Architektourist

Der Podcast für Architektur, Bautechnik und Baukultur - von und mit Alexandra Busch.

#73 Vom Stoffstrom zum Netzwerk – Urban Mining und Kreislaufwirtschaft im Circle Hub Offenbach

Im Offenbacher Hafen wächst ein neuer Ort für zirkuläres Bauen

20.03.2026 23 min

Zusammenfassung & Show Notes

Im Offenbacher Hafen formiert sich mit dem Circle Hub ein Ort, an dem Urban Mining und Kreislaufwirtschaft im Bauwesen konkret werden. Unternehmen aus Bauwirtschaft, Recycling, Logistik und Planung kommen hier zusammen, um neue Wege für Materialien, Projekte und Zusammenarbeit zu entwickeln. In dieser Folge geht es um regionale Kreisläufe, politische Aufmerksamkeit, den Circle Cube als Showroom und um die Frage, warum auch Architekturbüros, Planende und Stadtplanende stärker in diese Prozesse eingebunden werden sollen.

Expert:innen in dieser Episode:
Daniel Imhäuser – Initiator des Circle Hub und Geschäftsführer von Blasius Schuster
Thomas Krüdewagen – Community Manager im Circle Hub
Berrin Ünal – Geschäftsführerin der Circle Cube GmbH

Links zur Folge:
Circle Hub / Circle Cube
Blasius Schuster
Rockywood Offenbach
Circle auf LinkedIn

Cover: Alexandra Busch

Der Podcast:
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.

Seid bei der nächsten Folge wieder dabei, wenn wir weitere spannende Projekte und Persönlichkeiten aus der Welt des Bauens vorstellen. Wenn Euch die Episode gefallen hat, abonniert Architektourist bei Eurem bevorzugten Podcast-Anbieter.

