#70 Plan.Stimme – Sven Urselmann, Urselmann Interior
Vom Bestand aus entwerfen
12.02.2026 36 min
Zusammenfassung & Show Notes
Innenräume werden häufig nach wenigen Jahren erneuert, obwohl viele Materialien weiterhin nutzbar wären. Diese Folge von Plan.Stimme zeigt eine andere Perspektive: Innenarchitektur als Kreislaufsystem, geplant für Wiederverwendung statt für schnellen Austausch.
Zu Gast ist Sven Urselmann, gelernter Tischler und Gründer von Urselmann Interior in Düsseldorf. Sein Büro verbindet Planung und Umsetzung im Design-Build-Ansatz und entwickelt Innenausbaukonzepte, die Materialien erhalten, wiederverwenden und rückbaubar gestalten. Wir sprechen über aktuelle Projekte im Bestand, über neue Entwurfsprozesse mit vorhandenen Materialien und über den Bauwendehof in Düsseldorf, ein Reallabor für zirkuläres Bauen und Handwerk.
Experte in dieser Episode:
Sven Urselmann – Gründer und Geschäftsführer, Urselmann Interior
Links zur Folge:
Urselmann Interior – Büroprofil
Bauwendehof Düsseldorf
Cradle-to-Cradle-Prinzip (auf Wikipedia)
Cover: KI-generiert mit ChatGPT
Zu Gast ist Sven Urselmann, gelernter Tischler und Gründer von Urselmann Interior in Düsseldorf. Sein Büro verbindet Planung und Umsetzung im Design-Build-Ansatz und entwickelt Innenausbaukonzepte, die Materialien erhalten, wiederverwenden und rückbaubar gestalten. Wir sprechen über aktuelle Projekte im Bestand, über neue Entwurfsprozesse mit vorhandenen Materialien und über den Bauwendehof in Düsseldorf, ein Reallabor für zirkuläres Bauen und Handwerk.
Experte in dieser Episode:
Sven Urselmann – Gründer und Geschäftsführer, Urselmann Interior
Links zur Folge:
Urselmann Interior – Büroprofil
Bauwendehof Düsseldorf
Cradle-to-Cradle-Prinzip (auf Wikipedia)
Cover: KI-generiert mit ChatGPT
Der Podcast:
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.
Seid bei der nächsten Folge wieder dabei, wenn wir weitere spannende Projekte und Persönlichkeiten aus der Welt des Bauens vorstellen. Wenn Euch die Episode gefallen hat, abonniert Architektourist bei Eurem bevorzugten Podcast-Anbieter.
Ihr habt Fragen oder Vorschläge? Wir freuen uns auf Eure Nachrichten unter kontakt@architektourist.de.
Architektourist bietet eine Hörreise durch unsere gebaute Umwelt. In jeder Episode nehmen wir Euch mit in die Welt der Architektur und Baustoffe, erkunden kreative Anwendungen und tauchen ein in die Geschichten hinter den Bauprojekten – von der ersten Skizze bis zur fertigen Umsetzung.
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Transkript
Du hörst Planstimme, ein Format von Architektourist.
Hier geht es um die Menschen hinter den Plänen, ihre Haltung,
ihre Arbeitsweise und ihre Gedanken zum Bauen von morgen.
Kaum ein Teil eines Gebäudes verändert sich so schnell wie sein Innenausbau.
Materialien, Oberflächen und Einbauten werden häufig schon nach wenigen Jahren
ersetzt, obwohl viele davon technisch noch lange nutzbar wären.
Doch was passiert, wenn Innenarchitektur von Anfang an als Kreislaufsystem gedacht
wird, geplant für Wiederverwendung statt für den schnellen Austausch?
Genau daran arbeitet Sven Urselmann, Gründer des Büros Urselmann Interior in Düsseldorf.
Diese Episode ist ein Einstieg in eine andere Art zu planen.
Ein Moment aus einem Umbauprojekt. Ein leer stehendes Bürogeschoss,
seit Monaten ungenutzt.
Die Schreibtische sind ausgeräumt, an einigen Stellen hängen noch alte Beschilderungen,
die abgehängten Decken zeigen erste Öffnungen, durch die Kabelstränge sichtbar werden.
Eigentlich wäre jetzt der Moment gekommen, in dem Container vorfahren und das
Geschoss komplett entkernt wird.
Doch diesmal beginnt der Umbau anders.
Bevor auch nur ein Bauteil entfernt wird, gehen die Teams aus Planung und Handwerk
systematisch durch die Räume.
Sie prüfen, welche Elemente erhalten bleiben können.
Glastrennwände, die sich reinigen und wieder einsetzen lassen,
Türen, deren Beschläge weiterverwendet werden können, Wandoberflächen,
die nicht beschädigt sind und nur aufgearbeitet werden müssen.
Erst danach startet der Rückbau, sorgfältig und sortenrein, aber nicht mit der
Absicht zu entsorgen, sondern mit dem Ziel, möglichst viele Materialien erneut zu nutzen.
Auf Basis dieser Bestandsaufnahme entsteht anschließend der Entwurf für den Umbau der Büroetage.
