Architektourist

Der Podcast für Architektur, Bautechnik und Baukultur - von und mit Alexandra Busch.

#74 Bau.Pause – KI in der Architekturkommunikation

Was klingt noch nach uns?

08.04.2026 12 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Bau.Pause nehme ich dich mit nach Bochum – gedanklich jedenfalls –, denn kurz nach der Veröffentlichung dieser Folge fahre ich zum AMM-Symposium an die Hochschule Bochum, einer Konferenz über KI, Architektur, Kommunikation und nachhaltigen Wandel. Schon am Vorabend bin ich dort Teil eines KI-Dialogs zur Architekturkommunikation. Ich erzähle in dieser Folge, warum mich gerade weniger die nächste KI-Tool-Neuheit interessiert als eine viel grundlegendere Frage: Wie bleibt Kommunikation wiedererkennbar, wenn plötzlich alle mit denselben Maschinen arbeiten?

Ausgangspunkt sind meine eigenen Beobachtungen aus einer intensiven Kurswoche zu KI im Kreativbereich. Dort wurde für mich noch einmal sehr deutlich, wie schnell KI heute Bilder, Texte, Stimmen und Präsentationen erzeugen kann und wie viel eigentliche Arbeit trotzdem erst danach beginnt: bei Auswahl, Prüfung, Überarbeitung, Zielgruppenbezug und Tonfall.

Ich spreche darüber, warum diese Fragen gerade in der Architekturkommunikation so heikel und so spannend sind, weil es hier eben nicht nur um Content geht, sondern um Materialität, Atmosphäre, Bestandskultur, konstruktive Ehrlichkeit, Fachlichkeit und die Eigenart eines Ortes und damit auch um die Frage, wie sich KI sinnvoll nutzen lässt, ohne dass am Ende alles gleich klingt.

Weitere Links:
AMM-Symposium an der Hochschule Bochum

Coverbild: KI-generiert mit ChatGPT

Der Podcast:
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.

Seid bei der nächsten Folge wieder dabei, wenn wir weitere spannende Projekte und Persönlichkeiten aus der Welt des Bauens vorstellen. Wenn Euch die Episode gefallen hat, abonniert Architektourist bei Eurem bevorzugten Podcast-Anbieter.