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Transkript

Willkommen bei Architektourist, dem Podcast für Architektur, Bautechnik und Baukultur. Heute geht es in den Offenbacher Hafen, in ein Holz-Hybrid-Gebäude am Wasser, auf ein ehemaliges Industrieareal, dort wo heute der Circle Hub für Urban Mining seinen Sitz hat. Hier arbeiten Unternehmen aus Bauwirtschaft, Kreislaufwirtschaft und Urban Mining gemeinsam an der Frage, wie zirkuläres Bauen in der Praxis funktionieren kann. Doch was entsteht hier eigentlich gerade? Ein neuer Ort für Zusammenarbeit? Ein Labor für zirkuläres Bauen? Oder doch ein Modell für die Bauwende? Darüber habe ich mit Daniel Imhäuser, Thomas Krüdewagen und Berrin Ünal gesprochen. Am Offenbacher Hafen ist vieles in Bewegung. Auf dem Main ziehen Schiffe vorbei, am Ufer sind Radfahrer und Spaziergänger unterwegs. Zwischen Wasserkante, Wegen und neuer Architektur verändert ein ganzes Quartier seinen Takt. Wo früher Umschlaganlagen, Tanklager und klassische Hafeninfrastruktur das Bild bestimmten, entsteht heute auf einer Konversionsfläche ein neuer urbaner Ort und vielleicht passt kaum ein Standort besser zu einem Thema, bei dem es ebenfalls um Bewegung, Übergänge und neue Verbindungen geht, um Urban Mining und zirkuläres Bauen. Denn auch hier geht es um Stoffströme, um Beton aus Rückbauten, um mineralische Baustoffe, um Erdaushub und alte Bauteile und um all das, was nicht einfach verschwindet, nur weil ein Gebäude abgetragen wurde. Urban Mining bedeutet, die gebaute Umwelt selbst als Rohstofflager zu begreifen, also neu auf das zu schauen, was längst da ist und daraus andere Wege für Planung, Logistik und Materialnutzung zu entwickeln. Mitten in diesem Wandel hat der Circle Hub im Rockywood seinen Platz gefunden, dem konkreten Arbeitsort des Netzwerks Circle. Hier kommen Unternehmen aus Bauwirtschaft, Kreislaufwirtschaft und Urban Mining zusammen, um genau daran zu arbeiten. Ich habe mich mal dort umgesehen und mit drei Menschen gesprochen, die den Circle auf unterschiedliche Weise mitgestalten. Mit Daniel Imhäuser, dem Initiator des Circle Hub, mit Thomas Krüdewagen, dem Community Manager vor Ort und mit Berrin Ünal vom Circle Cube. Ganz am Anfang wollte ich von Daniel Imhäuser erst einmal wissen, was das eigentlich für ein Ort ist, an dem der Circle entstanden ist. Ja, wir stehen hier am Geburtsort von Circle, das heißt im Hafen Offenbach und auf einer früheren Konversionsfläche. Das heißt, hier war wirklich Hafeninfrastruktur, Hafenumschlagstruktur, Behandlungsstruktur, Tanklager und so weiter. Und wir stehen hier in Rockywood, einem Holz-Hybrid-Gebäude, ganz bewusst natürlich, weil das ist die Zukunft, Hybrid nicht nur zu sein, sondern Hybrid zu denken. Das wollen wir gerade im Bereich der Kreislaufwirtschaft Bau. Und der Ort als solcher hier hat sich gefunden, weil er einfach zentral in Deutschland liegt und damit dieses Verbindenelement auch wirklich hat für die Thematik Kreislaufwirtschaft Bau in Deutschland. Unter dem Dach von Circle gibt es, ich würde sagen, drei verschiedene Säulen. Das eine ist, und da stehen wir gerade im Herzen von Circle Hub, das heißt ein Coworking-Space, wo etwa 30 Unternehmen, die alle aus dem Bereich Kreislaufwirtschaft Bau kommen, Schreibtisch an, Schreibtisch arbeiten. Säule 2 ist Circle Cube, ein anderes Gebäude auf dem gleichen Campus, wo dieses Gebäude ein Show- und Demonstrationsspace ist, wo ich erleben kann, was kann denn Recyclingwirtschaft heute schon, welche Produkte gibt es, wie funktionieren Zuschlagstoffe rezykliert und gleichzeitig ein Tagesort ist für Unternehmen, die eben das Besondere schätzen, was zeigen kann, in welche Richtung sich die Bauwirtschaft entwickelt. Und Säule 3, eine sehr wichtige, ist das Thema Akademie, Fortbildung, Wissensmanagement und Pilotprojekte. Das heißt, dass wir am konkreten Beispiel von Baustellen, am konkreten Beispiel von Normen und Verordnungen und Gesetzen an der Stelle arbeiten und erklären, was sind die Rahmenbedingungen rechtlich, gesetzlich, technisch für hochqualitatives Recycling- und Kreislaufwirtschaftsbau. Daniel Imhäuser denkt Kreislaufwirtschaft von der Materialseite her. Er ist Geschäftsführer von Blasius Schuster, einem Unternehmen, das Recyclingbaustoffe herstellt und täglich mit großen Mengen mineralischer Materialien zu tun