Architektourist

Der Podcast für Architektur, Bautechnik und Baukultur - von und mit Alexandra Busch.

#75 SHIFT – Architektur im Wandel

Thomas Auer über Klima, Suffizienz und ein neues Verständnis von Nachhaltigkeit

23.04.2026 41 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge von Architektourist steht SHIFT im Mittelpunkt, eine internationale Initiative, die ein anderes Bild von Architektur sichtbar machen will. Im Gespräch mit Prof. Thomas Auer entfaltet sich eine Debatte über klimaangepasste Planung, die Rückkehr zu einfacheren Lösungen, das Lernen vom globalen Süden und einen architektonischen Zeitgeist, der längst in Bewegung ist. Projekte, Büros und Netzwerke aus verschiedenen Regionen der Welt zeigen bereits, in welche Richtung sich das Bauen entwickeln könnte. SHIFT möchte diesem Wandel Sichtbarkeit geben, Menschen und Institutionen vernetzen und neue Impulse in die Breite tragen.

Gesprächspartner in dieser Episode:
Prof. Thomas Auer – Professor für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen an der TU München, Geschäftsführer bei Transsolar und Mitinitiator von SHIFT

Links zur Folge:
SHIFT
Thomas Auer / TU München
Thomas Auer / Transsolar
DGNB
Holcim Foundation Awards

Coverbild: Uwe Kassai 


Der Podcast:
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.

Seid bei der nächsten Folge wieder dabei, wenn wir weitere spannende Projekte und Persönlichkeiten aus der Welt des Bauens vorstellen. Wenn Euch die Episode gefallen hat, abonniert Architektourist bei Eurem bevorzugten Podcast-Anbieter.

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Transkript

Willkommen bei Architektourist, dem Podcast für Architektur, Bautechnik und Baukultur. Heute geht es um Shift, eine Initiative, die an den Grundfragen unseres Bauens rührt. Wie wollen wir in Zukunft bauen? Und welches Bild von Architektur trägt noch in einer Zeit, in der sich so vieles verändern muss? Dafür war ich in Stuttgart und habe dort Professor Thomas Auer getroffen. Er ist Mitinitiator von Shift. In unserem Gespräch ging es um die Grenzen einer Architektur, die immer komplexer geworden ist. Um das Lernen vom globalen Süden, um Suffizienz, um einfache und wirksame Lösungen und um die Frage, warum ein echter Wandel im Bauen auch ein neues architektonisches Selbstverständnis braucht. Was SHIFT genau will, warum Thomas Auer von einem radikalen Wandel spricht und weshalb darin trotz aller Dringlichkeit auch ein Hoffnungsschimmer liegt, darum geht es in dieser Folge. Winnipeg, mitten in Kanada. Eine Stadt, in der der Winter mit minus 35 Grad zuschlagen kann und der Sommer trotzdem heiß wird. Ein Ort der Extreme und ein Ort, an dem das Bauen zwangsläufig zur Klimafrage wird. An der Portage Avenue steht ein Hochhaus, das genau darauf eine Antwort geben wollte. Das Manitoba Hydro Place. 22 Stockwerke, ein Solarschornstein von 115 Metern Höhe. Südlich ausgerichtete Wintergärten, eine doppelte Gebäudehülle, Geothermie, Frischluft statt hermetisch abgeschlossener Klimamaschine. Als das Gebäude 2009 eröffnet wurde, galt es als Meilenstein. Als Vorbild für energieeffizientes Bauen in einem Klima, das wenig verzeiht. Auch Thomas Auer war an diesem Projekt maßgeblich beteiligt. Als Klima- und Energieplaner bei Transsolar hat er die Entwurfslogik dieses Hauses mitentwickelt. Die Ausrichtung, die passiven Strategien, das Zusammenspiel von Form, Fassade und Technik. Und gerade deshalb ist es so spannend, dass ausgerechnet dieses Projekt für ihn auch zum Ausgangspunkt eines Umdenkens wurde. Denn die Frage, die sich ihm rund zehn Jahre nach Fertigstellung stellte, war so einfach wie unbequem. Wenn ein Gebäude als Vorbild gedacht ist, warum wird es dann nicht zum Vorbild? Warum findet es kaum Nachahmung? Vielleicht, weil die Zukunft des Bauens nicht allein in immer raffinierteren technischen Antworten liegt. Vielleicht, weil es noch etwas anderes braucht. Einfachere Lösungen, andere Maßstäbe, ein neues Bild von Architektur. Genau an dieser Stelle beginnt auch Shift. Zum Einstieg habe ich Thomas Auer deshalb auch ganz schlicht gefragt, wenn du Shift in kurzen Sätzen beschreiben würdest. Wofür steht das für dich? SHIFT steht erstmal für eine radikal andere Haltung zu nachhaltiger Architektur. Wir müssen ein neues Bild vermitteln, was nachhaltige Architektur bedeutet, was nachhaltige Architektur sein kann und dafür steht SHIFT. Thomas Auer sagt diesen Satz nicht aus theoretischer Distanz. Er gehört seit vielen Jahren zu den prägenden Stimmen für klimagerechtes und energieeffizientes Bauen in Deutschland. An der TU München lehrt er als Professor für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen. Zugleich ist der Geschäftsführer bei TransSolar in Stuttgart, einem Ingenieurbüro, das international für integrale Klima- und Energiekonzepte bekannt ist. Er hat Verfahrenstechnik in Stuttgart