Welche Funktionen braucht die neue Arbeitswelt?
Wo können vorhandene Bauteile wieder eingesetzt werden?
Und welche Materialien lassen sich ergänzen, ohne neue Ressourcen unnötig zu verbrauchen?
Erst mit dieser Planung beginnt die eigentliche Umsetzung.
Parallel zu den aufgearbeiteten Bestandselementen kommen Materialien aus anderen
Rückbauprojekten hinzu.
Holzflächen alter Theaterstühle werden aufbereitet, zugeschnitten und später
zu neuen Wandverkleidungen zusammengesetzt.
Weitere Bauteile, die bereits ein erstes Leben hinter sich haben,
werden ergänzt, angepasst und in das Gestaltungskonzept integriert.
Wenn die Räume schließlich fertig sind, wirkt nichts improvisiert.
Helle Arbeitsbereiche wechseln sich mit Besprechungsräumen ab,
Glasflächen sorgen für Transparenz und die Wandverkleidungen aus unterschiedlich
gealterten Holzoberflächen geben den Räumen eine warme, lebendige Materialsprache.
Die Spuren früherer Nutzungen sind bewusst Teil der Gestaltung geblieben,
sichtbar, aber neu zusammengesetzt.
Genau mit solchen Prozessen beschäftigt sich Sven Urselmann und sein Büro Urselmann Interior.
Sein Team verbindet Planung und Umsetzung konsequent miteinander und entwickelt
Innenräume, die als zukünftige Materiallager gedacht sind, mit wiederverwendeten Bauteilen,
demontierbaren Konstruktionen und einem Entwurfsansatz, der Handwerk-,
Gestaltung- und Kreislaufwirtschaft zusammenführt.
Ich wollte von Sven Urselmann zunächst wissen, Wie dieser Ansatz entstanden
ist und wie er sein Büro heute versteht.
Wir sind aus der Entstehungsgeschichte, würde ich sagen, schon kein klassisches
Innenarchitekturbüro und verstehen uns auch als ganzheitliche Anbieter, Design and Build.
Ich selber habe einen Handwerksberuf erlernt, ich bin Tischler und habe zehn
Jahre Erfahrung gesammelt bei Generalunternehmern auf der Baustelle.
Learning by Doing in der Bau- und Projektleitung, Wand, Bodendecke,
Brandschutz, all die Themen hat man in der Projektleitung abgedeckt und meine
Kolleginnen und Kollegen waren entsprechende Experten auf ihren verschiedenen
Gebieten, Bodenlegermeister,
Brandschutz-Sachverständiger, das war quasi so das Team und dort habe ich gelernt
und heute machen wir Planung, Innenarchitekturplanung, ganzheitliche Planung.
Und auch dann die Umsetzung, weil wir halt aus dem Handwerk kommen und wir diese
beiden Disziplinen planen und umsetzen, wieder näher zusammenbringen möchten,
vor allen Dingen, weil wir das kreislaufgerecht tun und da muss man sowieso
den gesamten Gestaltungsprozess etwas anders denken.
Also das würde ich sagen, tun wir hier für Büros, richten wir ein für Projektentwickler,
für die öffentliche Hand, Co-Living Spaces, Senior Living, verschiedene Gesundheitsthemen
haben wir schon gemacht.
Sven Urselmann ist gelernter Tischler, Gründer des Düsseldorfer Büros Urselmann
Interior und jemand, der den Innenausbau konsequent aus der Perspektive der
Kreislaufwirtschaft denkt.
Nach mehr als 15 Jahren Erfahrung im klassischen Innenausbau,
viel Baustellenpraxis und einer Ausbildung zum technischen Zeichner gründete
er 2019 sein eigenes Unternehmen, mit dem Ziel,
das Cradle-to-Cradle-Prinzip systematisch in die Innenarchitektur zu übersetzen.
Heute arbeitet ein achtköpfiges Team an Projekten für Büros,
Wohnungen, Co-Living- und Co-Working-Flächen oder Seminarräume.
Mehr als 50 Projekte sind bereits nach kreislauffähigen Prinzipien entstanden.
Charakteristisch für Ihre Arbeit ist ein Perspektivwechsel im Entwurfsprozess.
Statt sofort Materialien passend zum Entwurf auszuwählen, beginnt die Planung
häufig mit der Frage, welche Ressourcen bereits vorhanden sind.
Design follows availability, beschreibt diesen Ansatz.
Gestaltung entsteht aus dem, was verfügbar ist, ergänzt durch gesunde,
zertifizierte oder nachwachsende Materialien, wenn Reuse-Bauteile nicht ausreichen.
Gleichzeitig verfolgt das Büro ein klares Ziel. kreislauffähiges Bauen wirtschaftlich
konkurrenzfähig zu machen und damit massentauglich.
Mit Initiativen wie dem Bauwendehof in Düsseldorf, Seminaren zum zirkulären
Bauen und einer transparenten Kommunikation des eigenen CO2-Fußabdrucks arbeitet Sven Urselmann daran,
Innenausbau über reine Emissionsreduktion hinaus in Richtung eines regenerativen
Bauens weiterzuentwickeln.