hat. Er erlebt, welche Mengen an Beton, Bauschutt, Erdaushub oder Gleisschotter im Bauwesen anfallen und wie aufwendig es ist, daraus wieder hochwertige Sekundärbaustoffe zu machen. Dabei geht es nicht nur um Recyclingtechnik, sondern auch um Logistik, um Distanzen, um Zeitfenster und um die Frage, wo Material, in welcher Qualität überhaupt gebraucht wird. Genau daraus hat sich sein Blick auf Urban Mining entwickelt, die gebaute Umwelt als Rohstofflager mitten in der Stadt zu sehen. Schnell wird dabei klar, wie viele Akteure an solchen Stoffströmen beteiligt sind und wie komplex ihre Zusammenarbeit ist. Ich wollte von Daniel Imhäuser deshalb wissen, wie aus dieser Erfahrung der Wunsch entstand, mehr vom Kreislauf zusammenzubringen. Obwohl wir Recycling-Baustoffe herstellen, wenn wir im Kreislauf denken und sagen, der Kreislauf sind 360 Grad als Zielanspruch, dann bilden wir als Unternehmen nicht mehr die Hälfte dieser 360 Grad ab, weil wir bekommen Material, was Tiefbau, Rückbau, Straßenbau und so weiter aus Baustellen heraus abgeben. Und wir geben das ab, üblicherweise als Zuschlagstoff oder als Baustoff, aber im Regelfall nicht dann als fertiges Bauteil zum Beispiel. Und vor dem Hintergrund auf beiden Enden sozusagen innerhalb des zirkulären Bauens haben wir unglaublich viele Chancen gehabt, die nicht zu heben waren, ohne mehr Transparenz zu haben in den Markt. Ohne mehr Wettbewerb zu haben um bessere Materialien, um kürzere Transportwege. All das, was Kreislaufwirtschaft Bau wirklich dann am Schluss auch viel wirtschaftlicher macht. Und aus dieser, ich nenne es mal bewusst so, Unzulänglichkeit heraus ist die Idee entstanden, hier wirklich eine Wertschöpfungssituation für viele zu schaffen, vor allem für diejenigen, die nachhaltig bauen wollen. Damit es so einer Idee mehr wird als ein gutes Konzept, braucht es Menschen, die Verbindungen schaffen, Kontakte knüpfen und den Austausch im Alltag am Laufen halten. Genau das ist die Rolle von Thomas Krüdewagen. Er ist Community Manager im Circle Hub und so etwas wie die zentrale Schnittstelle für die inzwischen mehr als 80 Partnerunternehmen im Netzwerk. Er organisiert die wöchentlichen Treffen, ist Ansprechpartner für neue Interessierte und sorgt dafür, dass aus einem Ort des Nebeneinanders tatsächlich ein Ort des Miteinanders wird. Wie stark sich dieser Austausch entwickelt hat, lässt sich offenbar schon an einem einzigen Tisch ablesen. Dort, wo sich anfangs 10 oder 20 Menschen zu einer Art Kreislaufwirtschafts-Stammtisch trafen, kommen heute an den Donnerstagen 40, 50 oder bei größeren Anlässen sogar mehr als 100 Teilnehmende zusammen. Aus einem informellen Treffpunkt ist in kurzer Zeit ein dichtes Netzwerk geworden, in dem Wissen, Fragen und ganz konkrete Erfahrungen ausgetauscht werden. Inhaltlich ging es bei diesen Treffen anfangs oft um die Ersatzbaustoffverordnung und um die Unsicherheit in ihrer praktischen Anwendung. Inzwischen ist daraus ein Ort geworden, an dem sehr unterschiedliche Fragen aus der Praxis zusammenlaufen. Genau darin zeigt sich, worum es im Circle letztlich geht. Wissen zu teilen, Kontakte herzustellen und aus einzelnen Problemen gemeinsame Lösungen wachsen zu lassen. Thomas Krüdewagen erinnert sich an ein Beispiel aus den frühen Weeklys, das diese Entwicklung ziemlich gut auf den Punkt bringt. Ja, da knüpfe ich mal an, was Daniel gerade so ein bisschen historisch aufgezeigt hat. Ich erinnere mich, dass ich ja jetzt seit einem guten Jahr an Bord bin und da erinnere ich mich an eines der ersten Weeklys an einem Donnerstag. Da hat ein Circle-Partner einen Eimer, für mich war es ein weißes Pulver dabei gehabt und hat gefragt, davon haben wir, ich weiß jetzt nicht mehr genau, 20 Tonnen. Hat jemand eine Idee, was man damit machen kann? Erstaunlicherweise gab es dann auch jemanden, der zumindest einen Kontakt hatte, meine ich, und daraus dann auch entsprechend einen Lösungsvorschlag erarbeitet hat. Und heute geht es sogar darum, dass auch Erfahrungsberichte aus der Praxis von Partnerunternehmen vorgestellt werden, im Prinzip wie einen Vortrag. Und da erinnere ich mich an ein großes Projekt in der Stadt Heidelberg, ohne da genau ins Detail zu gehen. Es ist dort ein neuer Stadtteil in der Planung, Entwicklung und das wurde einfach hier vorgestellt als Projekt und daraus ergab sich, dass einige