#72 Bau.Pause – Seriell ist mehr als Modulbau
Gedanken zwischen Renowate, Goldbeck und Baukultur
04.03.2026 17 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Bau.Pause nehme ich dich mit nach Maintal-Bischofsheim in Hessen und Gemünden am Main in Bayern. Zwei Projekte, die auf den ersten Blick kaum vergleichbar wirken: eine serielle Sanierung eines Bestandsquartiers aus den fünfziger Jahren und ein kommunaler Kita-Neubau im systematisierten Verfahren.
Ich erzähle von meinem Besuch auf der Baustelle in Maintal, wo vorgefertigte Holzfassadenelemente, digitale Bestandsanalysen und technische Module eine energetische Transformation ermöglichen, während die Bewohner:innen in ihren Wohnungen bleiben. Aus meinen Gesprächen mit Arne Wulff und Andreas Kipp von Renowate nehme ich mit, dass serielle Sanierung vor allem eine organisatorische Aufgabe ist.
Und ich berichte von einem digitalen Blick in die Planung einer Kita in Gemünden. Gemeinsam mit Fritz Rinderspacher und Michael Berk von Goldbeck habe ich mir die Grundrisse angesehen – ein Projekt, das in zehn Monaten realisiert wird und deutlich unter dem ursprünglich kalkulierten Kostenrahmen liegt. Mich interessierte dabei vor allem, wie Raumqualität und Systematik zusammenfinden.
Diese Folge ist meine persönliche Reflexion darüber, warum ich serielles und systematisiertes Bauen heute differenzierter sehe.
Weitere Links:
Unternehmensseite Renowate
Serielle Quartierssanierung Maintal-Bischofsheim auf Energiesprong.de und auf der Webseite der Nassauischen Heimstätte | Wohnstadt
Unternehmensseite Goldbeck
Neubau Schulen und Kitas bei Goldbeck
Post von Jan-Hendrik Goldbeck auf LinkedIn zum Kita-Neubau in Gemünden
Coverbild: KI-generiert mit ChatGPT
Ich erzähle von meinem Besuch auf der Baustelle in Maintal, wo vorgefertigte Holzfassadenelemente, digitale Bestandsanalysen und technische Module eine energetische Transformation ermöglichen, während die Bewohner:innen in ihren Wohnungen bleiben. Aus meinen Gesprächen mit Arne Wulff und Andreas Kipp von Renowate nehme ich mit, dass serielle Sanierung vor allem eine organisatorische Aufgabe ist.
Und ich berichte von einem digitalen Blick in die Planung einer Kita in Gemünden. Gemeinsam mit Fritz Rinderspacher und Michael Berk von Goldbeck habe ich mir die Grundrisse angesehen – ein Projekt, das in zehn Monaten realisiert wird und deutlich unter dem ursprünglich kalkulierten Kostenrahmen liegt. Mich interessierte dabei vor allem, wie Raumqualität und Systematik zusammenfinden.
Diese Folge ist meine persönliche Reflexion darüber, warum ich serielles und systematisiertes Bauen heute differenzierter sehe.
Weitere Links:
Unternehmensseite Renowate
Serielle Quartierssanierung Maintal-Bischofsheim auf Energiesprong.de und auf der Webseite der Nassauischen Heimstätte | Wohnstadt
Unternehmensseite Goldbeck
Neubau Schulen und Kitas bei Goldbeck
Post von Jan-Hendrik Goldbeck auf LinkedIn zum Kita-Neubau in Gemünden
Coverbild: KI-generiert mit ChatGPT
Der Podcast:
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.
Seid bei der nächsten Folge wieder dabei, wenn wir weitere spannende Projekte und Persönlichkeiten aus der Welt des Bauens vorstellen. Wenn Euch die Episode gefallen hat, abonniert Architektourist bei Eurem bevorzugten Podcast-Anbieter.
Ihr habt Fragen oder Vorschläge? Wir freuen uns auf Eure Nachrichten unter kontakt@architektourist.de.
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.
Seid bei der nächsten Folge wieder dabei, wenn wir weitere spannende Projekte und Persönlichkeiten aus der Welt des Bauens vorstellen. Wenn Euch die Episode gefallen hat, abonniert Architektourist bei Eurem bevorzugten Podcast-Anbieter.
