ein Wurzelraum, eine Kletterhilfe, Zeit.
In Karlsruhe passiert etwas anderes. Hier wachsen die Pflanzen nicht langsam
vom Boden an der Wand hoch.
Sie kommen als vorgepflanzte Module an die Fassade.
Jonathan Müller beschreibt solche Systeme wie eine vorgehängte,
hinterlüftete Fassade mit Pflanzen.
Fast wie Klinke, sagt er sinngemäß, nur eben mit Grün integriert.
Die Module sind 40 mal 60 Zentimeter groß und jeweils mit 16 Pflanzen bestückt.
Darin sitzen Arten, die sonst eher in der Horizontalen wachsen würden.
Stauden, Farne, Gräser, Kräuter. Für die Wand werden sie gewissermaßen gedreht.
Aus Beet wird Fassade.
Hinter dem grünen Bild steckt ein präziser Schichtenaufbau. Volker-Lücks-Haus ist ein Holzhaus.
Vor der tragenden Wand liegt eine hinterlüftete Ebene.
Kanthölzer schaffen Abstand, davor sitzen Platten als Trägerfläche.
Darauf wird das Begrünungssystem montiert. Die Pflanzenwurzeln in Mineralwolle,
die Feuchtigkeit speichern kann.
Zwischen den Modulen verlaufen Tropfleitungen.
Wasser und Nährstoffe gelangen dorthin, wo sonst Erde, Bodenleben und Regen übernehmen würden.
Von vorne sieht man Waldrand. Dahinter arbeitet ein System aus Abstand,
Wasserführung, Bewässerung, Steuerung, Pflege und Kontrolle.
Genau das macht dieses Projekt interessant. Es wirkt wild, wächst aber auf einer
konstruktiv geplanten Schicht vor dem Haus.
Vor der Wand denkt man daran zunächst kaum. Was man sieht, ist grün,
viel grün und die Idee eines Menschen, der sein Haus zur Stadt hin offen denkt
und sich ein Stück Natur direkt an die Wand geholt hat.
Kapitel 2 Der kleine Dschungel hinter dem Tor Man muss sich diesen Ort als Innenhof vorstellen.
Nach außen eher geschlossen, nach innen überraschend lebendig.
Die Fassade umfasst rund 50 Quadratmeter. Etwa 3000 Pflanzen wachsen dort.
Rund 50 verschiedene Arten.
Im Februar beginnen die ersten Blüten. Sibirische vergiss man nicht.
Später kommen andere dazu.
Bis in den Dezember hinein kann noch etwas blühen. Die Wand hat also keinen
festen Zustand. Sie verändert sich mit dem Jahr.
Zwischen Farne, Gräser und Blütenstauden mischen sich essbare Pflanzen.
Oregano zum Beispiel und Walderdbeeren. Sie wachsen aus der Wand heraus und
sind bei den Enkeln von Volker Lück sehr beliebt.
Das ist ein schönes Bild. Ein Kind steht im Hof und pflückt eine Erdbeere aus
der Fassade. Damit wird aus Gebäudebegrünung keine Maßnahme mehr,
kein System, kein Fachbegriff.
Sie wird Alltag, greifbar, naschbar, vielleicht sogar ein bisschen märchenhaft.
Und dann sind da die Tiere. Volker Lück erzählt von Insekten an der Fassade,
von Spinnen, Hummeln, Bienen.
Sie bleiben draußen, sagt er. Die grüne Wand ist attraktiv genug.
Dort gibt es Nahrung, Schatten, Feuchtigkeit, Schutz.
Seit die Insekten da sind, sind auch Schwalben gekommen. Sie brüten im Hausdurchgang,
ziehen dort ihre Jungen groß und jagen über den Hof.
Biodiversität klingt oft abstrakt. Hier flattert sie durch den Durchgang.
Sein Hof ist kühler geworden.
Nicht unbedingt das Haus selbst, sagt er, das sei gut gedämmt und die Fassade hinterlüftet.
Aber im Hof spürt man den Unterschied.
Kein Wunder, an heißen Sommertagen verbraucht die Pflanzenwand rund 250 Liter Wasser.