Circle-Partner-Unternehmen eben auf den Zug mit aufgesprungen sind und gemeinsam den Kreislaufwirtschaftsgedanken eben bei der Herstellung des neuen Stadtteiles, weil dort natürlich noch Bestandsgebäude und so weiter stehen. Und das ist natürlich dann ein krasser Unterschied zwischen ich bringe mal einen Eimer mit in dem Weekly von früher, was kann man machen, zu wir entwickeln komplett neuen Stadtteile unter Berücksichtigung von Kreislaufwirtschaft. Und das zeigt schon, wo wir heute stehen. Mit dem Wachstum des Circle ist auch seine Sichtbarkeit gewachsen. Neue Partner, neue Themen, neue Formate und ein Netzwerk, das immer breiter in die Bauwirtschaft ausstrahlt. ausstrahlt. Kein Wunder also, dass inzwischen auch die Politik genauer hinschaut. Ich habe Thomas Krüdewagen gefragt, wie es dazu gekommen ist und was diese Aufmerksamkeit für den Circle bedeutet. Ehrlicherweise war das gar nicht das Grundziel, als der Circle gestartet wurde, sondern das hat sich eben im positiven Sinne zufällig ergeben. Ich kann mich genau daran erinnern, weil das einer meiner ersten auch externen Veranstaltungen im Namen des Circles gewesen ist, dass wir erfreulicherweise bei der IHK in Frankfurt mit Daniel an einer Podiumsdiskussion zum Thema Kreislaufwirtschaft teilnehmen konnten. Auf dem Podium war dann die Staatssekretärin Frau Fröhlich vom hessischen Wirtschaftsministerium. Und die fand halt die Ausführung von Daniel so hochgradig relevant und interessant, dass sie gesagt hat, auf dem Podium noch, Mensch, das klingt klasse, ich muss mal nach Offenbach kommen und mir das mal anschauen. Das war, ich glaube, im Februar letztes Jahr. Und der Termin war dann, der Besuchstermin war dann im Sommer. Ich erinnere mich noch, es war ultra heiß. Und der Ursprungsgedanke von Frau Fröhlich war beim Termin vor Ort, bringen Sie doch gerne mal praktische Beispiele mit, wo die Regulatorik und Praxis nicht ganz so übereinstimmen, beziehungsweise wo dann auch vielleicht sogar Ideen von den Circle-Partnern schon da sind, um das besser zu machen in der Regulatorik. Also gleich schon mit einem Beispiel, wie man es besser machen kann. Und dann hat die Frau Fröhlich schnell gemerkt in dem Austausch, da sind so viele Praxisbeispiele, die sehr ins Detail gehen, dass es von der Zeit gar nicht ausreicht. Sie hat dann gleich direkt den Vorschlag unterbreitet, dass wir das zentral sammeln, die Vorschläge sammeln, das ins Ministerium schicken und sie sich dann entsprechend die Zeit nimmt, um wirklich auf jeden Vorschlag einzugehen. Und daraus resultierte dann im Anschluss eine Gegeneinladung ins Ministerium für die Circle-Partner, die entsprechende Vorschläge unterbreitet haben. Was Thomas Krüdewagen beschreibt, klingt fast nach Eigendynamik. Je stärker der Circle gewachsen ist, desto größer wurde auch seine Sichtbarkeit nach außen. In den ersten Monaten des Jahres 2026 gaben sich dort politische Akteure beinahe die Klinke in die Hand. Ende Januar fand im Circle Cube der Neujahrsempfang der Grünen Offenbach statt. Am 12. Februar kam Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder gemeinsam mit Michael Güntner, dem Vorsitzenden der Autobahn GmbH, nach Offenbach, um sich über Ansätze für die Bauwende und die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen zu informieren. Und am 13. März war mit Bundesumweltminister Carsten Schneider sogar ein weiterer hochrangiger Gast vor Ort, der den Circle mit einem bemerkenswerten Satz lobte. Wenn es ihn nicht schon gäbe, hätte er ihn erfunden. Auffällig ist dabei nicht nur die Dichte dieser Besucher. Auffällig ist auch, worum es jeweils ging. Um den Austausch zwischen Praxis und Politik, um regulatorische Hürden, um Pilotprojekte und um die Frage, wie Kreislaufwirtschaft im Bauwesen aus der Nische in die Breite kommen kann. Und fast automatisch stellt sich dabei die nächste Frage. Warum ist der Circle eigentlich ausgerechnet hier entstanden, im Offenbacher Hafen, auf einer Konversionsfläche zwischen Straße, Schiene und Wasser? Ich wollte von Daniel Imhäuser deshalb wissen, was diesen Ort für den Circle so besonders macht. Es gibt viele Gründe. Der größte Grund ist der Grund der Gelegenheit, dass hier im Hafen so zentral gelegen, wie man in Deutschland kaum zentral liegen kann, mit Blick auf Zugangszug, auf Zugangsstraße, plus die Nähe zum Hafen, wo es