Ihr habt Fragen oder Vorschläge? Wir freuen uns auf Eure Nachrichten unter kontakt@architektourist.de.
Transkript
Nur mal laut gedacht. Willkommen zur Baupause, dem kurzen Gedankenstopp mit Architektourist.
Ein paar Minuten für Baukultur, Alltagsbeobachtungen und spontane Überlegungen
irgendwo zwischen Kaffeetasse, Skizzenrolle und Türrahmen.
Heute nehme ich euch mit an zwei Orte, die auf den ersten Blick wenig miteinander
zu tun haben und die doch dieselbe Frage stellen.
Der erste liegt in Maintal-Bischofsheim in Hessen, eine Wohnsiedlung aus dem Jahr 1957.
Vier Häuser, wie man sie in vielen deutschen Städten findet.
Nachkriegsbestand, solide gebaut, energetisch überholt. Genau jene Gebäude,
an denen sich entscheidet, ob die Klimaziele im Bestand überhaupt erreichbar sind.
Der zweite Ort liegt in Gemünden am Main in Bayern. Dort entsteht eine neue Kindertagesstätte.
Ein Neubauprojekt einer Kommune, die schnell bauen und verlässlich kalkulieren
muss, gleichzeitig hohe Anforderungen an Nutzung und Qualität stellt.
Bestandssanierung und Neubau, zwei völlig unterschiedliche Ausgangspunkte.
Und trotzdem verbindet beide Orte etwas sehr Konkretes.
Hier wie dort wird versucht, Bauen systematischer zu denken.
Und irgendwo zwischen Baustelle und Bildschirm sitze ich und merke,
mein Blick auf das Bauen verändert sich gerade.
Als ich in Maintal Bischofsheim aus dem Auto steige, erwarte ich eigentlich
das, was man auf Sanierungsbaustellen fast immer erlebt.
Lärm, Staub, Unruhe. Dieses Gefühl permanenter Übergangssituation.
Doch stattdessen ist es erstaunlich ruhig.
Ich gehe gemeinsam mit Arne Wulff und Andreas Kipp über die Baustelle.
Arne Wulff leitet die Frankfurter Niederlassung von Renowate und verantwortet
mit seinem Team die Umsetzung hier vor Ort.
Andreas Kipp ist Vertriebs- und Marketingchef des Unternehmens und begleitet
das Projekt aus strategischer Perspektive.
Beide nehmen sich viel Zeit, erklären Abläufe, zeigen Details,
bleiben stehen, wenn ich nachfrage.
Während wir sprechen, hebt ein Kran langsam ein großes Fassadenelement nach oben.
Kein loses Material, kein Stückwerk, ein komplettes Bauteil.
Fenster bereits integriert, Dämmung eingebaut, Lüftung vorbereitet, Rollläden montiert.
Das Element schwebt kurz vor der Fassade, dreht sich leicht im Wind, wird ausgerichtet.
20 Minuten später sitzt es an seinem Platz. Und das eigentlich Erstaunliche
passiert im Hintergrund.
Die Menschen wohnen weiter hier. Keine Ausquartierung, kein jahrelanger Ausnahmezustand.
Während außen gearbeitet wird, läuft drinnen das normale Leben weiter.
Frühstück, Homeoffice, Hausaufgaben, Abendessen.
In diesem Moment beginne ich zu verstehen. Serielle Sanierung bedeutet nicht
Vereinfachung, sie bedeutet Vorbereitung.
Alles wird vorher entschieden. Das Gebäude wird gescannt, digital vermessen,
untersucht, geöffnet, geprüft.
Der Planungsaufwand steigt, verlagert sich jedoch konsequent an den Beginn des Prozesses.
Während wir über die Baustelle gehen, merke ich, dass mich etwas irritiert.
Ich habe serielles Bauen lange vor allem als ästhetische Frage betrachtet.
Ich habe mich gefragt, werden Städte gleichförmig? Verschwindet Individualität?
Verlieren Gebäude ihren Charakter?
Doch hier geht es plötzlich um etwas anderes. Es geht um Zeit,
um Ressourcen, um die schiere Größe der Aufgabe.
Die Nassauische Heimstätte verwaltet rund 60.000 Wohnungen in Hessen.