Wasser, das verdunstet, kühlt, den Ort verändert. Die Sonne trifft nicht mehr
auf eine harte, aufgeheizte Oberfläche.
Sie trifft aus Blätter, Feuchtigkeit, eine lebendige Schicht.
Das Wasser dafür kommt aus einer
Zisterne. Genauer, aus einem alten Heizöltank, den Lück umgebaut hat.
7000 Liter Regenwasser können dort gesammelt werden.
Die Regenrinnen seiner Dächer führen in diesen Tank. Von dort versorgt eine
Pumpe die Tropfleitungen an der Fassade.
Kurz hinter der Pumpe sitzt ein Dosiergerät, das flüssige Nährstoffe ins System gibt.
Ein alter Heizöltank, früher Fossilbehälter, heute Regenwasserspeicher für einen vertikalen Garten.
Auch das überschüssige Wasser braucht seinen Weg. Unten entlang der Fassade
liegt eine Entwässerungsrinne.
Das Wasser läuft nicht einfach über das Pflaster, es wird gefasst.
Volker Lück hatte sich dafür sogar Fassaden von Patrick Blanc in Paris angeschaut.
Dort floss Wasser teilweise über den Gehweg. Genau das wollte er in seinem Hof
vermeiden. So wird aus dem grünen Bild ein kleines haustechnisches Geflecht.
Dachflächen, Regenrinnen, Zisterne, Pumpe, Dosierung, Tropfleitungen, Rinne.
Nichts davon drängt sich in den Vordergrund. Aber ohne diese unsichtbare Choreografie
würde der Waldrad an der Wand schnell durstig werden.
Auf Fotos hält eine begrünte Fassade still. Bei Volker Lück bleibt sie in Bewegung.
Sie wächst, verschiebt sich, verdichtet sich. Manche Pflanzen setzen sich durch,
andere verschwinden wieder.
Geranium zum Beispiel sei sehr dominant geworden, erzählt Lück.
Das Blattwerk habe anderen Arten Licht genommen.
Darunter seien leere Stellen entstanden. Für ihn klingt das nicht nach Ärger,
eher nach genauer Beobachtung.
Im nächsten Jahr wird anders geschnitten, an anderer Stelle neu gepflanzt.
Vielleicht ziehen kleinwüchsige Himbeeren ein. Vielleicht ragen irgendwann kleine
Büsche aus der Wand heraus und geben der Fassade noch mehr räumliche Tiefe.
Man merkt, dieses Grün ist kein abgeschlossenes Bauprodukt. Es ist ein lebendiges Werkstück.
Zweimal im Jahr holt Glück sein farbbares Gerüst hervor.
Dann schiebt er es Stück für Stück an der Wand entlang, schneidet zurück,
entfernt, was zu viel wird und pflanzt nach.
Rund 100 bis 150 Pflanzen ersetzt er pro Jahr.
Das klingt nach viel, für ihn aber nicht.
Sein horizontaler Garten mache mehr Arbeit, sagt er, in der Fassade wachse kaum Unkraut.
Darin liegt ein Gedanke, der weit über dieses Haus hinausreicht.
Pflege muss keine lästige Zugabe sein.
Sie kann Beziehung bedeuten, ein wiederkehrender Blick, eine Handbewegung zur
richtigen Zeit, ein Nachjustieren, weil ein lebendiges System nie stillsteht.
Natürlich trägt Begeisterung allein keine Wand voller Pflanzen.
Hinter dem Grün arbeitet Technik, Wasserleitungen, Nährstoffversorgung,
Sensorik, Überwachung.
Wenn die Pumpe ausfällt oder die Zisterne leer läuft, bekommt der Fachbetrieb eine Warnung.
Dann wird Volker Lück informiert und kann reagieren.
Auch Brandschutz und Pflege gehören dazu. Denn abgestorbenes Pflanzenmaterial
darf an einer Fassade nicht einfach hängen bleiben.
Lebendiges Grün braucht Aufmerksamkeit, damit es lebendig bleibt.
Das macht den Reiz dieses Projekts aus. Die Technik wirkt hier nicht wie ein Fremdkörper.
