Architektourist

Der Podcast für Architektur, Bautechnik und Baukultur - von und mit Alexandra Busch.

#71 Plan.Stimme – Gerhard G. Feldmeyer

Architektur zwischen Entwurf und Investorenrechnung

19.02.2026 43 min

Zusammenfassung & Show Notes

Architektur entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie bewegt sich immer im Spannungsfeld zwischen Gestaltung, Wirtschaftlichkeit, Regulierung und Nutzung. Diese Folge von Plan.Stimme widmet sich genau diesem Zwischenraum und einem Architekten, der ihn über Jahrzehnte bewusst gesucht hat.

Zu Gast ist Gerhard G. Feldmeyer, Architekt und langjähriger geschäftsführender Gesellschafter von HPP Architekten. In der Episode spricht er über die Bedeutung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen für architektonische Entscheidungen, über Kreativität unter Einschränkungen und über die Frage, warum Architektinnen und Architekten heute stärker denn je interdisziplinär denken müssen. Themen sind unter anderem integrierte Planungsprozesse, Systembau, Suffizienz sowie neue Wege, Baukosten durch kluge Planung und Kooperation zu reduzieren.

Außerdem gibt er Einblicke in seine heutige Rolle als Mentor, Impulsgeber und Botschafter für zirkuläres Bauen.

Experte in dieser Episode:
Gerhard G. Feldmeyer – Architekt, ehem. geschäftsführender Gesellschafter HPP Architekten

Links zur Folge:
HPP Architekten
Madaster Foundation
Landmarken Gruppe
EBZ Business School – Zukunftsrat Lifelong Learning

Cover: KI-generiert mit ChatGPT

Der Podcast:
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.

Seid bei der nächsten Folge wieder dabei, wenn wir weitere spannende Projekte und Persönlichkeiten aus der Welt des Bauens vorstellen. Wenn Euch die Episode gefallen hat, abonniert Architektourist bei Eurem bevorzugten Podcast-Anbieter.

Ihr habt Fragen oder Vorschläge? Wir freuen uns auf Eure Nachrichten unter kontakt@architektourist.de.