Viele davon stammen aus den 50er, 60er und 70er Jahren.
Gebäude, die energetisch nie für eine klimaneutrale Zukunft gedacht waren.
Und gleichzeitig stehen genau diese Bestände heute im Zentrum der Klimaziele.
Wenn jedes dieser Häuser einzeln geplant, einzeln ausgeschrieben und einzeln
saniert wird, dauert die Transformation Jahrzehnte.
Zu lange für die politischen Vorgaben, zu lange für steigende Energiekosten,
zu lange für die Menschen, die dort wohnen.
In diesem Moment verstehe ich, was ich vorher nur abstrakt gehört habe.
Serielle Sanierung ist weniger eine Stilfrage als eine Rechenaufgabe.
Wie viele Gebäude müssen pro Jahr saniert werden? Wie viele Planungsstunden stehen zur Verfügung?
Wie viel Geld kann ein Wohnungsunternehmen investieren, ohne die Mieten explodieren zu lassen?
Und plötzlich wird klar, wenn tausende Wohnungen gleichzeitig klimaneutral werden
sollen, kann nicht jedes Gebäude wie ein Einzelstück behandelt werden.
Gestaltung bleibt wichtig, absolut. Gleichzeitig hat die Aufgabe inzwischen
eine völlig andere Größenordnung erreicht.
Ein paar Tage später sitze ich an meinem Schreibtisch. Kein Gerüst,
kein Kran, keine Baustelle.
Nur ein Bildschirm, Teams-Meeting.
Ausgangspunkt war ein LinkedIn-Post von Jan-Hendrik Goldbeck,
Co-CEO des Bauunternehmens Goldbeck.
In seinem Beitrag stellte er ein kommunales Projekt vor, das sofort Aufmerksamkeit erzeugte.
Eine neue Kindertagesstätte im fränkischen Gemünden am Main.
Bauzeit 10 Monate. Vergabe rund 30% unter dem ursprünglich kalkulierten Kostenrahmen.
Eine öffentliche Kita, schneller gebaut, deutlich günstiger.
Viele feierten das in den Kommentaren als Beweis dafür, dass Bauen endlich effizienter werden kann.
Mein erster Gedanke war trotzdem skeptisch.
Wenn es wirklich so einfach wäre, warum kämpfen dann so viele Kommunen weiterhin
mit explodierenden Kosten und jahrelangen Bauzeiten?
Also habe ich unter dem Post gefragt, öffentlich. Mich interessierte weniger
der Preis als die räumliche Qualität.
Tageslicht, Akustik, Rückzugsorte. Die Räume, in denen Kinder jeden Tag lernen,
spielen und groß werden.
Kurz darauf meldete sich Fritz Rinderspacher bei mir.
Er ist Niederlassungsleiter Rhein-Main bei Goldbeck und verantwortlich für Projekte
wie die Kita in Gemünden.
Er schrieb sinngemäß, schauen wir uns doch gemeinsam die Planung an.
Wenig später sitze ich im Teams-Meeting mit ihm und seinem Kollegen Michael
Berk, ebenfalls Teil des Projektteams bei Goldbeck.
Keine Hochglanzfolie, keine PR-Präsentation, stattdessen öffnen sie die Grundrisse,
Pläne, Linien, Maße, Raumfolgen.
Und plötzlich wird aus einer LinkedIn-Diskussion ein echtes Fachgespräch.
Die erste Erkenntnis überrascht mich tatsächlich. Der Entwurf stammt gar nicht von Goldbeck.
Die Architektur kam von der Gemeinde selbst.
Mit einer funktionalen Ausschreibung, einem definierten Raumprogramm und klar
beschriebenen Anforderungen an Pädagogik, Nutzung und Qualität.
Goldberg durfte nicht neu erfinden, sie durften optimieren.
Und ich merke, wie wichtig dieser Unterschied ist.
Optimieren heißt nämlich in diesem Fall nicht vereinfachen oder reduzieren.
Es heißt prüfen, wo Abläufe verbessert werden können, wo Wege kürzer werden,
wo Sicherheit und Orientierung klarer gelöst sind.
Sie zeigen mir im Plan einen zusätzlichen Stichflur, der die Brandschutzanforderungen
erfüllt und zugleich die innere Orientierung verbessert.