Um das konkret zu machen, habe ich Ihnen gebeten, ein aktuelles Projekt vorzustellen
und zu zeigen, wie Planung aussieht, wenn der Bestand der Ausgangspunkt ist.
Ein aktuelles Projekt sind 3.500 Quadratmeter Projektentwicklung im Bestand
in Essen, im Essener Stadtzentrum.
Ein Gebäude, mehr als 100 Jahre alt, dort soll ein Living Space entstehen.
Da wird Büro zu Wohnen umgebaut und unsere Aufgabe ist es.
Die Zimmer und öffentlichen Bereiche zu gestalten und zwar nach der Denkschule
von Cradle to Cradle, also von Kreislaufwirtschaft.
Das bedeutet also, wir gucken uns an, was gibt es im Bestand.
Dort haben in den letzten 50 Jahren verschiedene Unternehmen,
da war mal eine Sparkasse drin, da war mal die AWO drin, da war mal eine Zentrale
der SPD drin. also wirklich sehr unterschiedliche Nutzungsszenarien gehabt.
Wir haben unten einen Doppelboden, wir haben aber auch noch so alte Wandverkleidungen
aus Eiche, die immer so früher die EC-Automaten quasi verdeckt haben.
Und dann haben wir auf der anderen Seite aber auch ein Travertin auch.
Und also du entdeckst wirklich verschiedene Layer und die Geschichte dieses Gebäudes. Wir haben...
Wollen das jetzt für einen gänzlich neuen Nutzungscase für Wohnen und neues
Zusammenwohnen, für Co-Living herrichten und umsetzen.
Das bedeutet also, man richtet auch Arbeitsplätze ein, Community-Bereiche,
Lounge-Bereiche, Fitnessräume, all diese verschiedenen Dinge.
Dann schauen wir, okay, das gibt dann erstmal die ganz klassische Ebene,
welche Funktionen müssen erfüllt werden, die ich gerade beschrieben habe.
Und dann ist die Frage, wie wir das optisch gestalten, Materialitäten und dann
fangen wir erstmal an und gucken, was gibt denn das Gebäude her, der Bestand.
Dinge, die man normalerweise früher in Gänze komplett entkernt hätte,
wo man das auch weggeschmissen hätte.
Wir haben Doppelbodenplatten, die jetzt nicht mehr gebraucht werden,
also nicht mehr als Form des Doppelbodens oder auch diese vermeintlich in die
Jahre gekommenen Eiche-furnierten, oder ja nicht so Eiche, sondern Alteiche,
würde ich eigentlich sagen.
Also Farbton ist auf jeden Fall jetzt nicht mehr die moderne Eiche,
wie man sie sonst so kennt.
Und diese Dinge wären früher klassisch in der Entkernung dann entsorgt worden.
Wir haben noch auch alte Fliesen, die so ein Altweiß haben.
Diese Elemente erachten wir aber als wichtiger Teil der Gestaltung und wir möchten sie übernehmen.
Und die werden wir quasi vor Ort ernten und aus den Bodenplatten machen wir
dann zum Beispiel neue Podeste oder aus den Fliesen,
die in Küchenbereichen oder in WC-Bereichen installiert waren,
machen wir dann Sockelfliesenelemente und alle Dinge,
die wir neu ins Gebäude, Also da übernehmen wir quasi und nutzen Bestand und
nutzen auch das quasi als erstes Gestaltungsmittel und dann schauen wir,
wie können wir diese Produkte in die Neuzeit bringen, wie können wir einen Kontrast herstellen,
zum Beispiel diese alte Eiche im Kontrast mit Edelstahl, mit Reuse Edelstahl-Gastromöbeln
für den neuen Küchenbereich zum Beispiel.
Da versuchen wir, ein Spannungsfeld zu erzeugen und können wir vielleicht auch
Stöße zeigen, wenn es bedeutet, dass wir die Dinge einfacher zurückbauen können.
Also erstmal Reuse und dann im zweiten Step schauen wir, ob wir kreislaufgerechte
Produkte einbringen können.
Zum Beispiel sitze ich hier gerade in unserer Podcast-Kabine und hier ist überall
Seegras um mich herum zu sehen, die schallakustisch sehr gut funktionieren.
Auch das nutzen wir zum Beispiel, weil das CO2-Negativ ist. Es hat beim Wachsen
mehr CO2 gebunden als in der Herstellung.
Imitiert wurden. Diese Produkte bringen wir zusammen, challengen Sehgewohnheiten
und bauen so, dass wir in fünf oder zehn Jahren wieder einfach zurückbauen können.
Design for Disassembly ist dahingehend das Stichwort, wie wir gestalten.
Das ist, glaube ich, so die Kernpunkte, die wir da tun.
Und wir müssen immer sehr früh im Prozess schon an Bord sein,
damit wir unseren ganzheitlichen Ansatz verfolgen können, damit wir einfach
Dinge im Gebäude, bevor es zurückgebaut wird, bevor es weggeschmissen wird,
quasi wiedergewinnen können.
Das heißt, neue Materialien setzt ihr möglichst nicht ein?