Transkript

Du hörst Planstimme, ein Format von Architektourist. Hier geht es um die Menschen hinter den Plänen, ihre Haltung, ihre Arbeitsweise und ihre Gedanken zum Bauen von morgen. Was lernt man, wenn man ein Architekturbüro über Jahrzehnte begleitet? Wenn man Wettbewerbe gewinnt und verliert, Gebäude realisiert und andere nie gebaut werden? Wenn man erlebt, wie sich Baukosten, Normen und Erwartungen verschieben. Gerhard Feldmeyer hat diese Erfahrung gesammelt. Über drei Jahrzehnte bei HPP in leitender Verantwortung mit Blick auf Entwurf, Wirtschaftlichkeit und langfristige Wirkung. In dieser Episode spricht er über Architektur als Prozess, über Kreativität unter Einschränkungen und über die Frage, warum gutes Bauen ohne Systemdenken kaum noch vorstellbar ist. Sein Weg führte ihn von Stuttgart über London bis nach Fernost. Gerhard Feldmeyer. Mitte der 1980er Jahre entschied er sich bewusst für einen ungewöhnlichen Schritt. In einer Zeit schwacher Baukonjunktur und unsicherer Perspektiven wählte er Japan als persönlichen Sehnsuchtsort, mit dem Ziel, von der dortigen architektonischen Innovationskraft zu lernen und den eigenen Blick zu erweitern. Die Jahre in Tokio prägten sein Verständnis von Architektur nachhaltig. Dort begegnete er nicht nur Meinhard von Gerkan, was später seinen Weg nach Hamburg ebnete, sondern entwickelte auch eine besondere Sensibilität für das Weglassen, für Klarheit und konstruktive Einfachheit. Gedanken, die er später auch in seinem Essay »Luxus der Einfachheit« beschrieb. Gleichzeitig lernte er in Japan eine andere ökonomische Dimension des Bauens kennen. Wenn Grundstückswerte ganze Projekte dominieren, verschiebt sich der Blick auf Baukosten, Effizienz und langfristige Nutzbarkeit grundlegend. Erkenntnisse, die sein späteres Interesse an der Verbindung von Architektur und Immobilienwirtschaft entscheidend beeinflussten. Trotz aller Bewunderung entschied sich Feldmayer zur Rückkehr nach Deutschland. Ihm wurde klar, dass er ohne Sprache und kulturelle Verankerung in Japan immer ein Beobachter geblieben wäre. Zurück in Europa arbeitete er zunächst mehrere Jahre bei GMP in Hamburg. Eine Zusage von HPP in Düsseldorf lag bereits vor, doch er zögerte. Erst die Beharrlichkeit eines HPP-Partners, der über Jahre den Kontakt hielt und ihn immer wieder zum Austausch einlud, führte schließlich zum Wechsel. 1989 begann Gerhard Feldmayer bei HPP. Der Auftakt einer Laufbahn, die sich über 33 Jahre erstrecken sollte, mehr als zwei Jahrzehnte davon in geschäftsführender Verantwortung. Auffällig an seinem Weg ist, dass er sich nie auf eine Rolle beschränkt hat. Er blieb Architekt, suchte aber immer wieder bewusst den Blick über die eigene Disziplin hinaus. Während viele planende ökonomische Fragen gern ausklammern und die Immobilienseite als Gegenpol zur Gestaltung betrachten, entschied er sich früh für den Austausch, aus dem Wunsch heraus, besser zu verstehen, wie Entscheidungen entstehen, wie Investoren rechnen und welche Zwänge hinter Grundstücksentwicklungen und Projektkalkulationen stehen. Mich hat interessiert, wann genau dieser Perspektivwechsel begonnen hat, ob es einen Moment gab, an dem klar wurde, dass Architektur ohne das Verständnis für die andere Seite unvollständig bleibt. Und genau das habe ich ihn als erstes gefragt. Ja, es gab da viele Momente und das fing eigentlich schon im Studium an. Ich habe ja in London ein Jahr studiert und da hatte ich nebenbei so einen Praktikantenjob in einem größeren Büro in London. Und dann haben die da ein Projekt gemacht, ich durfte da ein bisschen mitzeichnen und mitreden. Und dann haben wir irgendwann auch gesagt, ja, wer macht eigentlich die Kostenschätzung für dieses Projekt? In Deutschland macht der Architekt, das ist ein Teil der HAI, die Kostenschätzung. In London, in England gibt es dafür einen Quantity Surveyor. Das heißt, mit dem Thema Kosten kommt der Architekt, wenn er nicht will, gar nicht in Berührung. Das wird immer weggegeben. Da zieht jemand an die Massen, rechnet und tut. Der Architekt macht das nicht. Dann war ich in Japan, mein erstes Berufsjahr. Und da habe ich mich immer gefragt, warum machen die denn so total überzogene Dinge, architektonisch. Und da habe ich dann gelernt, das war Mitte der 80er, da kursierte immer der Spruch, das Grundstück des Kaiserpalastes in Tokio. Dieser Grundstückspreis ist so hoch wie der ganze Bundesstaat Kalifornien. Für das Grundstück könnte man ganz Kalifornien kaufen. Und da ist natürlich klar, wenn das so ist, dann spielen die Baukosten überhaupt keine Rolle mehr. Weil das Grundstück ist 99 Prozent der Einstandspreis, das was man dann als Entwickler sozusagen bewegt. Das ist natürlich nicht überall in Tokio so und das ist auch nicht dauerhaft so geblieben. Aber es hat mir gezeigt, international gibt es große Unterschiede. Großstadt ist was anderes als auf dem Land, auf der grünen Wiese, in der Innenstadt. Und ich habe mich einfach dann für das Thema interessiert. Und in Deutschland ist mir dann Folgendes passiert. Die Architekten haben sich im Laufe der Jahre, auch meiner Berufswelt, viele Leistungen von externen wegnehmen lassen. Irgendwann kamen die Projektsteuerer. Und die Projektsteuerer haben dann auch dem Bauherrn gesagt, Ja, wir machen dann auch noch die Kosten. Und die Banken haben gesagt, das ist ja ganz gut, wenn den Architekten einer auf die Finger guckt, kann man eh nicht glauben. Mir hat mal