Sie erklären, warum bestimmte Funktionsräume leicht verschoben wurden,
damit die Außenflächen besser nutzbar werden.
Und sie weisen auf einen vorbereiteten Aufzugsschacht hin, der heute noch nicht
gebraucht wird, spätere Barrierefreiheit jedoch ermöglicht, ohne dass das Gebäude
erneut geöffnet werden muss.
Keine spektakulären Gesten, keine ikonische Dachform, kein Instagram-Moment.
Stattdessen präzise Eingriffe, die den Alltag verbessern.
Und während wir durch die Grundrisse gehen, merke ich, das ist keine abgespeckte Architektur.
Es ist eine sehr nüchterne, sehr konsequente Form von Verantwortung.
Irgendwann fällt ein Satz, der mir bis heute nachgeht.
Sie standardisieren nicht die Architektur. Sie standardisieren die Dinge, die niemand sieht.
Und ich bitte Sie, das genauer zu erklären.
Gemeint sind Deckensysteme, die bereits tausendfach gerechnet und optimiert wurden.
Abdichtungsdetails, die nicht jedes Mal neu durchgeplant werden müssen.
Tragwerksraster, die verlässlich funktionieren. Schnittstellen zwischen TGA,
Rohbau und Ausbau, die im System bereits aufeinander abgestimmt sind.
Der klassische Hochbau behandelt jedes Gebäude fast wie ein Prototyp.
Jede Planung beginnt neu, jede Schnittstelle wird neu verhandelt,
jede Detailfrage wiederholt sich.
Die Industrie arbeitet dagegen mit einem lernenden System.
Ein Detail, das sich bewährt hat, wird weiterentwickelt und erneut eingesetzt.
Erkenntnisse aus Fehlern fließen direkt in die nächsten Projekte ein und werden
systemisch korrigiert.
Und plötzlich begreife ich, wie groß dieser Unterschied ist.
Er liegt weniger im Ausdruck, weniger im Erscheinungsbild, er liegt im Denken.
Der Preis sinkt nicht, weil Qualität gestrichen wird.
Er sinkt, weil Planung, Bau und Ausführung von Anfang an zusammen gedacht werden.
Der Planer ist zugleich derjenige, der später baut. Entscheidungen bleiben im selben System.
Schnittstellen, an denen sonst Informationen verloren gehen oder neu verhandelt
werden müssen, werden reduziert.
Verantwortung wird gebündelt statt weitergereicht. Natürlich spielen auch Energie-
und Materialpreise eine Rolle.
Stahl, Holz und Beton unterlegen Märkten, die sich in den vergangenen Jahren
deutlich verändert haben. Auch gestiegene technische Anforderungen und Normen
wirken sich auf die Kosten aus.
Was ich in diesem Gespräch jedoch klarer begreife, ist ein zusätzlicher Faktor.
Viele Kosten entstehen durch Reibung, durch getrennte Planungs- und Ausführungsteams,
durch unklare Zuständigkeiten, durch Nachträge, wenn Details anders gedacht
waren, als sie gebaut werden, und durch Zeitverzug, der wiederum Finanzierungskosten erhöht.
Wenn Planung und Bau organisatorisch enger verzahnt sind, entstehen weniger dieser Brüche.
Ein erheblicher Teil unserer Baukosten liegt also nicht allein im Material,
er liegt in der Struktur der Abläufe.
Vielleicht haben wir uns in der öffentlichen Debatte zu lange auf Quadratmeterpreise
konzentriert und zu wenig auf die Organisation dahinter.
Betrachtet man nur die Bauaufgabe, könnten Maintal-Bischofsheim und Gemünden
am Main unterschiedlicher kaum sein.
Hier die Transformation eines Bestandsquartiers aus den 50er Jahren,
dessen Gebäude energetisch nicht mehr in unsere Zeit passen.
Dort ein neuer Bildungsbau für eine Kommune, die dringend Plätze braucht und
gleichzeitig unter enormem Kosten- und Zeitdruck steht.
Und doch erkenne ich an beiden Orten ein ähnliches Prinzip. In meinem Teil organisiert
Renowate Sanierung als wiederholbaren Prozess.
Das Gebäude wird als Einheit gedacht, Fassaden vorgefertigt,
Technikmodule industriell vorbereitet, Entscheidungen früh getroffen,
damit auf der Baustelle möglichst nicht improvisiert werden muss.