Doch, also in der Skalierung kann man es gar nicht vermeiden.
Also Concular, Materialbuffet, Trash Galor und in Hamburg auch,
gibt es überall Initiativen und Unternehmen, die sich mit der Skalierung von
Reuse auseinandersetzen.
Und auch wir haben hier in Düsseldorf den Bauwendehof gegründet,
zusammen mit der Werkstatt für Zirkuläres Handwerk, Pax und Alena.
Wir wollen dieses Thema skalieren.
Also wir wollen wirklich dafür sorgen, dass ganz viele Produkte,
die noch weiter nutzbar sind, auch weiter genutzt werden.
Aber wenn man 80 Zimmer einrichtet, dann kommt man nicht umher,
auch neue Produkte einzusetzen. Wenn neue Produkte kreislaufgerecht gestaltet
sind, können die super wertvoll sein, um bei diesem Seegras zu bleiben.
Wie ich gerade sagte, es ist CO2 negativ, weil das Seegras beim Wachsen mehr
CO2 aufgenommen hat, als bei der Produktion entsteht. Sie sind in dem Fall sogar,
glaube ich, Cradle-zertifiziert und auch Material Health.
Also die gesundheitlichen Implikationen davon sind sehr positiv auf den Menschen
und den Planeten und von daher geht es genau darum, auch diese Produkte in der
Skalierung in Projekte einzubringen.
Ich stelle mir vor, dass ihr sehr stark vernetzt sein müsst,
um zu wissen, wo gerade Materialien verfügbar werden oder welche Hersteller
Produkte zurücknehmen und wieder aufbereiten.
Wie organisiert ihr das denn? Wie bleibt ihr auf dem aktuellen Stand und findet
die passenden Materialien für eure Projekte?
Ab und zu kommen die Materialien inzwischen zu uns, weil wir genau dafür wahrgenommen werden,
rufen uns spannende Bauherrinnen und Bauherren an und sagen,
hey, wir haben hier noch 400 Quadratmeter Schlossdielen, die sind jetzt vor
fünf Jahren eingebaut worden, da waren wir im Bulthaup-Showroom,
die wollen wir ungern wegschmeißen, 28 Zentimeter breit, 28 Millimeter starke
Douglasie-Schlossdielen.
Solche hochwertigen Materialien kaufen wir dann an oder übernehmen sie und wissen
dann, unsere nächsten Gestaltungen oder Möbel oder Wandverkleidungen sollten
dann aus diesem Material sein.
Oder das Netzwerk, was ich vorhin beschrieben habe, dazu gibt es ja auch Online-Plattformen,
wo man sich entsprechend informieren kann.
Und bei den Herstellerinnen und Hersteller ist es so, dass die letzten fünf
Jahre, seitdem wir Urselmann Interior gegründet haben, Also wir haben uns fünf Jahre
lang Gedanken gemacht und experimentiert.
Welche Herstellerinnen und Hersteller passen gut, welche Produkte sind nach
unserer Denkweise einzubauen und gehen da jetzt auch konkrete Kooperationsverträge
ein, weil wir den Kreislauf auch schließen wollen.
Also wer nimmt eigentlich, wer sieht denn sein eigenes Material als Rohstoff?
Wer möchte sein Material eigentlich wieder zurückhaben? Das tun wir gerade und
wir müssen vor allen Dingen dafür
Sorge tragen über Innovation in der Ausführung und auch in der Planung,
dass das Bauen und dass unsere Ausführung, das kreislaufgerechtes Bauen,
gleich teuer oder günstiger ist als konventionelles Bauen.
Das ist die Aufgabe, der wir uns 2026 widmen. Also auch die letzten 50 Projekte,
die wir schon abgeliefert haben nach dieser Bauweise, haben unsere Kunden nicht mehr gekostet.
Aber momentan haben alle immer noch den Eindruck, dass nachhaltiges Bauen oder anderes teurer ist.
Und das ist es manchmal auch. Und Produkte sehr konkret pro Quadratmeter sind vielleicht teurer.
Aber dann ist es unsere Aufgabe als ganzheitlicher Lösungsanbieter,
dafür zu sorgen, dass unsere Kunden unterm Strich nicht mehr zahlen.
Und das zu erreichen, stelle ich mir aber auch einen intensiven Dialog mit den Herstellern dann vor.
Vielleicht entwickelt ihr ja auch gemeinsam Details für Produkte,
die man dann hinterher leichter wieder trennen kann? Ja, exakt. Genau so ist es.
Also wie können wir Produkte durch einen höheren Vorfertigungsgrad effizienter
auf der Baustelle verbauen?
Wie können wir für unsere Kundinnen und Kunden die Entsorgungskosten eliminieren?
Und wie können wir wirklich geschlossene Kreisläufe bauen? Wie können wir den
Planungsprozess viel, viel effizienter strukturieren?
Weil da sehe ich einen, ich bin selber kein Architekt, deswegen mögen es mir
die Architektinnen und Architekten verzeihen.
Aber momentan wird extrem viel in Planungssilos gearbeitet.