studiert, arbeitet seit Mitte der 90er Jahre bei Transsolar und bewegt sich seitdem genau an der Schnittstelle von Forschung, Planung und gebauter Praxis. Zu seinen Projekten gehören Bauten, die im Diskurs über nachhaltige Architektur immer wieder auftauchen, etwa das vorhin erwähnte Manitoba Hydro Place in Winnipeg, die KfW in Frankfurt oder das Lycée Charles de Gaulle in Damaskus. Thomas Auer beschäftigt sich mit der Frage, wie Gebäude, Material, Technik und Klima so zusammengedacht werden können, dass daraus robuste, wirksame und möglichst einfache Lösungen entstehen. Auch in aktuellen Debatten plädiert er immer wieder für weniger technische Überfrachtung, für realistische Energiebetrachtungen und für eine Baupraxis, die graue Energie, Klimaadaption und Nutzung stärker zusammendenkt. Ich wollte von ihm deshalb wissen, ob es für ihn einen bestimmten Moment gab, an dem klar wurde, so wie wir heute bauen, können wir eigentlich nicht weitermachen. Es gab eigentlich keinen spezifischen Moment. Es war mehr so ein Prozess. Klar, wir kommen aus dieser Ära, ich bezeichne es immer als Because We Can. Und wir haben da mitgemacht, waren auch überzeugt, dass das richtig ist, was wir tun. Also es war schon, wir waren Überzeugungstäter. Wir haben gesagt, das ist die Zukunft. Wir zeigen, wie moderne Architektur sein kann. Wie wir moderne Architektur, wie wir Glasarchitektur und die Anforderungen an Nachhaltigkeit zusammenbringen. Also es war eher so ein Fortschreiben dieser Idee der moderne Licht-Luft-Sonne, Transparenz, Offenheit, ein Fließen von innen nach außen. Das war schon dieser Gedanke, an den wir wirklich geglaubt haben. Es war mehr so ein Prozess, der nicht nur mich, also ich glaube jetzt viele, wir als Büro, aber auch ganz viele in der Branche mehr und mehr zur Erkenntnis gebracht haben. Dass wir einfach am Schluss sehr komplizierte Gebäude gebaut haben. Und was tatsächlich schon so ein Eye-Opener war für mich, ich hatte immer so eine Gruppe an Jungs, mit denen wir Bier trinken waren, wenn ich in Toronto war. Wir haben damals viel in Kanada geplant. Und mit denen haben wir dieses Manitoba Hydro Gebäude gebaut. In Winnipeg, was ja wirklich als Role Model gedacht war, auch vom Bau her. War alles transparent, alle Ergebnisse waren transparent, gibt eine Internetseite, wurde alles publiziert und es sollte exemplarisch gezeigt werden, wie kann in so einem harschen, extremen Klima, klimagerechtes Bauen aussehen. Und unsere Antwort war Glas, aber in einer ganz intelligenten Art und Weise mit Pufferzonen etc. Und dann saßen wir zehn Jahre nach Fertigstellung plus minus abends mal bei einem Bier und haben über dieses Gebäude geredet. Und das war ja wirklich modellhaft. Das war die Idee, Role Model. Nicht Leuchtturm, explizit. Und dann haben wir gesagt, niemand hat es kopiert, obwohl das Gebäude tatsächlich in Nordamerika und vor allem in Kanada als erfolgreiches, nachhaltiges Gebäude betrachtet wird. Es hat niemand kopiert. Die Welt interessiert sich nicht für das, was wir tun. Und das liegt sicherlich auch daran, dass an diesem Level an Komplexität, die wir immer irgendwie in dieser Glasarchitektur integrieren mussten, Letztendlich, weil Glasarchitektur an und für sich ist ja erstmal nicht klimagerecht. Das heißt, es braucht ein Level an smarten Engineering, um solche Gebäude dann wirklich klimagerecht zu machen. Ich musste gerade an deinen Vortrag im vergangenen Jahr bei den Betontagen in Ulm denken. Da hast du auch über Manitoba Hydro gesprochen, vor allem aber über eine ganze Generation von Gebäuden, die aus diesem Denken heraus entstanden ist. Du hast damals sehr eindrücklich beschrieben, dass man manchen dieser Häuser heute schon beim Betreten anmerkt, dass sie klimatisch nicht wirklich stimmig funktionieren. Dass also zwischen dem planerischen Anspruch und der Realität im Betrieb eine ziemlich große Lücke liegen kann. Woran machst du das konkret fest? Ja, es ist so, dass in diesem extrem kalten Klima, die haben ja eine Außentemperatur von minus 35 Grad. Und dann Bürogebäude sind wie überall auf der Welt halt Gläsern, sind vorgehängte Glasfassaden, die irgendwo an der Konstruktion verbunden sind. Und das ist eine Wärmebrücke, die lässt sich nicht vermeiden. Und dann, wenn ich so kalte Temperaturen habe, sind in der Regel die Innenräume befeuchtet. Das heißt, wir haben einen hohen Feuchteunterschied, kriegen dann an diesen konstruktiven Wärmebrücken zwangsweise Kondensat. Das passiert in diesen Gebäuden und da gibt es dann so einen leicht süßlich stechenden Geruch, wenn man in diese Gebäude reinkommt. Das heißt, man hat da überall eine Sporenbelastung und man hat sich eigentlich daran gewöhnt. Auch das haben wir bei Manitoba Hydro in den Griff gekriegt durch smartes Engineering. Also wir sind schon immer noch stolz auf das Gebäude. Es hat uns nur zum Nachdenken gebracht, dahingehend, dass