uns im Circle extrem wichtig ist, alternative Verkehrsträger auch für die Bauwirtschaft zu fokussieren. Das heißt, die Binnenschifffahrt mit der Nähe zu Schiffen, die 20 Meter von hier entfernt auch gelöscht werden, all das miteinander verbinden zu können an einem Ort, wo Millionen Tonnen Material durch die Konversionsfläche bewegt worden sind. Solche Chancen gibt es selten in Deutschland und das war der Grund für diesen Ort hier in Offenbach. Gleichzeitig eine Stadt in Veränderung passt auch gut zu einem Thema, was in Veränderung kommen muss. Und da ausdrücklich gesagt, das war bei der Entscheidung nicht bekannt, die Stadt Offenbach tut von ihrer Seite alles, um die Themen, die wir in Circle adressieren, auch wirklich zu leben in der Baupraxis der Stadt Offenbach. Und das ist bemerkenswert und sorgt dafür, dass zum Beispiel der Oberbürgermeister von Frankfurt auch durchaus hierher schon gekommen ist und wir mit beiden Oberbürgermeistern gemeinsam das Thema zirkuläres Bauen dann auch adressiert haben. Gab es dann im Circle Begegnungen zwischen Partnern, bei denen ihr zuerst eher Konkurrenz vermutet habt und dann aber gemerkt habt, dass gerade darin ein großes Potenzial steckt? Sicherlich die Unternehmen, die Rohstoffe gewinnen. Wo wir am Anfang noch keine Vorstellung davon gehabt haben, was bedeutet das in der Auseinandersetzung. Wird das ein Wettbewerb zwischen Naturbaustoff und Rezyklat? Und dann merkt man, die Synergien liegen zum Beispiel gerade in Kompositmaterialien. Und das Interessante ist, wir haben dadurch nochmal klarer herausarbeiten können, wie wichtig Regionalität am Schluss ist. Das heißt, wir wollen ja nicht das Paradoxon haben, dass in der ökobilianziellen Betrachtung einer Baustelle ein Recyclingbaustoff hunderte von Kilometern fahren müsste, wenn es baustellennah einen Naturbaustoff gäbe. Und auch das gilt es aufzulösen, dafür auch vergaberechtlich probate Möglichkeiten zu finden, um mit verschiedenen Kriterien zu gewichten, wo beziehe ich im Sinne der Nachhaltigkeit auch wirklich meine Baustellen und Baustoffe und wie organisiere ich mich so, dass ich ökobilanziell an der Stelle auch wirklich eine Wertschöpfung habe. Mit Daniel Imhäuser und Thomas Krüdewagen habe ich den Circle zunächst als Arbeitsort kennengelernt. Als Netzwerk, als Unternehmen, als Ort für Austausch, Wissenstransfer und konkrete Zusammenarbeit. Doch der Circle hat noch eine zweite Seite. Eine, die stärker mit Sichtbarkeit, Gestaltung und räumlicher Erfahrung zu tun hat. Dafür wechsle ich jetzt den Ort. Ich gehe mit Berrin Ünal aus dem Wood hinüber ins Rocky. Beide Häuser gehören zum Ensemble Rocky Wood im Offenbacher Hafen. Wood ist das Holzmodulgebäude mit flexiblen Arbeitsflächen, dort sitzt der Circle Hub. Rocky dagegen ist der freistehende Solitär in Massivbauweise mit loftartigen Räumen und weitem Blick über Main, Hafen und Skyline. Und genau dort befindet sich auch der Circle Cube, der Showroom und Eventbereich des Circle. Berrin Ünal ist Geschäftsführerin der Circle Cube GmbH. Ihre Aufgabe ist es, die komplexen Themen der Kreislaufwirtschaft so aufzubereiten, dass sie für Besucherinnen und Besucher verständlich werden und sich räumlich wie visuell erleben lassen. Hier im CircleCube zeigt sich eine andere Facette des Projekts. Denn Kreislaufwirtschaft will organisiert, sichtbar und begreifbar gemacht werden. Das ist ein toller Arbeitsplatz, definitiv. Genau, beim Circle Cube ist auch das Besondere, dass sich gerade fast täglich was ändert, weil es ja mit im Aufbau ist. Und da bin ich auch ganz begeistert, dass die ganzen Partnerunternehmen mit vertreten sein wollen, auch gesehen werden wollen. Was wir gerade auch mit entwickeln, ist die Tatsache, dass gerade bei so großen Veranstaltungen, jetzt beispielsweise beim Besuch des Bundesverkehrsministers, wir vom Circle auch unseren Partnern die Möglichkeit bieten, sich selber vorzustellen. Das heißt, gerade auch bei, wir hatten hier den Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main da mit über 80 Bauamtsleiterinnen und Bauamtsleitern, die gesagt haben, sie würden gerne einen Hafenrundgang davor machen, wurde dann auch angeboten von der Wirtschaftsförderung Offenbach und danach gab es nochmal eine Führung durch den Showroom und hat jedes Partnerunternehmen die Möglichkeit gehabt, sich vorzustellen, die