Der eine macht einen schönen Entwurf, dann hat man einen Ausführungsplaner, der sagt dann,
der Entwurfsarchitekt war ganz schön doof, Das kann man, also schöne Bilder
und dann macht er nochmal sein eigenes Aufmaß und dann übergibt man größere
Projekte an ein GU und dann sagt er, ja, Leichtdecker vom Bauen.
Also, das müssen wir jetzt mal richtig planen, wie man auch Wände aufbaut und
so weiter. Überall werden Arbeiten doppelt gemacht.
Wir sehen es in unserer täglichen Arbeit, wenn wir relativ am Ende in der Innenarchitektur
oder im Fitout quasi beauftragt werden und die Dinge, die wir dann planungsmäßig übernehmen.
Die haben eine hohe Qualität, Aber häufig arbeiten die Programme,
die man in den unterschiedlichen Büros verwendet, nicht wirklich sehr synchron und gut miteinander,
sodass man hohe Datenverluste hat, ganz viele Arbeiten doppelt macht.
Da müssen wir ran. Wir wollen den gesamten Prozess in Zukunft in der Hand haben
und für unsere Kunden ganzheitliche Revitalisierung von Gebäuden übernehmen
und in einem Modell arbeiten,
was nachher auch vom Kunden die Daten, die da erzeugt werden,
nutzbar gemacht werden.
Eure Planungsprozesse sind sicher sehr individuell.
Ihr arbeitet ja mit der Vorgabe, möglichst Materialien zu verwenden,
die bereits im Einsatz waren und wirklich kreislauffähig sind.
Führt das eigentlich zu anderen kreativen Prozessen als in der klassischen Planung,
bei der man eher auf standardisierte Materialien zurückgreift? 100 Prozent.
Also unsere Materialbibliothek sieht anders aus oder ist viel kleiner als die
Materialbibliothek anderer Gestalterinnen und Gestalter.
Und in der Begrenzung liegt die kreative Aufgabe.
Aber man könnte uns jetzt vielleicht unterstellen, dass wir,
weil wir diese Begrenzung an Neumaterialien zum Beispiel haben.
Nicht aus der Völle schöpfen können.
Aber ich würde sagen, wir müssen gucken, dass wir mit den Dingen,
die heute schon verfügbar sind, die auch Preisparität haben zu konventionellen
Baustoffen, dass wir die so spannend kombinieren mit der Idee von Reuse,
dass wir daraus eine zwar auf einer Seite modulare Architektur oder Innenarchitektur
erzeugen, die wir aber ergänzen durch den Aspekt der Weiternutzung und da erzählt
halt jedes Material eine eigene Geschichte.
Wie geht ihr denn mit Patina und Gebrauchsspuren um bei Materialien,
die ihr einsetzen wollt? Stört euch das? Also ich nehme an, nicht.
Da votieren wir natürlich stark und wir geben auch mit meiner Kollegin Caroline
Happ zusammen Interior Workshops, wo wir erklären und zeigen an all den Beispielen,
die wir gebaut haben, wie wir planen.
Ein ganz essentieller Punkt ist, dass wir am Anfang, bevor wir anfangen,
überhaupt ein Projekt in der Tiefe zu besprechen, mit unserem Kunden die Haltung definieren.
Sind wir uns einig darüber, dass so wie wir heute bauen, massiv dazu beiträgt,
wie wir den Planeten zerstören, Ressourcen verschwenden, zu viele Emissionen ausstoßen.
Sind wir da auf einer Linie, glauben wir der Wissenschaft.
Und wenn das der Fall ist, dann würden wir dringend empfehlen,
dass wir uns erstmal euren Bestand ansehen und die Dinge, die noch gut sind,
übernehmen, auch wenn sie vielleicht outdated wirken.
Aber unsere Aufgabe ist es, die so spannend neu ins Verhältnis zu setzen,
dass sie danach eine Geschichte erzählen.
Deswegen ist Patina oder Kratzer für uns kein Reklamationsgrund.
Wenn wir uns darüber einig sind, wir können für alle Materialien,
die wir verbauen, die CO2-Emission in Kilogramm benennen.
Und wenn die Funktion nicht beeinträchtigt wird und wenn das Gesamtergebnis
hervorragend ist, dann kann eine Gebrauchsspur oder ein kleiner Kratzer unten
rechts an der Tür oder ähnliches kein Reklamationsgrund sein.
In einer Welt, die in Kreisläufen gedacht ist, beziehungsweise in der wir die
Klimakrise endlich in der Form ernst nehmen, wie wir es tun sollten.
Ich kann mir vorstellen, dass nicht alle Auftraggeber diesen Ansatz sofort mitgehen, oder?
Zum Beispiel, wenn ein Unternehmen möglichst clean und minimalistisch auftreten
möchte und erst mal Vorbehalte gegenüber wiederverwendeten Materialien hat.
Wie geht ihr denn mit solchen Situationen um?
Wie überzeugt ihr Auftraggeber, die diesem Planungsansatz anfangs noch skeptisch gegenüberstehen?
Durch Beispiel überzeugen. Zu uns ins Büro einladen und sagen,
schaut, wir sind ja im Circle Office in Düsseldorf. Wie ist die Gesamtgestaltung
und Gesamtwahrnehmung?