wir sagen, wenn es niemand kopiert, ist es dann wirklich ein Modell. Ist es wirklich ein Ansatz oder ein Gebäude mit Modellcharakter? Wenn man sich das Thema Performance Gap anschaut und wie schwer wir uns tun, in dieser ganzen Bauindustrie Qualitätsmanagement sicherzustellen. Dann kommt man irgendwie zwangsläufig zu dem Ergebnis, die Zukunft muss einfacher sein. Du hast ja gerade sehr klar beschrieben, wie sich dieses Umdenken bei dir entwickelt hat und dass solche Zweifel auch an anderen Stellen aufgekommen sind. Aber wann wurde daraus der Impuls, noch einen Schritt weiter zu gehen und mit Shift eine eigene Initiative zu starten? Wir sind ja noch überzeugt von dem, was wir getan haben. Es ist jetzt nicht so, dass wir sagen, das waren schlechte Gebäude, Aber wir sehen halt auch in dieser ganzen Because-we-can-Mentalität. Also auch viel Quatsch, also einfach nicht nachhaltige Gebäude, die gebaut werden, die dann als nachhaltig promotet werden, also medial dann wirklich als nachhaltig diskutiert werden. Wenn wir sagen, was um Himmels Willen ist an diesem Gebäude nachhaltig. Also jetzt auch in der Übersetzung von dem, was wir in solchen Gebäuden wie Manitoba Hydro oder auch hier in Deutschland die Deutsche Post gemacht haben, blieb ja am Schluss nur die Glasfassade übrig, die dann am Schluss einlagig, einschichtig, ohne ausliegenden Sonnenschutz im Zweifelsfall und ohne offenbaren Fenster gebaut wurde für eine natürliche Lüftung. Und dann wird immer noch die Geschichte der Nachhaltigkeit erzählt. Und das hat uns irgendwie umgetrieben schon länger. Und das Nächste ist auch die ganze Frage der Suffizienz. Es ist doch nachhaltiger, wenn wir keine Untergeschosse, wenn wir keine Tiefgarage bauen, als wenn wir mit R-Beton quasi einen Recycling-Anteil in den Beton reinmischen. Aber wie macht man das denn bewertbar? Also diese ganzen Widersprüche, die es da gibt. Die hat uns irgendwie dazu motiviert zu sagen, lass uns doch mal ganz radikal, es geht gar nicht um ein Bewertungssystem, es geht nicht um ein Zertifikat, es geht einfach nur darum zu zeigen, dass es ein anderes Bild braucht für nachhaltige Architektur. An dieser Stelle musste ich mein eigenes Bild von Shift erst einmal sortieren. Denn ich hatte die Initiative am Anfang falsch verstanden. Ich dachte zunächst, aha, da haben jetzt einige im globalen Norden erkannt, dass wir mit unserer Art zu bauen an Grenzen stoßen und wollen dieses Wissen nun weitergeben. Nach dem Motto, wir haben aus unseren Fehlern gelernt und sagen dem globalen Süden jetzt besser mal, wie es richtig geht. Ein vertrautes Muster. Der Norden erklärt, der Süden hört zu. Aber genau das ist nicht der Gedanke von SHIFT. Eigentlich geht es um eine fast umgekehrte Bewegung. Um die Einsicht, dass wir im Norden sehr viel verlernt haben. Dass in vielen Regionen des globalen Südens über lange Zeit klimagerecht gebaut wurde, mit den Mitteln, die vor Ort vorhanden waren. Mit einem Feingespür für Schatten, Luft, Material, Temperatur und kulturellen Zusammenhang. Dort wurde häufig aus der Verfügbarkeit heraus geplant, aus der Nähe, aus Erfahrung, aus handwerklichem Wissen. Und genau darin steckt eine Intelligenz des Bauens, die wir über Jahrzehnte beiseite geschoben haben. Berauscht von Glas, Beton, Klimaanlagen und der Fantasie, überall auf der Welt dieselbe Architektur ausrollen zu können. Shift heißt deshalb auch Southern Heritage and Insights for Transformation, also sinngemäß Wissen, Erfahrungen und baukulturelles Erbe aus dem globalen Süden ernst nehmen, um daraus Impulse für die notwendige Transformation des Bauens zu gewinnen. Dahinter steht die Überzeugung, dass die Architektur des globalen Nordens in vieler Hinsicht an ihre Grenzen stößt. Überhitzte Städte, hoher Ressourcenverbrauch, unbezahlbarer Wohnraum, autozentrierte Stadtentwicklung. Ein oft erschreckend gleichförmiges Bild von Moderne. All das steht zur Debatte. Es geht dabei um die Frage, was passiert, wenn wir uns von der Vorstellung verabschieden, überall auf der Welt dieselben Gebäude errichten zu können. Und es geht um Suffizienz, also um die einfache und zugleich ziemlich radikale Frage, was ist wirklich nötig? Was ist schon da? Was kann ein Ort selbst? Welche Materialien, welche Bauweisen, welche kulturellen Praktiken tragen bereits Antworten in sich? Wichtig ist auch, SHIFT ist kein neues Bewertungssystem und keine Art Schwesterprojekt eines Zertifikats. Die Initiative ist eng mit der DGNB verbunden, sie wird von Christine Lemaître und Thomas Auer getragen und Anfang 2025 angestoßen. Trotzdem versteht sie sich als offene, internationale Bewegung, als Netzwerk aus Menschen, Projekten und Institutionen, die ein anderes Bild von Architektur sichtbar machen wollen. Auf der Plattform werden Projekte gezeigt, Strategien gesammelt und politische Leitlinien mitgedacht. Es geht also um gute Beispiele, um