ein Bauherr gesagt in einer Vertragsverhandlung, ja, die Baukosten braucht ihr nicht machen. Kostenschätzung, Kostenberechnung ist ja in der HAI bewertet die Leistung nehmen wir raus bei euch und dann hat er den saloppen Spruch gemacht, wenn wir so viel Geld fürs Bauen ausgeben müssten, wie sie wie die Architekten uns immer vorrechnen dann könnten wir gar nichts bauen ja und das hat mich alles geärgert in Summe und da fühlte ich mich so ein bisschen im luftleeren Raum, kann ich da jetzt nur nicken und das so hinnehmen oder interessiere ich mich für das Thema, ich habe keine Fortbildung gemacht, jetzt in Projektentwicklung oder irgendeine European Business School, irgendwie Senior Project Developer oder sowas angestrebt, sondern... Ich habe einfach den Austausch gesucht, habe versucht, so ein bisschen Vertrauen zu gewinnen, weil das sind ja auch relativ vertrauliche Themen, die man dann da bewegt. Und habe mit zwei, drei Projektentwicklern, für die ich auch viel geplant habe, dazu bewegen können, mir das ein bisschen zu erläutern und mir mal so eine Investorenrechnung. Das sind dann nämlich nicht nur fünf Zahlen auf dem Bierdeckel, sondern das ist schon ein Excel-Sheet mit 60 Zeilen und dann hat man irgendwie so eine erste Investorenrechnung. Diese vielleicht noch ein bisschen vereinfachte Investorenrechnung, die kann man eigentlich lernen zu machen, das habe ich gelernt. Und ich habe bei vielen Projekten, wo Leute kamen, die ich vielleicht auch teilweise nicht kannte, Und wie gesagt haben, habt ihr Lust mit uns eine Studie zu machen, wir haben da eine Projektmöglichkeit. Und dann habe ich mich mal selber hingesetzt, eine grobe Berechnung gemacht, um bewerten zu können, was die mir da erzählen, was die vorhaben, hat das Aussicht auf Erfolg. Eines hat mir nie Spaß gemacht, Dinge für den Papierkorb zu produzieren. Das tun wir sowieso als Architekten, weil in meiner Bilanz sind zwei von zehn Projekten, mit denen ich zu tun hatte, also über Wettbewerbe, über Studien, auch über andere Anfragen, tatsächlich Projekte geworden. Und davon ist auch nur jedes zweite gebaut worden. Also man macht als Architekt extrem viel Arbeit, übrigens teilweise auch kostenlos, um halt Aufklärung zu bekommen. Das ist aber im Grunde auch weitgehend okay, weil jedes Unternehmen hat ja Marketingaufwand, Vertriebskosten und das hat man als Architekt eben in dieser Form. Hat denn die intensive Auseinandersetzung mit der Bauherren- und Entwicklerseite Ihren Blick auf Architektur verändert? Also auch Ihre Haltung als Architekt, vielleicht sogar Ihre eigene Handschrift geschärft? Ja, von der Herangehensweise nicht, weil als Architekt hat man eben sowieso das Wissen, dass man ja nicht als reiner Künstler unterwegs ist. Es gibt zwar ganz wenige, eine Handvoll Architekten weltweit, die sozusagen, Unabhängig von dem, was das Gebäude nachher leistet, Dinge realisieren können. Ich war vor kurzem in Seoul in einem Museum von Zaha Hadid. Da sieht man an jeder Stelle, dass es im Grunde ein Objekt ist, das sich selber lebt, wo sich niemand Gedanken gemacht hat, wie funktioniert eigentlich die Nutzung in diesem Gebäude. Überall, wo es genutzt wird, sei es jetzt eine Garderobe oder ein Ticket-Counter oder irgendwie ein Regal, wo vielleicht Kataloge stehen oder das ging alles überhaupt gar nicht in diesem Gebäude, weil es gab keine gerade Wand, es gab keine Wand, die geschlossen war, es war kreuz und quer irgendwelche Lichtschlitze. Aber das können sich eine Handvoll Architekten erlauben und das ist auch gekonnt, weil man sowas auch nicht einfach mal beschließen kann, ich mache jetzt auch mal sowas, sondern so ein Vokabular muss sich über Jahrzehnte entwickeln. Wenn man das dann irgendwann tatsächlich realisieren kann, dann finde ich das auch eine große Leistung. Aber ich habe schon für mich daraus gewisse Abkürzungen gefunden, weil Entwurfsentscheidungen müssen für mich persönlich immer auch einen Sinn machen, auch in funktionaler, ökonomischer Hinsicht. Und nicht nur jetzt in städtebaulich oder räumlichem oder öffentlichem Raum gesehen, sondern das muss insgesamt einen tieferen Sinn haben und auch quasi sachlich begründbar sein. Nur Bauchgefühl. Ich habe mal ein Interview mit einem bekannten Architekten gehört, den Namen weiß ich jetzt leider nicht mehr, der sagte, die haben ihn gefragt, Herr Professor, warum haben Sie das so gemacht? Und dann hat er gesagt, ja, das hat mir so vorgeschwebt. Das ist diametral die gegensätzliche Haltung, weil wenn ich etwas aus dem Bauchgefühl mache, wäre für mich das unbefriedigend. Und man muss natürlich als Architekt wissen, wenn ich in Düsseldorf auf der Königsallee ein Projekt plane. Oder jetzt der krasse Gegensatz im nördlichen Ruhrgebiet in einer mittelgroßen Stadt, dann habe ich natürlich einerseits mehr oder weniger die gleichen Baukosten. Ich habe aber nur einen Bruchteil der Mieteinnahmen. Das heißt, der Wert eines Gebäudes oder der hauptsächlich praktizierte Ansatz, wie man den Wert eines Gebäudes errechnet, ist ja die Jahresmiete mal x. In den besten Zeiten, also vor fünf Jahren, vor dem Ukraine-Krieg, waren die Faktoren Jahresmiete mal 30, 32, manchmal sogar 35. Heute ist man froh, wenn der Faktor 20, 22 ist. Und daraus kann man ja dann wieder rückrechnen. Was habe ich eigentlich für ein Baubudget? Ist das Projekt überhaupt sinnvoll? Ist es realisierbar? Und man kann natürlich mit deutlich weniger Baubudget auch gute