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Transkript

Nur mal laut gedacht. Willkommen zur Baupause, dem kurzen Gedankenstopp mit Architektourist. Ein paar Minuten Baukultur, Alltagsbeobachtungen und spontane Überlegungen irgendwo zwischen Kaffeetasse, Skizzenrolle und Türrahmen. Diese Baupause erscheint kurz bevor ich nach Bochum fahre. Einen Tag später bin ich schon auf dem Weg dorthin. An der Hochschule Bochum findet nämlich das AMM-Symposium statt, eine große KI-Konferenz rund um Architektur, Kommunikation und nachhaltigen Wandel. Schon am Vorabend sitze ich dort bei einem KI-Dialog auf dem Podium, zusammen mit Michael Schuster, dem Chefredakteur der DBZ, Patrick Friedrich von KI NRW und dem Fraunhofer-Institut, sowie Hanns-Jochen Weyland, der bei Störmer Murphy & Partners die digitale Transformation und das Thema KI verantwortet. Die Runde ist ausgebucht, der Saal wird voll sein und das Thema trifft ziemlich genau das, was mich ohnehin gerade beschäftigt. KI in der Architekturkommunikation. Also Texte, Bilder, Podcasts, Präsentationen, Werkzeuge, Workflows, kleine Erfolgsgeschichten aus dem Alltag. Vor allem aber stehen dort zwei Fragen im Raum, die über jede KI-Tool-Liste hinausgehen. Wie bleibt Kommunikation mit KI glaubwürdig und eigenständig? Und wie gelingt es damit, nicht einfach irgendwen anzusprechen, sondern die Menschen, die man wirklich erreichen will? Je näher dieser Arm drückt, desto deutlicher wird mir, mich interessiert gerade gar nicht, welches Tool am meisten kann. Mich beschäftigt was anderes. Wie bleibt Kommunikation wiedererkennbar, wenn plötzlich alle mit denselben Maschinen arbeiten? Denn das Versprechen ist natürlich verlockend. Schneller, mehr, einfacher. Ein Text in Sekunden, ein Bild in Minuten, eine Präsentation auf Knopfdruck, eine Stimme, obwohl niemand im Studio war. Ein Video, das aussieht, als hätte ein ganzes Team daran gearbeitet. Klar fasziniert das, mich doch auch. Wenn aus einer vagen Idee plötzlich eine Struktur wird, wenn aus ein paar Notizen ein erster Text entsteht, wenn ein Bildgenerator eine Stimmung sichtbar macht, die vorher nur irgendwie im Kopf herumlag, dann ist das erst einmal ein kleiner Energieschub. Und darin steckt ja tatsächlich eine Chance. KI kann Hürden senken. Sie kann den leeren Bildschirm weniger bedrohlich machen. Sie kann helfen, schneller von einer groben Idee zu einer ersten Fassung zu kommen. Sie kann Stoffmengen sortieren, Varianten anbieten, Perspektiven wechseln, Formate anstoßen. In einem Arbeitsalltag, in dem Kommunikation immer mehr Kanäle, immer mehr Tempo und oft viel zu wenig Zeit kennt, ist das alles andere als belanglos. Trotzdem habe ich in den letzten Tagen etwas sehr Klares beobachtet. Die eigentliche Arbeit beginnt oft erst danach. Ich habe vor kurzem eine intensive Kurswoche zu KI im Kreativbereich begleitet. Als Lehrende habe ich Aufgaben kommentiert, Anwendungen eingeordnet und Ergebnisse besprochen. Es ging um Bild, Audio und Video. Die Themen der Teilnehmenden waren völlig unterschiedlich. Technische Inhalte, Schulungsszenarien, Produktideen, Erklärgrafiken, kleine Filmexperimente. Und obwohl die Aufgaben so verschieden waren, tauchten immer wieder dieselben Muster auf. Fast alle waren im ersten Moment beeindruckt davon, wie schnell überhaupt etwas entsteht. Ein Bild war da, ein Video auch, ein Sprechertext ließ sich vertonen. Ein Avatar bewegte den Mund, eine Präsentation füllte sich fast wie von selbst. Dieser Moment hatte etwas Magisches. Doch direkt danach kamen die eigentlichen Fragen. Für wen ist das gedacht? Was soll hängenbleiben? Stimmt das fachlich? Klingt das noch nach mir? Oder schon nach dieser glatten, allgemeinen KI-Sprache, die überall ein bisschen geschniegelt und ein bisschen austauschbar wirkt? Da wurde es interessant, denn viele hatten mit dem Tool begonnen und erst danach mit der eigentlichen Kommunikationsaufgabe. Also erst, was kann dieses Programm? Und erst dann, wen will ich eigentlich erreichen? Welche Wirkung brauche ich? In welchem Kontext wird das später überhaupt gesehen oder gehört? Aber genau da beginnt gute Kommunikation. Bei der Absicht, beim Gegenüber, beim Kontext, beim Ton. Und noch etwas fiel mir auf. Viele Ergebnisse kippten erstaunlich schnell in eine bekannte KI-Ästhetik. Bilder wurden futuristisch, blau, glatt poliert. Menschen sahen aus, als kämen sie alle aus derselben globalen Werbebibliothek. Räume wirkten steril, Stimmen klangen korrekt, aber seltsam unberührt. Texte waren sauber gebaut und gleichzeitig oft ohne Reibung, ohne Eigenart, ohne wirkliche Handschrift. Brauchbar? Ja. Und verwechselbar? Eher nicht. Da wird es für mich in der Architekturkommunikation interessant, weil Architekturkommunikation keine neutrale Content-Produktion ist. Sie bewegt sich zwischen Fachlichkeit und Atmosphäre, zwischen Material und architektonischer Idee, zwischen Planung, Markt, Öffentlichkeit und Baukultur. Sie muss oft sehr unterschiedliche Menschen erreichen, die zwar über dasselbe Projekt sprechen, aber mit ganz anderen Fragen darauf schauen. Ein Architekturbüro will seine Haltung zeigen, ein