Wissen und um die Regeln, unter denen künftig geplant, finanziert und gebaut wird. Shift will kein grünes Feintuning sein. Die Initiative ruft zu einem echten Systemwechsel auf. Zu einer Architektur, die wieder mit Klima, Kultur, Ort und menschlichen Bedürfnissen verbunden ist. Das ist geerdeter, klüger und sehr viel näher an dem, was unsere Zeit wirklich verlangt. Wenn man das ernst nimmt, dann geht es bei SHIFT ja nicht nur um ein neues Verständnis und Architektur, sondern auch darum, etwas sichtbar zu machen, das vielerorts längst begonnen hat. Thomas, welche Rolle soll SHIFT dabei spielen? Also zum einen ist eine Sammlung von guten Projekten global. Aber was man dazu sagen muss, was schon auch mit Motivation war, dass wir gesehen haben, dass viele Leute so ticken im Moment. Oder inzwischen, dass viele Leute das erkannt haben. Also ich würde mal sagen, diese Because We Can und auch die Star-Architektur-Zeit ist vorbei. Es gibt einen Zeitgeist, Und den sieht man auf der ganzen Welt. Ich habe die Projekte gesehen von dem Holcim Award letztes Jahr. Da gibt es fantastische Projekte aus Afrika, fantastische Projekte aus dem Kosovo in Spanien, eine Schule aus Holz und Lehm und ohne Klimaanlage in Spanien. Sozialer Wohnungsbau mit Naturstein und Holz und Lehm. Also wirklich toll, was da passiert. Auch bei uns, IBA-Projekte in Stuttgart, nächstes Jahr gibt es fantastische Projekte. Wir müssen die irgendwie mehr highlighten. Das ist nicht, was jetzt wir nur uns irgendwie zu dem Ergebnis kam, dass wir diesen radikaleren Shift brauchen, sondern das ist ein Zeitgeist, den gibt es schon jetzt auf der ganzen Welt und wir müssen die irgendwie eine Plattform geben. Eine Plattform, und da geht es ja auch um den globalen Süden, weil wir die Sorge haben, dass der globalen Süden dieses falsche Narrativ des Nordens kopieren könnte. Und deswegen hat ja auch Shift was zu tun mit Heritage Global South, weil der globale Süden weiß ja, wie man klimagerecht baut mit Hitze. Der globale Süden hat einen viel geringeren Fußabdruck pro Person als der globale Norden. Also der globale Süden kann ja nichts lernen, nichts Gutes vom globalen Norden. Es ist ja eigentlich umgekehrt. Es geht uns darum, die Projekte zu zeigen, aber auch aufzuzeigen, diese Prinzipien, die im globalen Süden schon immer zur Anwendung kommen, wie wir von diesen lernen können. Dann zeigt ihr also nicht nur Projekte aus verschiedenen Ländern, sondern wollt auch wirklich miteinander ins Gespräch kommen. Wie muss man sich diesen Austausch denn vorstellen? Gibt es da schon Workshops, Treffen oder andere Formate? Also da gibt es jetzt kein Jour Fix, aber es gibt einen Austausch mit unterschiedlichen Ländern auf unterschiedlichen Ebenen. Es soll jetzt im Rahmen des Solar Decathlon in Indien ein Shift-Event geben, wo Shift in Indien weiter promotet wird. Wir haben auch Partner aus Indien dabei und dann arbeiten wir auch an einem universitären Netzwerk global mit Universitäten aus dem globalen Süden. Da sind wir dran, das aufzubauen. Wir haben auch da Indien dabei. Wir haben jetzt verschiedene Universitäten aus Afrika, aber aus USA oder Spanien, auch Marokko. Also da sind wir dran, dieses Netzwerk aufzubauen, sodass wir auch mit Studierenden. Also es gibt so unterschiedliche Ebenen, auf denen wir Shift denken. Das eine sind die Projekte, das andere sind dieses universitäre Netzwerk, wo wir Studierende vernetzen wollen, die dann an diesen Prinzipien arbeiten. Aber nicht nur, wie haben die Prinzipien damals Architektur verändert oder beeinflusst, sagen wir mal Windturm, sondern es geht uns auch darum, wie wirkt ein Windturm? Wie funktioniert der und ist der übersetzbar in ein verändertes Klima, das wir auch hier sehen werden? Gibt es aus deiner Sicht Architektinnen, Architekten oder Büros, bei denen dieser Shift schon spürbar ist? Also Leute, die heute bereits so bauen oder so denken, wie Du es beschrieben hast. Natürlich, also sagen wir mal, Behnisch Architekten, haascookzemmrich Architekten, aber auch Sauerbruch hutton. Also ich will jetzt gar nicht anfangen, weil ich glaube, man könnte die Liste lang machen. Also es gibt jetzt wahnsinnig gute, coole, junge Büros, die tolle Sachen machen. Kaiser Chen hier in Stuttgart auch, aber jetzt will ich nicht zu viele Stuttgarter Büros nennen. Aber was ich schon interessant finde an solchen Büros wie jetzt Behnisch oder auch Sauerbruch Hutton, Das sind ja etablierte Büros, die jetzt nicht wie jetzt alteingesessene Stararchitekten an dem Stararchitektum versuchen festzuhalten, sondern die sagen, nee, wir müssen uns nochmal neu erfinden. Ich habe von Laura Weissmüller ein wahnsinnig interessantes Interview gelesen mit David Chipperfield und auch David Chipperfield war extrem selbstkritisch. Das hat mich echt überrascht, hätte ich nicht gedacht. Und David Chipperfield hat gesagt, also jetzt nicht