Architektur machen. Nehmen wir mal an, ich habe ein 60 Meter Hochhaus. So eine Hochhausscheibe Bürogebäude. Ich könnte jetzt sagen... Das ist räumlich da alles sehr eng, das Grundstück ist klein. Ich schneide unten drei Geschosse raus und lasse dieses Hochhaus 20 oder 30 Meter auskragen. Dann muss ich aber wissen, dass ich da einen konstruktiven Mehraufwand von siebenstellig, und zwar nicht nur einem Mio, sondern ein paar Mio, weil ich muss diese Lasten, die ich nicht abtrage, bis ganz nach oben führen und übertragende Bauteile quasi in die Fundamente führen. Das sollte ich im nördlichen Ruhrgebiet besser nicht machen. Das ist nicht realisierbar. Ich kann das vielleicht in Düsseldorf auf der Königsallee machen, weil ich sage, da ist die Königsallee, tolle Straße, repräsentativ. Ich möchte da gerne am Eingang zu diesem Komplex sozusagen einen Raum, so einen halb öffentlichen Raum haben. Das ist eine tolle Geste. und ich kann das da machen, ja. Das sind so Überlegungen, die ich für Architekten für wichtig halte, wenn ich da einfach aus dem Bauchgefühl oder eben mit wenig Erfahrung sage, ja, das gefällt mir, das finde ich cool, ja. Dann hat man eben Wochen umsonst gearbeitet oder vielleicht komplett umsonst gearbeitet. Das sind so ganz fundamentale Dinge, die mir wichtig sind als Architekt. Sie haben im Vorgespräch gesagt, dass kreative Lösungen oft gerade dann entstehen, wenn es Einschränkungen gibt. Also wirtschaftliche Zwänge, Regeln oder Rahmenbedingungen. Viele Architektinnen und Architekten hören das ja nicht besonders gern. Warum fällt es vielen Planenden Ihrer Meinung nach so schwer, innerhalb solcher Grenzen zu arbeiten? Ich habe für mich immer gesehen, wenn jemand kam und hatte ein Grundstück, das war auf der grünen Wiese, oder noch extremer in der Waldlichtung, ohne jeglichen Kontext. Das fand ich immer gewisserweise langweilig. Ich finde, wenn man schwierige Verhältnisse hat, nicht nur wirtschaftlich, es gibt viele Themen, ich kann das auch gleich noch ein bisschen ausführen, dann ist man einfach kreativer. Das ist ein Parameter und das sind Leitplanken. Wenn ich mich zwischen denen bewegen muss, dann ist einfach maximale Kreativität gefordert, weil ich will ja trotzdem ein tolles Haus machen. Und nicht da, wo ich sozusagen alles machen kann und am Ende gar nicht mehr weiß, warum habe ich es jetzt so gemacht. Zum Beispiel kann es tatsächlich eine Budgetvorgabe sein und dann kann ich zum Beispiel überlegen. Ich will jetzt nicht das Projekt nennen, aber wir haben in meinen letzten Monaten bei HPP einen großen Wettbewerb gemacht und da hätte man für einen öffentlichen Bauherrn, großen Komplex, Da hätte man laut B-Plan ein Hochhaus planen können. Wir haben damals aber als einziger Teilnehmer gesagt, wir versuchen das mal unter der Hochhausgrenze, die fängt ja bei 22 Meter über Gelände, Oberkante, wir versuchen mal die 22 Meter zu halten. Das haben wir geschafft. Und zwar auch so, dass wir qualitative Räume, innen wie außen, Belichtung, Belüftung, alles realisieren konnten. Und wir haben natürlich, weil wir kein Hochhaus gemacht haben, ein deutlich besseres Verhältnis von Brutto-Geschossfläche zu Nutzfläche erzielt. Hochhaus hat natürlich einen größeren Kern. Ich muss ja mehr Etagen, die Aufzugsgruppe wird größer. Ich habe mehr Schächte für Lüftung und alles Mögliche. Das heißt, die Effizienz von so einem Hochhausgrundriss ist einfach de facto schlechter. Wir haben den Wettbewerb gewonnen, weil der Bauherr hat nachher gesagt, okay, wir müssen hier insgesamt weniger BGF bauen, weil wir das Raumprogramm in ein kleines Gebäude bekommen. Wir haben eine Vielzahl von Themen, nicht im Brandschutz, in nicht brennbaren Materialien, in Brandüberschlag, in all diesen Themen, Feuerwehraufzug und alles Mögliche. Ich glaube, da waren zehn Teilnehmer oder acht. Alle haben Hochhaus gemacht, weil das ist natürlich toll als Architekt. So ein irgendwie unten Podium und dann ein schönes Hochhaus machen wir alle gerne. Aber wir haben da wirklich den Unterschied gemacht und das hat sich ausbezahlt. Und man kann natürlich auch unter der Hochhausgrenze tolle Architektur machen. Und dann vielleicht noch ein anderes Thema, was ich in der Stelle jetzt vielleicht nur anreißen möchte. Wir machen ja immer noch gerne Ganzglasfassaden, geschosshoch für Glas. Ich selber habe das auch gemacht. Noch vor zehn Jahren. Und ich bin heute der Meinung, das müssen wir sehr, sehr gut überlegen, ob wir das noch machen, weil in Anbetracht der klimatischen Veränderungen, längere Hitzeperioden im Sommer, sind ganz verglaste Fassaden in alle Himmelsrichtungen nicht mehr das Mittel der Wahl. Das muss man wirklich so hart sagen. So ein krasses Beispiel, wer das verstanden hat, ist ja Baumschlager Eberle mit dem 2226-Prinzip. Ich weiß nicht, ob Sie das kennen. Also Baumschlager Eberle hat es ja geschafft, beginnend von ihrem eigenen Büro in Lustenau, mittlerweile aber eine Handvoll großer Büroprojekte, unter anderem auch in Zürich. Also die Schweiz ist ja jetzt kein rudimentärer Immobilienmarkt, wo jeglicher Komfort gerne über Bord geworfen wird. Und die schaffen es ja weitestgehend, weitestgehend ohne Heizung, Kühlung und mechanische Lüftung Bürogebäude zu realisieren. Im Wesentlichen über Speichermasse. Und eine gesteuerte, natürliche Belüftung. Das muss man natürlich wissen. Also man kann dann selber das Fenster nicht öffnen. Das Fenster öffnet sich, wenn die