Und die ist bisher durch die Bank weg sehr positiv, egal ob es CEOs waren,
Rechtsanwälte, wer auch immer.
Also durchgebaute Beispiele überzeugen, dass das Gesamtergebnis herausragend
wird. Und wenn wir uns ein Holz ansehen und wie eine Echtholzoberfläche die
Maserung aussieht, dann ist sie auch jedes Mal unterschiedlich.
Und dann hat sie auch Äste, vermeintliche Imperfektionen, wenn man sie neben
eine hochglanzlackierte Oberfläche legt.
Aber gerade in der Imperfektion und in der Irregularität der Maserung liegt
doch gerade die Spannung.
Ja, ich glaube, da müssen wir aufbrechen oder hinterfragen. Vor 25 Jahren,
vor 30 Jahren hätte man dort in einem Bürokontext gesagt, diese Rasterdecke, die lassen wir raus.
Wir lassen hier die ganzen Leitungen und Trassen, die lassen wir sichtbar.
Die ganze Technik lassen wir komplett sichtbar. Und darüber ist noch Sichtbeton.
Da hätte vor 30 Jahren sicherlich ganz viele... Nein, natürlich machen wir eine Abhangdecke hier rein.
Wir wollen das Ganze Zeug nicht sehen. Ist doch viel besser, ist heute anders.
In Anwaltskanzleien und anderen Büros, Rohdecken, offene Leitungsführungen sind normal.
Und deswegen, glaube ich, kann man sich die Gewohnheiten ändern.
Viele Auftraggeber kommen wahrscheinlich schon zu euch, weil sie eure Haltung
kennen und diesen Ansatz grundsätzlich mittragen.
Aber was passiert denn, wenn sich im Laufe der Planung zeigt,
dass ein Auftraggeber bestimmte Aspekte doch nicht mitgehen möchte?
Versucht ihr dann weiter zu überzeugen, gemeinsam Lösungen zu finden?
Oder gibt es auch Situationen, in denen ihr sagt, dann passt die Zusammenarbeit vielleicht nicht?
Ich glaube, wir suchen immer pragmatische Wege.
Wir sind nicht verbohrt in den Dingen, die wir tun und wie wir sie ausführen wollen.
Und wir suchen den Kompromiss.
Und am Ende wollen wir 80 Prozent des Marktes adressieren. Wir haben jetzt bisher
vor allen Dingen Vorreiter adressiert, die auch in die gleiche Richtung denken, aber...
Unser Angebot 2026 ist, dass wir unsere Dienstleistungen,
ganzheitliche Planungen und Ausstattungen für Büro und Co-Living und andere
entsprechend dem Gesamtmarkt anbieten und dass man unserer Planung auch vielleicht
erst auf den zweiten Blick ansieht,
was sie eigentlich mit Kreislauffähigkeit zu tun hat.
Das ist die Aufgabe von hier an in Richtung Zukunft, die breite Masse zu erreichen.
Denn die 20 Prozent, die auf dem Cradle-to-Cradle-Kongress sind und schon lange
als Pioniere wahrgenommen werden, egal aus welchem Themenfeld sie kommen, die sind überzeugt.
Wir brauchen alle. Nicht alle, aber mindestens 80 Prozent.
Und wir sind davon überzeugt, dass es möglich ist.
Du hast ganz am Anfang den Bauwendehof erwähnt. Welche Rolle spielt denn dieses
Projekt in eurer ganzen Arbeit?
Und vielleicht kannst du auch nochmal kurz erklären, was sie da genau macht.
Wir haben festgestellt, wenn wir mit wiedergewonnen Materialien arbeiten wollen,
dann brauchen wir einen Ort, wo wir sie mal kurz hinlegen können,
bevor wir sie weiterverarbeiten.
Das haben wir die ersten zwei Jahre über unsere Partner gemacht,
Handwerksbetriebe, die zum Beispiel mit uns anderthalb Tonnen Marmor zurückgebaut haben.
Und dann stand der bei uns am Glaser, da haben wir 80 Tonnen Massivholz mit
einem Tischler zusammen zurückgebaut, dann lag das dort.
Und irgendwann kriegten wir Anrufe, nachdem wir dann Teile davon schon verarbeitet
hatten, aber sie schoben es irgendwie von rechts nach links.
Und sagten Sven, wollt ihr mal euer Material? Also wir finden die Idee super
und wir arbeiten da auch weiter mit, aber...
Schieben sie von rechts nach links. Und deswegen haben wir gesagt,
wir brauchen selber einen Ort, wo wir die Dinge kurzfristig zwischenlagern können,
bevor wir sie in unsere Projekte einbringen.
Und dementsprechend haben wir vor anderthalb Jahren die ersten 500 Quadratmeter
angemietet, zusammen mit der Werkstatt für zirkuläres Handwerk,
also im Handwerksbetrieb, dort diese Themen zu fokussieren.
Also wie können wir auch Materialien selber aufarbeiten zum Beispiel und kurzfristig
zwischenlagern. Jetzt hatten wir die Chance,
weitere 1200 Quadratmeter anzumieten. Das haben wir getan und daraus ist jetzt
in Gänze der Bauwendehof geworden.