wörtlich, aber sinngemäß, dass es kein größeres Architekturbüro gibt, das sich nicht schon die Hände schmutzig gemacht hat. Und das geht uns ja auch so. Natürlich ist es ein täglicher Kampf, sagen wir mal. Bedürfnissen des Bauherrn, dann interessanter Architektur, aber auch diese Frage der Nachhaltigkeit und der Tatsache, dass man Büromitarbeiter hat, die jeden Monat ihren Lohn haben wollen. Also irgendwie ist man natürlich täglich in dieser Mühle drin und kann deswegen nicht von heute auf morgen kommen und sagen, ich mache jetzt nur noch radikale SHIFT-projekte. Das kann man machen, wenn man ein ganz kleines Büro hat. Und deswegen finde ich das halt so auch gut und wichtig, dass solche großen Architekturbüros sagen, nee, auch wenn nicht alles von dem, was wir tun, jetzt wirklich 100 Prozent SHIFT ist. Natürlich sind sie in dieser Mühle drin, aber hier, wir müssen uns auch neu erfinden. Das ist schon Teil der Agenda. Da bin ich schon angetan, dass es doch viele Büros gibt, die sich dessen auch bewusst sind. Du hast ja selbst gesagt, dass der Alltag in vielen Büros oft noch ganz anders aussieht. Wo, würdest du sagen, hängen wir im Moment noch besonders stark in alten Mustern fest und wo ist von einem echten Shift eigentlich noch wenig zu sehen? Ich frage auch deshalb, weil ich in Gesprächen immer wieder merke, wie sehr wir uns in unserer eigenen Blase bewegen und dabei denken, bestimmte Debatten seien längst überall angekommen, obwohl das oft gar nicht so ist. Nee, klar, natürlich. Und ich sage mal, jetzt muss ich mal ein bisschen selbstkritisch sein. Ich glaube, wir tun uns ganz leicht zu sagen, was eigentlich nicht richtig ist. Aber wenn wir gefragt werden und vor allem auch von Policymakers. Wenn wir gefragt werden, sagt uns, wie müssen wir es richtig machen, dann wird es plötzlich ganz schwer. Also die Welt ist natürlich auch nicht einfach. Und wie soll man ein Einfamilienhaus auf der grünen Wiese, das wir nicht mehr bauen sollten, aber wie wollen wir das vergleichen mit einem Mehrgeschosswohnungsbau mitten in der Stadt? Also wenn es schon losgeht mit Untergeschosse und Stellplatzschlüssel und so weiter. Also da gibt es einfach Zwänge der Realität, die man einfach auch nicht ignorieren kann. Aber gleichzeitig, klar, müssen wir uns schneller bewegen. Ich glaube, dass die Leute auch das durchaus akzeptieren. Nicht nur akzeptieren, sondern durchaus auch, Also, dass es ein hohes Maß an Akzeptanz und Befürwortung gibt für diesen Shift in Architektur. Das glaube ich schon. Dass wir aber als Branche, und da meine ich jetzt nicht spezifisch die Architekten und auch nicht spezifisch die Ingenieure und nicht spezifisch die Bauherren und auch nicht die Städte, aber in der Gemengenlage dann doch träge sind. Die Industrie müssen wir natürlich auch noch ins Boot nehmen. Sind dann doch träge und schaffen das nicht. Also es geht schon damit los. Ich schaue mir manchmal oder häufig Wettbewerbsergebnisse an und denke dann, echt? Ist das wirklich unser Ernst? Ist das jetzt das Ergebnis von diesem Wettbewerb? Aber das ist natürlich genau die Gemengenlage. Ich will gar niemanden jetzt da rausnehmen als besonders schuldigen Brandmarken. Also ich habe mit verschiedenen Städten, bin ich im Austausch, auch zu Thema Low-Tech, weil ich der Überzeugung bin, und nicht nur der Überzeugung, die Städte auch selber, sehen, dass diese ganze Hochtechnisierung ihrer Gebäude, sie zunehmend einfach stranguliert. Ja, die können das gar nicht mehr leisten. Die haben doch nicht mehr das Personal, die Hausmeister, die als Ingenieure inzwischen ausgebildet sein müssen, um eine Schule zu betreiben. Also ich meine, das ist ja einfach alles absurd. Und wie schwierig das ist, das rauszukriegen. Also wir haben gerade jetzt für eine Großstadt in Baden-Württemberg, ich will jetzt den Namen nicht nennen, versuchen wir für eine Schule eine Auslobung zu machen für einen Wettbewerb. Da kommen von den Ämtern immer wieder wie so ein Bumerang Themen rein, die einfach nur zu hohen Kosten und eine hohe Wartung und Instandhaltung im laufenden Betrieb führen. Also es geht schon mal darum, Lüftungsanlage überhaupt. Aber dann geht es auch weiter. Grüne Fassaden, PV in Fassaden, grüne Dächer in Kombination mit Holzbau, Thema Undichtigkeit und so weiter. Wieso geht man nicht vor, es muss ein Maß an Klimaadaption geben? Aber wir wissen doch, dass jeder Baum, jedes Grün, das quasi im Boden gepflanzt ist, viel wirksamer ist als alles, was wir am Gebäude machen können. Vielleicht, wenn wir genügend Grün in den öffentlichen Raum kriegen, vielleicht machen wir dann wieder ein Zimmermannsdach. Ob es jetzt ein Satteldach ist oder ein Sheddach, ist ja immer egal. Das kann dann auskragen und dann haben wir jede Menge PV-Fläche. Und haben das Thema separiert und damit viel einfacher gelöst und kriegen nicht die ganzen Undichtigkeitsprobleme, die