Luftqualität ein gewisses Maß an Schadstoffen überschritten hat. Die Fenster öffnen sich immer im Sommer, wenn die Nachtauskühlung, also wenn das Temperaturdelta zwischen Tag und Nacht ein gewisses Maß erreicht, dann werden die Fenster mit einer Sensorik, Das sind dann nur so Klappen neben dem eigentlichen Fenster, die öffnen sich und dann hat man über die Nachtausbildung, dann regeneriert sich das Gebäude. Die machen im Moment gerade auch ein Projekt für ein großes Industrieunternehmen. Der Betriebsrat hat dann natürlich die Sorge, ja, das kann ja mal im Sommer wärmer werden als 26 Grad. Und da wurde dann, das ist auch berechtigt, und da wurde dann eine sogenannte Bauteilaktivierung noch installiert. Das ist eine relativ preiswerte Form, das unterstützt dann diese Nachtauskühlung. Das ist nicht nur von der Luft, sondern ich habe dann auch noch eine Kühlung in den Decken, die das dann bewirken. Also wenn ich natürlich dann keine Technik brauche, keine Technikzentrale, keine Schächte, dann ist das natürlich auch ein Faktor für die Baukosten, im Übrigen nachher auch ein Faktor für die Miete, Ich habe natürlich deutlich niedrige Nebenkosten und deswegen glaube ich. Dass wir uns darüber Gedanken machen müssen und das war übrigens in der traditionellen Architektur die Altvorderen. Vor hunderten Jahren haben das manchmal tausend, zweitausend Jahren haben das ja alles gemacht, weil es letztlich ja gar keine Technik gab. Daran müssen wir uns wieder besinnen. Und das kann man nicht überall oder flächendeckend oder reflexhaft einfach machen, sondern man muss wirklich sich damit sehr, sehr tief beschäftigen. Richtige Mitstreiter an Bord holen. Und dann kann man eben auch solche Restriktionen, wenn ich sage, ich kann nicht für die sogenannten 400er-Kosten TGA noch mehr Geld ausgeben. Das war übrigens bei den Baukosten der Bereich, wo wir in den letzten zehn Jahren die größten Steigerungen hatten im Kostenblock 400er technische Gebäudeausrüstung. Als ich Anfang der 2000er Jahre hier in Darmstadt studiert habe, hieß es oft, du musst vor allem entwerfen lernen. Alles andere übernehmen die Fachplaner, Statik, Haustechnik, Wirtschaftlichkeit. Der Architekt, die Architektin entwirft. Ich finde, dass dieses Bild vom Architekten als reinem Gestalter heute fast überholt wirkt. Wenn man Ihren Ausführungen folgt, sind inzwischen deutlich mehr Kompetenzen gefragt, um als Büro erfolgreich zu sein, als nur ein gutes Konzept zu entwickeln. Welche Fähigkeiten sind aus Ihrer Sicht heute wirklich wichtig? Was müssen Architektinnen und Architekten heute zusätzlich mitbringen? Da würde ich gerne ein kleines bisschen ausholen, weil wir haben in Deutschland, und da kommt mir meine internationale Erfahrung natürlich wieder zugute, ich habe übrigens bei HPP dann auch ein Büro in Istanbul eröffnet, ich war unzählige Male in China, wir haben ja da drei Büros gehabt oder haben die immer noch, HPP hat die immer noch, auch sehr erfolgreich. In Deutschland ist die Planungsleistung extrem fragmentiert. Da ist erstmal der Architekt, der ihn wirft. So sind wir, so bin ich auch geprägt vom Studium her. Wir haben uns eigentlich im Wesentlichen mit Entwerfen beschäftigt. Klar hatte man im Grundstudium ein bisschen Tragwerksplanung, ein bisschen TGA-Kurse und was weiß ich, aber das hat man alles schnell wieder vergessen und dann hat man sich im Grunde als Designer definiert. In Deutschland ist das extrem fragmentiert. Es gibt ja den Dorfarchitekten. Manchmal gibt es dann noch keine Fachplaner, weil der Bauherr sagt, ja, Stahlwerksplanung und TGA, das können wir auch später noch machen, ist grundfalsch im Übrigen. Und durch die Entwicklung jetzt, dass wir ja nicht nur die eine Bauweise haben, Massivbau, in der Regel ein Stahlbetonskelett oder Stahlbetonschottenbauweisen bei Wohnungsbau oder Hotel oder Studentenwohnheim, sondern wir haben ja heute Holzbau, Massivholzbau, wir haben Holzständerbauweisen, wir haben Holzhybrid, wir haben Holzbetonhybriddecken, wir haben Ziegelmodule, wir haben vereinzelt auch wieder Stahlbau. Also man kann ja nicht ein Haus entwerfen und dann nachher sagen, das wird sich dann erst in der Vergabe entscheiden, ob das jetzt Holz, Ziegel, Stahlbeton oder was weiß ich wird, sondern diese unterschiedlichen Materialien und Konstruktionsweisen. Die haben ja auch jeweils andere maßliche, also Spannweiten zum Beispiel. Ein Holzbauer hat andere Spannweiten als Beton. Das heißt, man kann da nicht sagen, wir schicken das an alle zehn verschiedenen Anbieter, vom Holzbauer bis zum Stahlbetonskelettbauer und sagen, derjenige, der den besten Preis bietet, der kriegt den Auftrag, sondern wir müssten das dann nochmal komplett umplanen. Deswegen ist übrigens in den Niederlanden das Bauteam ein Thema. Da wird im Grunde relativ früh in der Entwurfsphase die ausführende Firma mit an den Tisch geholt. Das hat natürlich enorme Synergien. Das wird hierzulande ungern gemacht, weil man hat hierzulande immer die Illusion. Mittlerweile ist es eine Illusion. Früher war es natürlich so, ich mache nachher eine Ausschreibung, ich kriege 20 Angebote und dann nehme ich den billigsten. Das ist jetzt alles sehr verkürzt gesagt. Aber das Modell funktioniert nicht mehr. Wir müssen eigentlich irgendwie auch zu dem Thema Bauteam kommen, mit der öffentlichen Hand. Gibt es da Entwicklungen dahin? Das ist erfreulich, das ist zwar erstaunlich, weil im Grunde das öffentliche Vergaberecht