Hersteller die Leistungsfähigkeit eines Produkts, ein Projektentwickler braucht Investitionssicherheit und ein tragfähiges Narrativ, ein Fachmedium will einordnen statt bloß bewerben und eine Wettbewerbspräsentation funktioniert anders als ein LinkedIn-Post, ein Podcast-Teaser oder eine Broschüre für Bauherrinnen und Bauherren. Deshalb reicht es in diesem Feld nicht aus, einfach schnell etwas zu erzeugen, das ordentlich aussieht. Nehmen wir ein Projekt im Bestand. Die KI kann Dir in Sekunden einen Text dazu schreiben. Doch versteht sie den Unterschied zwischen einer echten Transformation und einer bloß aufgehübschten Sanierung? Spürt sie, warum ein sichtbar belassener Träger, eine wiederverwendete Fassade oder ein roher Bestandston für die Erzählung wichtig ist? Oder produziert sie am Ende nur die bekannten Sätze über Nachhaltigkeit, Innovation und hohe Aufenthaltsqualität? Ähnlich bei Bildern. Wenn ich über zirkuläres Bauen, Umbaukultur oder serielle Sanierung spreche, brauche ich keine beliebige Zukunftsästhetik mit Glasfassaden im Abendlicht. Ich brauche Bilder, die etwas über Materialkreisläufe erzählen, über Rückbau, über den Charakter des Bestands, über gebrauchte Bauteile, über konstruktive Ehrlichkeit. Sonst sieht alles hübsch aus und trifft doch nicht den Kern. Oder nehmen wir ein Produkt aus der Fassadenwelt? Ein KI-Text kann schnell technische Vorteile zusammenfassen. Doch versteht er auch, ob hier gerade wirklich über zirkuläre Materialströme gesprochen wird? Über Sortenreine Trennbarkeit? Über EPDs? Über Rückbaubarkeit? Oder klingt alles nur so, als wäre es sauber formuliert und fachlich auf Distanz doch erstaunlich leer? Auch beim Podcast zeigt sich das. Natürlich kann KI beim Strukturieren helfen. Beim Verdichten, beim Formulieren von Zwischenüberschriften, beim Testen von Einstiegen. Sogar eine vorläufige Sprecherstimme lässt sich erzeugen. Darin liegt eine echte Stärke. Sie kann Schwellen senken und erste Zugänge eröffnen. Ob ein Gedanke trägt, ob ein Übergang weich genug ist, ob ein Satz beim Hören atmet oder stolpert, das entscheidet am Ende trotzdem keine Maschine. Dort liegt für mich der Kern. Ich erlebe KI weder als Erlösung noch als Schreckgespenst. Eher wie eine sehr schnelle Assistentin, die viel Rohmaterial auf den Tisch legen kann, Varianten, Gliederungen, Bildideen, Zusammenfassungen, erste Texte. Einen eigenen Kompass hat sie nicht. Den müssen wir mitbringen. Und darin steckt auch die gute Nachricht. Wir müssen uns diesen Werkzeugen nicht ausliefern. Wir können lernen, sie zu führen. Wir können neugierig sein, ausprobieren, Fehler machen, besser werden. Und wir können dabei unseren eigenen Weg finden, statt nur der nächsten KI-Tool-Welle hinterherzulaufen. Mich interessiert an KI jedenfalls nicht die Jagd nach dem nächsten Programm, das mein Leben noch effizienter machen soll. Mich interessiert, wie Menschen diese Werkzeuge so nutzen, dass daraus etwas Eigenes entsteht. Vor allem in Architektur und Bauwirtschaft ist das wichtig, denn hier geht es um Orte, Materialien, Konstruktionen und sehr konkrete Zielkonflikte zwischen Gestaltung, Kosten, Nachhaltigkeit, Zeitdruck und Nutzung. KI kann helfen, diese Komplexität zu sortieren. Und deshalb lohnt es sich, diese Werkzeuge zu nutzen. Nur eben mit klarem Kopf. Sobald wir ihr stillschweigend die eigentliche Autorenschaft überlassen, kippt was. Dann sieht plötzlich alles professionell aus und klingt zugleich ziemlich gleich. Für unsere Branche wäre das fatal. Weil Architektur von Unterschied lebt. Von Charakter. Von der Eigenart eines Ortes. Von der Frage, warum ein Gebäude genau so aussieht und nicht anders. Von Materialität, Maßstab, Atmosphäre. und auch davon, wie wir darüber sprechen. Darum sollten wir bei aller Begeisterung für neue Werkzeuge eines im Blick behalten. Unverwechselbarkeit entsteht nicht im Prompt. Sie entsteht später, in der Auswahl, in der Überarbeitung, im Tongefühl, in der fachlichen Prüfung, im Wissen um die Zielgruppe und im Mut, einen scheinbar guten Vorschlag wieder zu verwerfen, wenn er am Ende doch zu glatt oder zu beliebig ist. An der Stelle entscheidet sich, ob KI uns wirklich weiterhilft oder am Ende nur alles glatter macht. Mit genau dieser Frage fahre ich auch nach Bochum. Wie lässt sich KI in der Architekturkommunikation so einsetzen, dass Inhalte effizienter entstehen und trotzdem unverwechselbar bleiben? Ich habe den Eindruck, wir stehen gerade an einem Punkt, an dem die erste Euphorie auf den Alltag trifft. Auf echte Projekte, widersprüchliche Anforderungen und konkrete Verantwortung. Das Staunen war wichtig. Jetzt beginnt die Phase der Entscheidungen. Welche Werkzeuge passen wirklich? Welche Vorschläge tragen? Welche Bilder treffen den Kern? Welche Texte klingen nach uns? Jetzt geht es darum, einen eigenen Umgang zu entwickeln, einen, der Sprache ernst nimmt, Vertrauen nicht verspielt, Glaubwürdigkeit nicht glatt schleift und uns in all der algorithmischen Beschleunigung als Menschen erkennbar lässt. Danke, dass Du heute zugehört hast. Bis bald zur nächsten Baupause.

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