für unseren Holzbau eine mittlere Katastrophe sind. Das heißt, du schaust eher kritisch drauf, wenn Kommunen sagen, wir wollen noch PV, noch Fassadenbegrünung und am besten alles gleichzeitig. Weil dann leicht ein Gebäude entsteht, das aus vielen gut gemeinten Einzelmaßnahmen zusammengesetzt ist, ohne dass das Ganze wirklich stimmig gedacht wird? Würdest du sagen, genau da liegt oft das Problem? Das ist alles viel zu teuer. Wir können uns das nicht mehr leisten. Und es geht auch einfacher. Wir finden einfachere Lösungen. Das kommt auch bei den Kommunen aus dieser... Klar sind sie desperat und sagen, wir müssen reagieren. Wir brauchen Klimaadaption. Und jetzt brauchen wir grüne Fassaden und alles. Grüne Dächer, Biodiversität. Ja, das brauchen wir. Das brauchen wir alles. Aber ich bezweifle, ob es die beste Lösung... und dann noch alles im Holzbau natürlich, ob es die beste Lösung ist, alles am Gebäude zu lösen. Lass uns mal das Gebäude wieder Gebäude sein. Also ich glaube, die primären Probleme, Klimaadaption, Biodiversität und so weiter, unserer Städte, müssen wir und können wir nur in dem Bereich lösen, was nicht Gebäude ist. Was nicht bebaut ist. Und das ist der Straßenraum, das sind die öffentlichen Räume. Da müssen wir Räume schaffen, auch für Abkühlung, für Menschen im Freien, nicht auf dem Dach oder sonst wo. Also letztendlich ist dann eine Konkurrenz, Flächenkonkurrenz mit dem Verkehrsraum. Und die Städte machen es sich vielleicht auch einfach, weil sie sich diesem Konflikt scheuen, wobei ich auch dazu sagen muss, dass auch an der Stelle viel passiert, aber den Konflikt steuern und das kompensieren wollen mit Maßnahmen am Gebäude, die aber viel weniger Wirkung haben und unangemessen teuer sind oft. Du hast ja gesagt, dass ihr Projekte auswählt. Woran macht ihr fest, ob etwas wirklich ein Shift-Projekt ist? Geht es dabei eher um Materialien und Bauweise oder genauso um architektonische Qualität, den Bezug zum Ort und die grundsätzliche Idee dahinter? Also wir haben tatsächlich einen Satz an Kriterien, den wir da heranziehen. Den haben wir jetzt nicht mehr alle auswendig im Kopf. Aber es geht schon, natürlich geht es um Materialwahl. Aber ich glaube, eins der wichtigsten Kriterien. Und nochmal, da gibt es keine Zahlen, die wir da hinstellen. Wie soll man auch einen Wohnungsbau in Mexiko oder Nicaragua vergleichen mit einem Bürogebäude in Deutschland oder sowas? Also da geht es halt um absolute Zahlen. Aber es geht schon damit los, das erste und wichtigste Kriterium, gibt es denn einen wirklichen Bedarf? Bei uns ist es so, dass wir auch Shoppingmalls als nachhaltig bezeichnen. Wenn wir unter den Kriterien, die wir als nachhaltige ansetzen, können wir natürlich jede Gebäudetypologie nachhaltig bauen. Nachhaltig heißt ja für uns nur in Anführungsstriche, wir machen es besser als das, was der Gesetzgeber fordert. Das trifft auf jede Gebäudetypologie zu. Und so ein System wie das DGNB-System kann ja auch nicht wie ein Diktator sagen, diese Gebäudetypologie werden wir nicht zertifizieren. Weil selbst ein Shopping kann ja an der einen Stelle vielleicht mal Sinn machen. Mir fällt zwar spontan keine ein, aber theoretisch sehr denkbar. Ansonsten ist es natürlich eine Typologie, die sehr spekulativ getrieben ist und sehr über kurze Zeiträume gedacht wird. Eine Shopping Mall muss sich refinanzieren in zehn Jahren. Das ist das Business-Modell für eine Shopping Mall. Und wir glauben halt schon, dass wirklich nachhaltige Architektur sehr viel länger, über sehr viel längere Lebenszyklen gedacht sein muss. Jetzt so eine Shoppingmall steht dann nach 15 Jahren vielleicht 20 Jahre halb leer. Dann muss die Stadt damit umgehen. Es ist ja immer noch ein massiver Baukörper in der Stadt. Von dem her glauben wir halt, dass wir solche SHIFT-projekte sehr viel länger denken müssen. Sprich, es muss einen wahren Bedarf geben. Also auch dieses ganze Thema der Suffizienz, was ich vorher schon gesagt habe, es ist nachhaltiger, einen Keller nicht zu bauen, als einen Keller mit Erdbeton zu bauen. Aber wie wollen wir nicht bauen, bewerten? Wenn wir es jetzt wirklich so in DGNB-Systemen denken, kann man ja keine Punkte geben für etwas, was nicht gebaut ist. Dann fangen wir an mit Referenzgebäude und dann kann man jede Geschichte erzählen, was die Referenz sein musste. Also sprich, man bewertet das, was gebaut ist und deswegen tut man sich so schwer in diesem Gedanken, in diesem Systemgedanken der Übererfüllung, Suffizienz ist ja im Prinzip eine Untererfüllung, Untererfüllung bewertbar zu machen. Aber bei uns ist es ja alles qualitativ, können wir natürlich beurteilen, es gibt Ambassadors von diesem globalen Shift-Netzwerk und die Ambassadors diskutieren dann ein Projekt, so wie es auch eine Jury macht im Architekturwettbewerb. Die diskutieren ein Projekt anhand der Kriterien, anhand der Kriterien, die