das ja gar nicht hergibt, trotzdem gibt es zum Beispiel bei Schulen solche Ansätze. Es gibt auch Vertragsmodelle, die integrierte Projektabwicklung, IPA, die versuchen, das abzubilden. Das ist ein sogenannter Mehrparteienvertrag. Da sind alle, auch der Bauherr, in einen Vertrag gebunden. Das ist sehr interessant. Das macht die Öffentlichkeit mittlerweile bei Großprojekten. Da muss man mal sehen, wie das läuft. Aber in Deutschland ist der Planungsprozess sehr konfrontativ angelegt. Man weiß eigentlich, man zeigt immer mit dem Finger, du bist schuld, du bist schuld, du hast einen Planungsfehler gemacht, du hast den Terminplan nicht eingehalten. Jeder versucht, seine Haut zu retten. Das ist übrigens in anderen Märkten nicht so. Das ist weder in den Niederlanden noch in der Türkei so. Da ist sehr viel mehr gemeinsam entwickelt und jeder bringt sein Know-how ein. Bei uns ist das konfrontativ. liegt vielleicht auch daran, dass es in Deutschland ja eine Architektenhaftpflichtversicherung gibt und der Architekt ja für schuldensunabhängig haftet. Wir hatten in meinen letzten Jahren bei HPP ein Beispiel, wo wir im Grunde. Für einen Schaden gehaftet haben, den eine ausführende Firma 100% verursacht hat. Diese Firma gibt es aber nicht mehr, weil sie vor Jahren schon Insolvenz angemeldet hat. Und dann hat der Bauherr bei der Versicherung des Architekten versucht, noch das rauszuholen, was geht. Man muss für etwas bezahlen und eine Versicherung zahlt ja nicht einfach, sondern erhöht sie beim nächsten Mal die Prämien, wenn man so und so viele Schadensfälle hatte. Und das sorgt alles dafür, dass wir diesen Wahnsinns konfrontativen und fragmentierten Prozess in Deutschland haben. Und da bin ich wirklich entschiedener Meinung, davon müssen wir schrittweise wegkommen. Sonst geht die Planungskultur hier eh vor die Hunde. Damit sprechen Sie ja auch die gesamtschuldnerische Haftung an. Viele Architekturbüros empfinden diese Situation als sehr belastend. Sie führt oft dazu, dass Prozesse vorsichtiger werden und sich Büros bestimmte Themen gar nicht mehr zutrauen, weil die Haftungsrisiken so hoch sind. Wie erleben Sie das und welche Auswirkungen hat das Ihrer Meinung nach auf die Arbeit von Architekturbüros? Ich habe ja, als ich dann bei HPP 2022 altersbedingt ausscheiden musste oder vielleicht auch durfte, Je nachdem, weil ich bin der Meinung, das ist sehr wertvoll, wenn man transparente Regeln hat, dass alle im Unternehmen wissen, was dann wann passiert. Aber ich hatte ja dann auch irgendwo mal den Gedanken, könnte es dich ja nochmal selbstständig machen als Architekt oder könnte, ich bin auch gefragt worden tatsächlich von zwei internationalen Büros, willst du nicht unsere Deutschland-Zentrale oder unsere Deutschland-Niederlassung aufbauen. Habe ich beides abgelehnt, weil und auch das alleine selbstständig machen auch noch viel klarer für mich eigentlich keine Option war, weil ich nicht wollte, dass ich jetzt irgendwie drei Jahre gucken muss, dass ich ein Projekt kriege, dann muss ich drei Jahre planen, umplanen, dann muss ich nochmal warten, dann wird es gebaut und am Ende habe ich nur einen Prozess am Hals und hafte, nur weil, weiß ich nicht, irgendeiner der ausführenden Firmen eben nicht mehr belangt werden kann und, man dann Gesamtschulden als Haftung. Das war für mich völlig klar, dass ich das nicht mehr mache. Ich bin heute im Hintergrund aktiv und so als Mentor, unterstütze das eine oder andere junge Büro, wo die jederzeit zu mir kommen dürfen, wenn sie sagen, Mensch, hier habe ich ein Thema, ich weiß nicht, wie ich damit umgehe, was soll ich denn da machen? Oder auch den einen oder anderen Impuls in konzeptioneller Hinsicht, weil auch junge Menschen, das muss man auch mal ganz deutlich sagen. Natürlich könnte man sagen, wenn man Erfahrungswissen hat, dann tendiert man dazu immer dieses Erfahrungswissen, mit dem man in der Regel gute Ergebnisse erzielt, immer wieder anzuwenden. Und die jungen Architekten, die haben ein anderes Problem, dass sie gewisse Dinge, die vermeintlich aktuell sind, wie zum Beispiel Fassadenbegrünung. Reflexartig überall anwenden. Und das ist auch nicht richtig. Das hat seine Berechtigung, aber das wäre vollkommen auch wirtschaftlicher Unsinn, auch im Übrigen ökologisch, einfach nicht überall mit den Vorteilen behaftet, die der Thematik so unterstellt werden. Ich bin immer in der zweiten Reihe. Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich eine Haltung habe, jeden Tag dazuzulernen. Ich höre gerne auch zu. Aber ich kann auch den heute 25, 28 jährigen Architekten, die sich vielleicht selbstständig machen wollen, da und dort Tipps geben. Da freuen die sich auch drüber. Und das ist für mich heute mehr Zufriedenheit gebend, als wenn ich jetzt nochmal meinen Namen an das oder das Gebäude heften könnte, sagen, da bin ich der Urheber. Ich mache noch ein paar Wohnhäuser. Ich habe eins gemacht, aber das muss ich jetzt nicht wiederholen. Viele junge Architektinnen und Architekten überlegen derzeit, ein eigenes Büro zu gründen, stehen aber gleichzeitig vor vielen Unsicherheiten. Was würden Sie ihnen zum Abschluss mit auf den Weg geben? Was kann ihnen Orientierung und Mut geben, diesen Schritt trotzdem zu wagen? Das Dilemma, über das wir alle klagen. Wir reden ja über, dass wir irgendwo mit der Baukostengrößenordnung kommen müssen, damit viele Projekte überhaupt erst möglich werden. Oder dass Mieten möglich