Das ist 500 Quadratmeter Werkstatt für verschiedene Handwerksdisziplinen.
Ein Forum von 300 Quadratmetern, wo Coworking und Workshops und Materialbibliothek stattfindet,
wo also Menschen, die sich mit dem Thema Handwerk und Bauen auseinandersetzen,
einen Arbeitsplatz finden,
miteinander auch arbeiten können, was wir feststellen.
Dann haben wir einen Bauleiter und auch einen Handwerksunternehmer im Innenausbau
und der eine hat den Kunden, der andere die Dienstleistung.
Und so kommen dort vor allen Dingen diese Themen zusammen.
Das Ganze hat die Überschrift Kreislaufwirtschaft.
Genau, aktuell planen wir zum Beispiel mit ADEX einen Aufschlag zum Thema,
okay, wie kann man denn Fliesen zirkulär an die Wand bringen,
so dass wir sie da abbekommen, wie können wir das auch an Handwerkerinnen und
Handwerker und an Planerinnen und Planer gleichzeitig kommunizieren.
Und es gibt noch eine Praxis-Workshop-Fläche, wo man dann das auch mal mit der
Hand ausprobieren kann.
Sodass nicht nur Theorie ist, daher kommen wir ja einfach machen,
sondern wirklich in die Umsetzung zu gehen, in die Anwendung.
Und dann haben wir noch 800 Quadratmeter Fläche, die an verschiedene Unternehmen
vermietet werden als Lagerfläche Oder aktuell arbeiten wir noch an einem Förderantrag,
wo verschiedene Stakeholder dort zusammenkommen werden.
Förderantrag der Europäischen Union, wo...
Kreislaufwirtschaft weiter skaliert
werden soll. Und es gibt ja auch eine Ausstellung, die eröffnet wurde.
Also das war vor allen Dingen, um eine Art Kick-off zu machen,
um allen Menschen, die es interessiert in Düsseldorf und auch Umgebung und auch
deutschlandweit, es sind Menschen aus Berlin angereist, aus München, aus Frankfurt.
Wir haben eine Ausstellung kuratiert, die initiiert wurde von Jonas Dürr und Pax Grünsch.
Zwei Tischlern, die auch Mitbegründer des Bauwendehofs sind und die haben zwölf
Teams eingeladen, bestehend aus Planerinnen, Architektinnen,
Produktdesignern, Tischlerinnen.
Die aus einem sogenannten Materialstapel, also gebrauchten verschiedenen Materialien,
einen Stegreifentwurf gemacht haben.
Und daraus sind dann zwölf verschiedene Produkte für die Küche,
der Rahmen quasi, entstanden.
Eine Stehhilfe, wo Kinder irgendwie mit kochen können.
Gewürzregale, einen Teewagen, einen Stuhl, zwölf verschiedene,
ganz, ganz unterschiedliche Produkte, die aber alle mit dem gleichen Materialien
hergestellt wurden und mit Gebrauchsmaterialien hergestellt wurden.
Das haben wir quasi dort ausgestellt,
Und danach versteigert an die Menschen, die dort waren und den Betrag gespendet an die Grünhelme.
Diese Ausstellung haben wir dazu genutzt, auch die ganzen anderen Flächen des
Bauwendehofs zu bespielen.
Zu erklären, warum wir momentan linear bauen, was das bedeutet,
warum das problematisch ist und wie geil es aussehen kann und sich anfühlt,
wenn wir gesund und kreislaufgerecht bauen. Den Aufschlag haben wir dort gemacht.
Sehen, leben, fühlen, machen, ins Handeln kommen, war da quasi die Devise.
Zum Abschluss hätte ich noch eine Frage mit Blick auf den Nachwuchs.
Viele junge Architektinnen und Architekten interessieren sich für zirkuläres
Bauen, wissen aber oft gar nicht, wie sie praktisch einsteigen können.
Was würdest du ihnen raten? Wie kann man den ersten Schritt machen?
Ich bin überzeugt, man muss das Thema ganzheitlich verstehen.
Da habe ich eigentlich auch meine Reise begonnen, als ich mich fragte,
okay, wenn ich jetzt im Beruflichen nachhaltig agieren möchte, was bedeutet das?
Im Privaten war das ja klar, weniger Plastiktüte, mehr Bahnfahren, weniger Fleisch.
Aber auf so einem individuellen Maßstab kann ich meinen Durchschnittsfußabdruck
von zwölf vielleicht durch asketisches Leben auf sechs Tonnen pro Jahr reduzieren.
Durch mein Handeln in der Skalierung der Bauwirtschaft habe ich einen deutlich größeren Handabdruck.
Aber Architektur oder Innenarchitektur zu machen und mal ein nachhaltigeres
Material oder da ist vielleicht ein recyceltes PET drin und zu sagen,
okay, cool, das ist nachhaltig, ist zu wenig.
Wir müssen die planetaren Grenzen und die Ganzheitlichkeit unseres Handelns verstehen.