wir aufgestellt haben. Wir haben ja die Five Failures of Modern Architecture definiert und dann auch die Five Measures of Success. Und anhand derer diskutieren wir die Projekte durch und entscheiden dann demokratisch mit den Ambassadors, ob das ein SHIFT-projekt sein kann oder sein sollte. Christine Lemaitre und du, ihr seid ja die beiden, von denen dieser Impuls für SHIFT ganz wesentlich ausgegangen ist. Was schätzt du denn an eurer Zusammenarbeit? Und wo merkt man vielleicht auch, dass ihr unterschiedliche Perspektiven einbringt, die für die Initiative aber gerade wichtig sind? Also erstmal, glaube ich, haben wir dann schon denselben Mindset, wie man heute neudeutsch so schön sagt, die jungen Leute. Also die Diskussion mit Christine gibt es schon länger. Christine hat schon vor ein paar Jahren mal so eine Initiative gestartet und jetzt hatten wir ja letztes Jahr diese Installation bei der Biennale. Wo Transsolar und Lehrstuhl eingeladen waren, eine Installation zu machen zum Thema Klimawandel in der Eingangshalle der Arsenale. Erste Halle der Arsenale, was eine große Ehre ist, aber natürlich auch eine riesen Herausforderung. Wir haben dann gesagt, wir machen das nur, wenn wir mit dieser Installation auch eine Message transportieren können. Unsere Message war dann das Thema Klimatisierung. Klimatisierung als ein globales Problem. Ich brauche jetzt nicht in die Zahlen gehen, aber es gibt zahlreiche Studien der Internationalen Energieagentur, die zeigen, wie Klimatisierung einfach zunehmend zum Problem wird und das globale Klima belastet, aber auch das Mikroklima belastet. Und das wollten wir oder haben wir in dieser Installation nochmal erfahrbar gemacht. Die GmbH hat uns damals unterstützt bei dieser Installation. Und aus diesem Projekt der Biennale-Installation ist dann auch dieses Shift herausgekommen, was aber eine Fortsetzung war von Diskussionen, die wir seit zahlreichen Jahren haben. Aber dann haben wir es geschafft, es so weit zu synthetisieren, dass wir es auf den Punkt gebracht haben. Dann gab es einen Auftakt-Workshop in Paris, weil zufällig viele Protagonisten, jetzt Ambassadors in Paris waren für ein Event, gesagt, lass uns das nutzen. Und dann ist die Biennale natürlich selber auch immer ein guter Anlass, sich in Venedig zu treffen. Und dann gab es diesen Workshop, diesen Shift-Workshop im Juni letzten Jahres in Venedig, was dann quasi der Launch war von unserer Internetseite und so weiter. Also so kommt immer Schritt für Schritt was dazu und so hat sich das dann etabliert. Aber ich glaube, der Nukleus war schon nochmal die Biennale, wo wir dann die Diskussion, die wir seit Jahren haben und wo es auch verschiedene Ansätze und Initiativen dazu gab, die nochmal zu synthetisieren und dann viel mehr Leute mit ins Boot zu nehmen und das Ganze dann zu Boden zu bringen. Bevor ich zu meiner Schlussfrage komme, noch eine Zwischenfrage. Shift ist bisher ja vor allem in einem Umfeld sichtbar, in dem viele Architektinnen, Planer und vielleicht auch Hersteller unterwegs sind. Könntest du dir vorstellen, mit der Initiative ganz bewusst auch in Formate wie die MIPIM oder die Expo Real zu gehen? Also stärker in Richtung Immobilienwirtschaft? Oder ist das noch einmal ein ganz anderer Kosmos? Du hast vorher noch gefragt, was mich und Christine unterscheidet. Und da ist natürlich so, dass ich komme aus dieser Planungswelt und aus der, Wissenschaftswelt, Christine mit der DGNB natürlich aus der systemischen Welt und Christine denkt da sehr viel systemischer und ich also ganz unter uns, was natürlich ein schwieriger Satz ist in einem Podcast, aber ich hasse es, so auf eine MIPIM zu gehen oder eine Expo Real, aber Christine war ja jetzt gerade auf der MIPIM und hat gesagt, natürlich müssen wir nächstes Jahr auf der MIPIM sein. Da sage ich, also gut, wenn wir das SHIFT voranbringen, dann gehe ich auf die MIPIM. Also, ich bin da offen und natürlich hat sie recht, wir müssen das, das sind die Protagonisten, die wir erreichen müssen am Schluss. Aber was mir nochmal wichtig ist auch, ich bin es gewohnt, mich in dieser Planerwelt zu bewegen und auch in dieser Wissenschaftswelt, aber wir müssen die Menschen erreichen. Wir müssen mal schaffen, mit so einer Initiative aus unserer Blase rauszukommen. Und ich glaube, das ist wahnsinnig schwer. Aber das muss unser Anspruch sein. Deswegen sage ich, wir müssen die Plattform in ein bis zwei Jahren so weit haben, dass wir innerhalb der Blase eine gewisse Bekanntheit haben. Aber da müssen wir uns mal überlegen, wie wir aus unserer Blase rauskommen, wie wir Menschen erreichen können, die es betrifft. Die betrifft es ja. Und wenn man die fragt, ob sie in einem Hochhaus aus Glas, Beton und Stahl wohnen wollen oder in einem Gebäude aus Lehm, Holz und Stroh gefertigt, dann bin ich nicht sicher, wie die Antwort ausfallen wird. Ja, aber wir brauchen die