sind, die die Breite der Bevölkerung bezahlen kann. Ich kann natürlich ein Wohngebäude bauen und kann 20 Euro pro Quadratmeter netto kalt verlangen. Das habe ich im Übrigen schnell. Das ist jetzt gar keine Kunst, das ist jetzt nicht irgendwie ganz grob, sondern eigentlich, wenn man ganz ehrlich ist, wenn man sich alle Komfortkriterien, alle Regeln der anerkannten Regeln der Technik, Normen und so weiter einhält. Wir haben ja tausende Normen im Baubereich. Dann kommt man in Verbindung mit den Baukosten, mit dem Grundstück, mit den Nebenkosten, Finanzierung und so weiter schnell auf so eine Größenordnung. Das funktioniert nicht. Ich bin aber der Meinung, der Ruf nach der Politik, Stichwort auch Rau-Turbo, da zu warten, bis man dann wirklich daraus abgeleitet Hebel hat, um wirklich viel zu bewirken, ist falsch. Weil das dauert so lange und das wird auch nicht das bringen, was wir uns vielleicht in der Theorie davon versprechen. Ich habe gerade die Tage, vielleicht haben Sie auch den Post auf LinkedIn gesehen. Da hat ein Bauherr, den ich im Hintergrund auch berate, in Holzbauunternehmen in Nordrhein-Westfalen, für sich selber ein Bürogebäude geplant und ist dabei, das jetzt gerade zu bauen. Und da hat der Geschäftsführer auf dem Bierdeckel tatsächlich Punkte aufgelistet, wie er die Baukosten am Ende um 12,13 Prozent reduzieren konnte. Und zwar im Rahmen der gültigen Regeln und Normen. Ich will mal ein paar Punkte erwähnen, vielleicht der drastischste. Er hat gesagt, wir haben drei Geschosse und er hat versucht, einen Aufzug bei einem namhaften Aufzugshersteller nach dem Prinzip Product as a Service einzukaufen. Das heißt, er hat gesagt, ich zahle pro Aufzugsfahrt im Monat eine Miete. Zwei haben gerechnet, die anderen acht haben abgewunken. Aber im Endeffekt hätte man für das, was an Miete rauskommt, den Aufzug nach drei Jahren auch bezahlen können. Also hat er gesagt, dann lassen wir den Aufzug weg. Wir haben trotzdem Barrierefreiheit und so weiter alle Regeln eingehalten, aber wir machen keinen Aufzug in dem. Wir lassen den weg. Zweiter Punkt war, Wir entwickeln was Innovatives. Wir machen keine, von Innovation ist ein wichtiges Stichwort. Wir überlegen uns eine Decke, die nicht unerdeckend Material verbaut. Und wir haben dann so eine Hohlkastendecke entwickelt mit dem Tragwerksplaner. Und wir haben gesagt, da muss es eine Lüftung geben in dem Haus, weil Holz hat ja wenig Speichermasse. Und wir bauen aber keine Kanäle aus Stahl, sondern wir nutzen diese Hohlkastenvolumina in der Decke. Und verbinden die über Löcher, sodass wir im Grunde keine Kanäle brauchen. Wir können die Luft über die Decke verteilen und wir brauchen keine Kanäle. Also das, was jetzt Kanäle, wurde dann kalkuliert, das können wir uns einsparen. Das ging dann weiter, dass die Fassade letztlich aus Abfallresthölzern gesägt wurde, eine Lamellenfassade, und die haben natürlich viele relativ große Reststücke, Wenn zum Beispiel in einer massiven Brettsperrholzwand ein Türausschnitt rausgesägt wird, dann habe ich ein 2 Meter auf 1 Meter großes Stück, mit dem ich im Grunde erstmal nichts anfangen kann. Das kann ich jetzt auf den Hof rausbringen und von jemandem abholen lassen, der da Pellets macht oder es anderweitig beheizt. Und ich kann das aber auch aufschneiden und kann da die Lamellen für die Fassade machen. Ja, das wurde so gemacht. Dann haben wir, da stand eine uralte, belanglose Lagerschuppe mit einer Betonbodenplatte und ein paar Ziegelwänden. Da haben wir gesagt, das schreddern wir vor Ort. Und bringen das zur Baugrundverbesserung für die Bodenplatte für das neue Gebäude ein. Sonst hätten wir das den Abruf und den immer wegfahren lassen. Wohin, weiß ich nicht. Vielleicht auch die Deponie. Und wir hätten dann Kies gekauft. Primäre Ressource, Kiesgrube muss noch größer werden. All das hat der Entwickler, und da waren noch drei, vier, fünf Punkte, geht auch so weit, dass er gesagt hat, die ganze Inneneinrichtung vom Büro, die können wir secondhand kaufen. Wir brauchen keine nagelneuen höhenverstellbaren Schreibtische. Wir brauchen keine nagelneuen Standleuchten oder Abgependelte. Dafür gibt es Sekundärmärkte, das kaufen wir. Da ist man dann im Übrigen ungefähr bei der Hälfte dabei. Und wenn man das dann alles zusammenzählt, dann kam der auf 12-3% Einsparung. Und das finde ich innovativ, kreativ. Da ist die eine oder andere radikale Maßnahme wie mit dem Aufzug dabei. Das kann man nicht überall machen, klar. Er kann das machen, das Gebäude bleibt bei denen im Bestand, da wird auch nichts vermietet, ist auf dem Land, werden die ewig behalten. Und es ist noch eine Rücknahmevereinbarung, die die selber für die Bauteile dann mit eingerechnet haben, also ein Restwert. Und Ressourcenwert, das sind sehr viele Standardbauteile, das geht dann sehr gut. Im Übrigen gibt es dann dafür auch noch Carbon Credits, weil durch die Nutzung im Gebäude und durch die Rücknahmeerklärung ist ja dokumentiert, dass diese Bauteile langfristig genutzt werden, also nicht verbrannt werden. Und da gibt es dann Carbon Credits auch noch. Und wenn man das alles aufsummiert, da gibt es also echt Cash und man kann die auch handeln. Das sind einfach Hebel, wo man die Baukosten schon im zweistelligen Bereich nach unten bringt. Ein anderer Hebel wäre übrigens auch noch, und da wird es jetzt natürlich ein bisschen rutschig, was ich jetzt sage, ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass wir für einen Teil unserer Gebäude tatsächlich im Systembau denken müssen. Weil die Effizienz, wenn man sich mal anguckt, wie sich die Effizienz der Bauindustrie entwickelt hat, im Vergleich zu anderen Industrien ist das sehr dramatisch, weil die Bauindustrie hat sich im Grunde sehr wenig entwickelt. Wir bauen eigentlich viel zu teuer, weil die Prozesse nicht optimiert werden konnten, weil wir im Grunde immer sehr individuelle Lösungen machen und zwar unnötigerweise. Mir hat mal ein Ziegelbauer gesagt, ich sitze da mit dem Bauherrn und dem Architekten und ich sage dem Architekten und dem Bauherrn, wenn du die Fenster fünf Zentimeter schmaler machst oder keine Verglasung über Eck, dann kann mein System das deutlich effizienter abbilden, dann wird es deutlich preiswerter. Weil dann muss ich nicht anfangen, fünf Zentimeter von dem Ziegel abzuschneiden, sondern dann passt das in meinem System. Und wenn du dich mit meinem System beschäftigst, wir haben das auch optimiert in Bezug auf Wärmebrücken. Wir haben das so konzipiert, dass in den 2D-Modulen Fenster und Lüftung und Verschattung integriert ist, also auch ein bisschen gewerkeübergreifend. Da ist nicht erst nur der Rohbauer und dann kommt derjenige, der die Fenster einbaut und dann kommt der Dritte, die Lüftung einbaut und dann kommt jemand, der putzt oder wie auch immer, bekleidet das Stück weit. Wir müssen da die Werke übergreifender werden, wir müssen modularer werden. Ich bin nicht der radikale Befürworter für 3D-Module. Die haben auch ihre Berechtigung für bestimmte Bauaufgaben und unter bestimmten Voraussetzungen. Aber ich bin großer Befürworter, dass wir Systeme entwickeln, auch Gewerke übergreifen, dass wir auf einer Baustelle nicht mehr 30 Gewerke haben, sondern nur 10. Dass die Prozesse weniger störanfällig sind, dass wir nicht in gestörte Prozesse laufen. Wenn wir diese Potenziale ausnutzen, dann müssen wir eigentlich nicht darauf warten, bis die Politik alles gelöst hat. Wenn sie es trotzdem tut, wunderbar, dann haben wir vielleicht noch ein paar mehr Spielräume oder auch mehr Sicherheit, weil im Moment, wenn man sich von den Regeln der anerkannten Regeln der Technik oder die Normen entfernt und es kommt zum Schaden, verliert man eben in acht von zehn Fällen vor Gericht, weil der Richter macht nichts anderes, der guten Gutachter, der Gutachter guckt, ob alle Normen und anerkannten Regeln der Technik eingehalten sind, wenn nicht, hast du verloren. Das ist auch das Bauvertragsrecht müsste geändert werden. Das wurde ja alles schon mal relativ weit getrieben von der letzten Regierung, aber jetzt haben wir eben wieder ein Jahr verloren. Also es gibt schon ein paar Stellschrauben auch im Sinne von Regulatorik, im Sinne von Gesetze, im Sinne von Vereinfachung, Entbürokratisierung, digitaler Bauantrag und all diese Dinge. Und dann würden sich wirklich auch an der Baukostenthematik etwas bewegen lassen. Da gibt es auch Beispiele, ich will jetzt keine Namen nennen, aber es gibt da schon Vorreiter in der Industrie, die da schon eigentlich das Ziel beginnen zu erreichen. Mit dem Ende seiner Tätigkeit bei HPP im Jahr 2022 begann für Gerhard Feldmeyer eine neue Phase. Nach mehr als drei Jahrzehnten im internationalen Planungsgeschehen nutzt er heute bewusst die Freiheit, seine Erfahrung dort einzubringen, wo sie etwas bewegen kann. Wirtschaftliche Interessen spielen für ihn dabei eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist die Frage, wie sich Wissen weitergeben und die Bau- und Immobilienbranche zukunftsfähig gestalten lässt. Als Botschafter der Madaster Foundation engagiert er sich für digitale Werkzeuge der Kreislaufwirtschaft, etwa für Gebäuderessourcenpässe und Zirkularitätsbewertungen, die Materialströme sichtbar und nutzbar machen sollen. Parallel arbeitet er für die Landmarken gruppe im Bereich Product Innovation. Dort begleitet er sowohl die Entwicklung neuer Bauprodukte, gemeinsam mit der Industrie, als auch die Konzeption neuer Immobilienformate, vor allem gemischt genutzter Quartiere. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Mentorenrolle. Gerhard Feldmayer berät junge Architekturbüros, Start-ups und Planende im Hintergrund bei konzeptionellen und strategischen Fragen. Auch akademisch bringt er sich ein, etwa im Zukunftsrat Lifelong Learning, der EBZ Business School. Und er schreibt, regelmäßig, zu Themen wie Suffizienz, Materialeinsparung und dem Bewussten weglassen. Weniger ist mehr. Viele dieser Themen hatte er bereits in den letzten Jahren seiner Tätigkeit bei HPP für sich gesammelt. Heute widmet er sich ihnen mit voller Aufmerksamkeit. Sein Ziel ist es, die Transformation der Branche mitzugestalten und zugleich die nächste Generation zu ermutigen, Architektur, Immobilienwirtschaft und Verantwortung stärker zusammenzudenken. Das war eine weitere Folge von Planstimme, dem Format von Architektourist über die Menschen hinter den Plänen. Mehr über Gerhard Feldmayer, seine aktuellen Aktivitäten und weiterführende Informationen zu den angesprochenen Themen findest Du wie immer in den Shownotes. Wenn Dir diese Folge gefallen hat, empfiehl sie gern weiter, gib eine Bewertung bei Spotify oder Apple Podcasts ab und abonniere den Podcast, um keine Episode zu verpassen. Ich bin Alexandra Busch, danke dir fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge von Architektourist.

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