In Gemünden folgt Goldberg derselben Logik. Planung und Ausführung greifen ineinander,
ein vorhandener Entwurf wird systematisch weiterentwickelt, Technische Lösungen
bauen auf erprobten Systemen auf.
So bleiben Bauzeit und Kosten verlässlich.
Beide Unternehmen setzen an einem Punkt an, über den noch immer zu wenig gesprochen
wird. Der Organisation des Bauens.
Frühe Entscheidungen, integrale Planung, klare Verantwortlichkeiten,
weniger Schnittstellen, weniger Reibung, weniger Stillstand.
Ich treffe keine Menschen, die Architektur abschaffen wollen.
Ich treffe Menschen, die versuchen, Projekte unter heutigen Rahmenbedingungen
überhaupt wieder realisierbar zu machen.
Menschen, die sich fragen, wie man gleichzeitig schneller bauen,
kostenstabil halten und die Transformation des Bauens schaffen kann.
Und genau darin liegt vielleicht die eigentliche Gemeinsamkeit dieser beiden Orte.
Vor einem halben Jahr hätte ich serielles Bauen vermutlich reflexartig kritisiert.
Ich dachte an Gleichförmigkeit, an austauschbare Städte, an Architektur im Copy-Paste-Modus.
Heute bin ich vorsichtiger geworden.
Kritisch bleibe ich, aber neugieriger. In den letzten Wochen habe ich verstanden,
was mir zuvor gefehlt hat.
Ich habe gesehen, wie viel Planung notwendig ist, bevor überhaupt gebaut wird.
Wie intensiv vermessen, analysiert und digital vorbereitet wird,
damit auf der Baustelle später Geschwindigkeit möglich ist.
Systeme entstehen nicht, um Gestaltung zu verdrängen. Sie entstehen,
um Komplexität beherrschbar zu machen.
Ich habe gelernt, dass Wiederholung nicht automatisch Monotonie bedeutet,
dass Standardisierung Wissen speichern kann und dass industrielle Prozesse neben
Tempo auch Verlässlichkeit schaffen.
Natürlich gibt es Punkte, die mich weiter beschäftigen. Die Möglichkeit uniformer
Lösungen, verschobene Verantwortlichkeiten.
Die Frage nach der künftigen Rolle der Architektinnen und Architekten.
Aber ich sehe auch eine Branche, die versucht, wieder handlungsfähig zu werden.
Eine Branche, die unter enormem Druck steht.
Klimaziele, Wohnraummangel, Fachkräftemangel, steigende Kosten,
politische Erwartungen.
Und die beginnt, ihre eigenen Prozesse neu zu denken, weil die bisherigen Modelle
vielerorts nicht mehr funktionieren.
Vielleicht verändert sich mein Blick gerade deshalb. Serielles Bauen ist für
mich nicht die perfekte Lösung für alles geworden.
Ich erkenne jedoch darin einen ernsthaften Versuch, auf sehr reale Probleme zu antworten.
Und deshalb möchte ich heute bewusst Danke sagen an Arne Wulf und Andreas Kipp
von Renowate, die mir auf der Baustelle gezeigt haben, was serielle Sanierung
in der Realität bedeutet.
Und an Fritz Rinderspacher und Michael Berk von Goldbeck, die nachvollziehbar
gemacht haben, wie systematisierte Planung im Neubau konkret funktioniert.
Sie alle zeigen, dass Baukultur lange vor dem fertigen Gebäude beginnt,
in den Gesprächen und Entscheidungen darüber, wie wir bauen wollen.
Vielleicht verändert sich gerade nicht nur, wie wir bauen, sondern auch,
wie wir über bauen sprechen.
Ehrlich gesagt, ich finde das gerade ziemlich spannend. Und genau deshalb mache ich Architektourist.
Bis bald zur nächsten Baupause.
Feedback geben
Ihr habt Lob, Kritik, Fragen oder Ideen rund um den Podcast? Oder Ihr möchtet über den Inhalt einer bestimmten Episode diskutieren? Dann wählt im Formular die jeweilige Folge aus und schreibt mir gerne eine Nachricht. Ich freue mich auf Euer Feedback!