Und das ist nicht nur CO2-Emissionen, das ist auch Ressourcenverschwendung,
planetare Grenzen, Ozeanversauerung, ganzheitliches Verständnis.
Und dann eintauchen, welche Materialien gibt es eigentlich? Wie kann ich die einsetzen?
Wie kann ich sie so einsetzen, dass sie wieder zurückgewinnen kann?
Die Denkschule von Cradle to Cradle, die hat mir quasi dahingehend die Augen
geöffnet. Man kann von der Zertifizierung halten, was man möchte.
Sie ist eine gute Guideline und guckt wirklich tief rein.
Aber man kann, die Denkschule impliziert auch die Idee von Regeneration.
Also nicht nur weniger schlecht sein, sondern einen positiven Fußabdruck hinterlassen.
Im Wirtschaftskontext regeneratives Wirtschaften.
Natur positiv gibt es verschiedene, aber da muss das Ziel sein.
Also nicht nur nachhaltig, also nicht mehr Schaden hinzufügen,
sondern wirklich, wie können wir dazu beitragen, unseren Planeten durch unser
wirtschaftliches Handeln wieder instand zu setzen.
Und ich bin überzeugt, das ist möglich.
Und wenn man sich damit ganzheitlich auseinandersetzt, eröffnen sich tolle neue
Möglichkeiten, wie man planen und gestalten kann und damit anfangen.
Da zu verstehen und dann wirtschaftliche Lösungen entwickeln.
Wie kann ich das auf die Straße bringen? Wie kann ich das meinen Kundinnen und Kunden anbieten?
Zum gleichen Preis wie konventionell. Wir müssen den Markt schlagen.
Nur dadurch, dass es moralisch, ethisch besser für den Planeten ist,
werden wir das Ruder nicht rumreißen.
Und wir sind aber 2026 da angekommen, dass das möglich ist.
Innovieren, Gas geben, anpacken. nicht mehr der Abgesang auf Deutschland und
Europa anpacken und Dinge verändern. Und zwar zum Positiven.
Und ich bin fest überzeugt, das kann uns in dieser Planungsdisziplin auf jeden Fall gelingen.
Ein später Nachmittag im Düsseldorfer Stadtteil Flingern.
Vor einer großen Werkhalle stehen Menschen in kleinen Gruppen zusammen,
einige mit Notizblöcken, andere mit Kaffeebechern in der Hand.
Aus der geöffneten Halle dringen Stimmen, das rhythmische Surren einer Schleifmaschine,
das Klopfen von Holz auf Werkbänken. Es riecht nach Holzstaub,
Metall und frisch aufgearbeiteten Oberflächen.
Drinnen führt ein schmaler Weg zwischen hohen Regalen hindurch,
auf den Materialien lagern, die sonst längst entsorgt worden wären.
Natursteinplatten, alte Türblätter, Stahlprofile, Holz aus zurückgebauten Möbeln,
sorgfältig beschriftet und nach Herkunft sortiert.
Daneben arbeiten Handwerksteams gemeinsam mit Planungsteams an Prototypen.
Aus einem Stapel unterschiedlichster Materialien entsteht gerade ein kleines Küchenmöbel.
Ein paar Meter weiter wird ein alter Holzstuhl zerlegt, um seine Teile neu zu kombinieren.
Im hinteren Teil der Halle stehen Tische dicht beieinander.
Hier diskutieren Architekturbüros, Handwerksbetriebe, Studierende und Projektentwickler
über konkrete Anwendungen, vergleichen Materialien, skizzieren Details.
Ein Workshop läuft, bei dem ausprobiert wird, wie sich Fliesen so montieren
lassen, dass sie später wieder zerstörungsfrei zurückgebaut werden können.
Gegen Ende des Abends stehen die Türen im Bauwendehof noch offen.
Gespräche ziehen sich bis in den Hof, neue Kontakte werden geknüpft,
jemand notiert eine E-Mail-Adresse auf einem Stück Karton.
Es geht nicht darum, fertige Antworten mitzunehmen. Es geht darum,
Teil von etwas zu werden, das gerade entsteht.
Der Bauwendehof versteht sich als offener Ort. Wer Interesse hat,
kann vorbeikommen, mitmachen, sich einbringen.
Sven Urselmann formuliert es offen und direkt. Wir brauchen viele.
Menschen, die Lust haben, Dinge zu bewegen, auszuprobieren, weiterzudenken.
Und dieser Ort bleibt kein Einzelstück. Ähnliche Initiativen entstehen bereits in anderen Städten.
In Berlin, Aachen, Münster oder Köln.
Wer genauer hinschaut, sieht, wie viel bereits in Bewegung ist und wie sich
die Bauwende Schritt für Schritt
wirtschaftlich, gestalterisch und verantwortungsvoll umsetzen lässt.
Das war eine weitere Folge von Planstimme, dem Format von Architektourist über
die Menschen hinter den Plänen.
Mehr über Sven Urselmann, das Büro Urselmann Interior und den Bauwendehof in
Düsseldorf findest du wie immer in den Shownotes.
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Ich bin Alexandra Busch, danke Dir fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge von Architektourist.
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