Sie hält sich zurück und trägt das Bild.
Aus dem alten Heizöltank wird Regenwasser gepumpt. Feine Leitungen führen es
zu fahrenden Kräutern, Gräsern.
Lück steht mit seinem Rollgerüst vor der Wand und schneidet Efeu zurück,
während im Hintergrund ein System über den Wasserhaushalt wacht.
Handwerk, Naturbegeisterung und Technik liegen hier so dicht beieinander,
dass man sie kaum voneinander trennen möchte.
Natürlich ist diese Fassade schön,
sehr schön sogar, aber ihre Wirkung erschöpft sich nicht im Anblick.
Sie kühlt den Hof, nutzt Regenwasser, schafft Lebensraum für Insekten und Vögel
und verändert den Alltag der Menschen, die dort wohnen, arbeiten oder zu Besuch kommen.
Kundinnen und Kunden betreten die Kunsttischlerei und bleiben vor der Grünwand stehen.
Menschen fragen, ob sie sich den Hof anschauen dürfen. So wird aus einer technischen
Lösung ein Ort mit Eigenleben.
Kein städtebaulicher Masterplan, kein großes Klimaversprechen,
keine allgemeingültige Blaupause.
Nur ein Hof in Karlsruhe, der zeigt, wie stark eine einzelne Entscheidung einen Ort verwandeln kann.
Das ist eine Stärke dieses Hauses. Es will nicht beweisen, dass nun alle Fassaden
zu vertikalen Gärten werden müssen.
Dafür ist das Projekt zu persönlich, zu eigenwillig, zu eng mit Volker Lücks
Begeisterung und seinem handwerklichen Blick verbunden.
Auch technisch gehört es zur großen Lösung. Module, Bewässerung,
Nährstoffversorgung, Überwachung.
Für viele private Häuser wäre eine Kletterhilfe mit Clematis,
wildem Wein oder Kletterrose vermutlich der sinnvollere Einstieg.
Trotzdem erzählt dieses Haus etwas, das größer ist als seine eigene Fassade.
Es zeigt, was möglich wird, wenn jemand ein Gebäude nicht nur plant,
baut und nutzt, sondern mit ihm weiterlebt.
Wenn eine Wand nicht als Endpunkt gedacht wird, sondern als Anfang.
Wenn ein alter Heizöltank Regenwasser speichert, Schwalben den Durchgang besetzen
und eine Fassade jedes Jahr neue Fragen stellt. Vor meiner Baupause zur Gebäudebegrünung
hatte ich vor allem eine Frage im Kopf.
Wie kommt Gebäudegrün aus der Deko-Ecke heraus und hinein in Baupraxis,
Betrieb, Kostenplanung und Immobilienstrategie?
Dieses Haus antwortet mit einem Hof, in dem man den Nutzen nicht erklären muss.
Man kann ihn sehen, hören, riechen, manchmal sogar pflücken.
Wir brauchen beides, die nüchterne Diskussion über Kosten, Wartung,
Brandschutz, Förderung, Standards und Planung und solche Orte,
an denen spürbar wird, warum sich dieser Aufwand lohnt.
Gebäudebegrünung gewinnt an Kraft, wenn sie mit dem Haus verbunden bleibt,
mit den Menschen, die dort leben, mit dem Stadtklima, mit allem,
was wächst, kühlt, summt und Schatten wirft.
Dann bleibt eine Fassade keine bloße Grenze.
Sie wird zum Garten, zum Lebensraum, zu einem Bild, das weiterwächst.
Das war eine weitere Folge von Bauwerkstimme, dem erzählten Kurzformat von Architektourist.
Diese Folge versteht sich als Ergänzung zu meiner aktuellen Baupause Nummer
76 über Gebäudebegrünung, Klimaanpassung, Kostenfrage und Baupraxis.
Wenn Du nach dieser Folge Lust hast, noch einmal grundsätzlicher über Gebäudegrün
nachzudenken, hör dort gern mal rein.
Und wenn Dir diese Folge gefallen hat, empfiehl sie gern weiter oder lass eine
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Ich bin Alexandra Busch, danke Dir fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge von Architektourist.
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