Stimme auch. Und deswegen, glaube ich, ist es ganz wichtig, dass wir versuchen, irgendwie versuchen müssen. Und ich weiß es nicht wie, wir haben alle bloß unser Netzwerk. Wie kommen wir aus unserem Netzwerk raus? Aber ich glaube, das muss die Anstrengung, das muss die nächste Ebene sein. Zum Abschluss würde ich gerne noch etwas von dir hören, das Hoffnung macht. Gibt es für dich im Moment Anzeichen, bei denen du sagst, doch, ich habe schon das Gefühl, dass sich etwas bewegt und dieser Shift in den Köpfen vieler Menschen längst begonnen hat? Also ich glaube, das war der Einstieg. Von dem her ist das vielleicht die ganz gute Klammer. Also erstmal bin ich super optimistisch und finde, dass wir in einer ganz super interessanten und coolen Zeit leben, Weil wir alle wissen, dass es diesen radikalen SHIFT braucht und dass sich die gebaute Umwelt verändern wird in dieser nachhaltigen Transformation. Und dass wir in einer Ära sind, wo wir diese Transformation gestalten können. Also ich glaube, dass es wenig Epochen gab, wo man so viel Gestaltungsspielraum hat wie jetzt gerade. Vielleicht dann halt damals, als die Moderne gegründet war. Aber ich glaube, das war auch so ein Zeitpunkt, wo damals sicherlich von der Avantgarde Betriebene gesagt haben, wir müssen anders bauen, das geht so nicht mehr. Aber das war ja ein extrem erfolgreiches Modell, das vielleicht mal irgendwo falsch abgebogen ist. Aber zu Anfang waren ja die Ziele und auch die Projekte, die Gebäude, die Ansätze, die waren ja ganz anders. Die waren ja wirklich auch interessant und gut. Wie gesagt, dann gab es mal eine Abbiegung. Und jetzt sind wir in einer Zeit, wo wir wieder so einen Neustart fast gar brauchen und auch haben werden. Und wie gesagt, ich sehe diesen Zeitgeist schon überall. Natürlich, klar, wenn wir jetzt in irgendwelche Business-Districts gucken, passiert immer noch dasselbe. Aber nochmal, man kann sich das anschauen auf der Holcim-Internetseite, die Projekte, die letztes Jahr juriert wurden, in Pristina, in Spanien, in Afrika, die sind fantastisch. Also es gibt, ich glaube, das ist einfach ganz viel. Ich glaube nicht, dass wir das jetzt Shift erfunden haben. Ich bin überzeugt, es gibt einen globalen neuen Zeitgeist. Was wir nur machen, ist, dass wir versuchen, diesem Zeitgeist eine Plattform zu bieten, um das ein bisschen an die Oberfläche zu bringen. Das ist alles. Die Zukunft des Bauens beginnt vielleicht gar nicht mit einem spektakulären neuen Bild. Vielleicht beginnt sie damit, dass ein altes langsam verblasst. Dass diese überhitzten Plätze verschwinden, auf denen man im Sommer keine Minute bleiben möchte. Dass Gebäude aufhören, überall auf der Welt gleich auszusehen. Ganz egal, ob sie in Frankfurt stehen, in Accra oder in Jakarta. Und dass wir uns von der Vorstellung verabschieden, Architektur könne sich vom Klima einfach abkoppeln. Und den Rest dann einer Maschine überlassen. An ihre Stelle könnte etwas anderes treten. Ein Platz spendet Schatten, weil Bäume, Wasser und Luftbewegung von Anfang an mitgedacht wurden. Gebäude antworten auf Sonne, Regen und Wind, statt sich mit immer mehr Technik gegen ihre Umgebung zu stemmen. Materialien kommen wieder stärker aus der Region. Thomas Auer hat zum Schluss unseres Gesprächs gesagt, dass wir in einer Zeit mit außergewöhnlich großem Gestaltungsspielraum leben. Dass wir gerade erleben, wie sich die gebaute Umwelt verändern wird. Und dass wir diesen Wandel mitgestalten können. Vielleicht ist das die eigentliche Hoffnung von Schrift. Nicht die Behauptung, dass ab jetzt alles anders wird. Sondern die Zuversicht, dass dieser Zeitgeist längst da ist. In Projekten, die schon gebaut sind. In Büros, Hochschulen und Netzwerken, die anders denken. In einer kleinen, wachsenden Initiative, die versucht, diesen Wandel sichtbarer zu machen und Menschen, Ideen und Erfahrungen miteinander zu verbinden. Wenn das gelingt, dann könnte unsere gebaute Umwelt in 10, 20 oder 50 Jahren sehr viel genauer sein als heute. Weniger standardisiert, weniger energiehungrig, weniger selbstbezogen und sehr viel stärker verbunden mit dem, was ein Klima, ein Ort und eine Gesellschaft tatsächlich brauchen. Das war eine weitere Folge von Architektourist, dem Podcast für Architektur, Bautechnik und Baukultur. Mehr über meinen Gesprächspartner Prof. Thomas Auer, über die Initiative Shift, über das Lernen vom globalen Süden und über die Themen dieser Episode findest Du wie immer in den Shownotes. Wenn Dir die Folge gefallen hat, dann erzähl gern anderen davon, teil sie mit Menschen, für die sie spannend sein könnte, lass eine Bewertung bei Spotify oder Apple Podcasts da und abonnier Architektourist, damit du keine neue Episode verpasst. Ich bin Alexandra Busch, danke, dass du heute zugehört hast und bis zur nächsten Folge von Architektourist.

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