Exponate zu erklären. Gleiches für den Bundesverband Deutscher Entsorgung, der hier getagt hat, auch mit über 80 Teilnehmenden. Und so gehen wir unseren Partnern natürlich auch bei Veranstaltungen die Möglichkeit, sich zu präsentieren, zu vernetzen, zu erklären. So, bitteschön. Ganz wichtig für uns ist, dass das sich hier nicht zu einer Inhouse-Messe entwickelt, sondern dass es wirklich einen Designstempel trägt mit dem Input, aber mit den Informationen und dem Wissen der Partnerunternehmen und ihren Exponaten, dass es so einheitlich wie möglich geführt wird und dass es die Geschichte von der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen erzählt und nicht auf Flächen begrenzt irgendwie das alles durcheinander werfen kann, sondern dass wirklich jedes Partnerunternehmen, das zusammenarbeitet, auch im Circle Hub, hier die Möglichkeit hat, den eigenen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft auch nochmal präsentabel zu machen. Hier hinter mir wird ein Materialarchiv eingebaut werden auf einer großen Fläche, dass man sich das mit anfassen kann und dass man da direkte Vergleiche auch haben kann. Und hier, wo gerade noch der Kühlschrank steht, der wegkommt, wird ein kleiner Shop mit installiert, in dem man wirklich auch einzelne Proben oder Materialien mit nach Hause nehmen kann. Vielleicht kleine Reagenzgläschen und so weiter. Da sitzen wir gerade noch an der Entwicklung von all dem. Aber auch da, also es ist, es passiert viel. So, bitteschön. Genau, also wir haben seit dem 01.01. noch mal eine Etage mit dazu genommen. Die kann ich auch gleich mal zeigen. Da wird der Innenausbau mit installiert. Und da haben wir uns auch fest vorgenommen, dass die Ausstellung benutzt werden soll. Also gerade Büroausstattung und so weiter, Büromöblierung, dass das gleichzeitig dann auch unser Mobiliar wird, an dem wir arbeiten können, sowas Interaktives. Und darauf legen aber tatsächlich auch unsere Partner den großen Fokus, weil man eben nicht, dass das Distanzierte haben möchte, sondern man möchte erklären, man möchte zeigen, man möchte anfassen, weil das ist Bau, du fässt an. Und warum sollte das hier aufhören? Man muss spüren und man muss es verstehen können. Und das ist schön. Das ist das Tolle, gerade auch hier an dem Ort, das ich wahrnehme als Neuzugang. Es ist offen. Menschlich offen. Und man will was bewirken zusammen. Und man möchte gemeinschaftlich arbeiten. Und das ist herrlich. Das wirkt, das strahlt aus. Und ich glaube, das ist auch das, was anziehend wirkt. Was ich aus Offenbach mitnehme, ist das Bild eines Ortes, an dem sich gerade vieles neu sortiert. Materialien, Wissen, Praxis, Gestaltung, politische Aufmerksamkeit, persönliche Initiative. Der Circle bündelt all das auf eine Weise, die im Bauwesen noch immer ungewöhnlich ist. Und gerade deshalb so interessant. Spannend finde ich auch, wo der Circle noch weiter wachsen will. Im Gespräch wurde deutlich, dass Architektinnen und Architekten, Planerinnen und Planer, Stadtplanende, künftig viel stärker Teil dieses Netzwerks werden soll. Und das leuchtet auch ein, denn Kreislaufwirtschaft entscheidet sich längst nicht erst beim Rückbau oder bei der Aufbereitung von Material. Sie beginnt viel früher, im Entwurf, in der Konstruktion, in der Frage, was wir wie zusammenfügen und ob wir an die nächste Nutzung schon mitdenken. Sicher liegt genau darin, einer der nächsten wichtigen Schritte, den Kreis weiter zu schließen, auch in Richtung Planung und Gestaltung Dann könnte aus diesem Ort im Offenbarer Hafen noch mehr werden als ein spannendes Netzwerk Zum Beispiel ein Modell dafür, wie die Bauwende konkret werden kann. Das war eine weitere Folge von Architektourist, dem Podcast für Architektur, Bautechnik und Baukultur. Mehr über meine Gesprächspartner Daniel Imhäuser, Thomas Krüdewagen und Berrin Ünal, über den Circle im Offenbarer Hafen und die Themen dieser Episode findest Du wie immer in den Shownotes. Wenn Dir die Folge gefallen hat, dann erzähl gern anderen davon. Teil sie mit Menschen, für die sie spannend sein könnte. Lass eine Bewertung bei Spotify oder Apple Podcasts da. oder abonnier Architektourist, damit du keine neue Episode verpasst. Ich bin Alexandra Busch, danke, dass du zugehört hast und bis zur nächsten Folge von Architektourist.

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